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Mit Flüssigfleisch den Markt erobern

Mit Flüssigfleisch den Markt erobern

Peter und Philipp Klassen aus Temmels entwickeln ein einzigartiges Produkt. Um es zu vermarkten, stellen sie ihren Metzgereibetrieb um. Ab Ende September gibt es kein Thekengeschäft mehr.

Temmels Peter Klassen ist Fleischer aus Leidenschaft. Bis vor kurzem war der 55-Jährige Obermeister der Fleischer-Innung Trier. Aber er macht sich auch immer wieder Gedanken über die Zukunft seiner Fleischerei in Temmels. Die führt er gemeinsam mit seinem Sohn Philipp. Natürlich hat sich der Seniorchef immer wieder gefragt, wie er das Unternehmen aufstellt, damit es auch noch seinen Sohn ernährt.
Da fügt es sich gut, dass Stefan Kimmel seit 2010 in dem Familienbetrieb arbeitet. Zunächst hatte ihn Peter Klassen vor dreieinhalb Jahren beauftragt, sich Gedanken über ein neues Produkt zu machen. "Es sollte zu 100 Prozent aus Fleisch bestehen und sollte flüssig sein, damit es beispielsweise LKW-Fahrer schnell anstelle einer fleischhaltigen Mahlzeit zu sich nehmen können", berichtet der Koch und Ernährungsberater im TV-Gespräch.
Schnell war der Punkt erreicht, an dem Kimmel nicht mehr weiterkam. Das war der Moment, als er sich wieder an Peter Klassen wandte und um Hilfe bat. "Wir haben dann die Entwicklung dieses neuen Produkts Schritt für Schritt vorangetrieben", so der Seniorchef. Zu dritt habe man sich hervorragend ergänzt - Kimmel mit seiner Erfahrung als Koch und Ernährungsberater, Vater und Sohn mit ihrem Wissen über das Produkt Fleisch.
Warum flüssig? Diese Nahrung habe den Vorteil, dass sie vom Magen schneller aufgenommen werde, erklärt der Koch des Entwicklungsteams. Und wer könnte an so einem Produkt interessiert sein? Noch mal Kimmel: "Sportler, Menschen, die Probleme haben, feste Nahrung zu essen, oder Verbraucher, die schnell eine Mahlzeit zu sich nehmen wollen."
Als das bislang einzigartige Produkt entwickelt war, ging es um die Frage, wie es sich produzieren und vermarkten lässt. Der Standort für die Fleischerei in Temmels stand nicht zur Diskussion. Aber klar war auch, dass sich etwas ändern muss. "Wir haben uns dann dazu entschieden, den Verkauf von Fleisch- und Wurstwaren über die Theke einzustellen", sagt Peter Klassen. Trotzdem will man künftig weiter die klassischen Fleischprodukte vermarkten. "Das geschieht zum einen über unseren Selbstbedienungsmarkt, zum anderen können unsere Kunden telefonisch oder via Internet ihre Waren bestellen und dann einem Schließfach entnehmen", erklärt Peter Klassen. Das gilt ab dem letzten Septemberwochenende. Der Mittagstisch bleibe aber in seiner bisherigen Form erhalten.
Das fleischhaltige Getränk in den drei Geschmacksrichtungen Beef Bombay, Pure Beef und Royal Chicken wird ebenfalls in Temmels verkauft. Man wird es aber auch im regionalen Einzelhandel und in Tankstellen finden, kündigt Philipp Klassen an. Wichtig war den zwei Unternehmern, dass keiner ihrer etwa 30 Angestellten wegen der Umstellung der Produktion entlassen wird. Peter Klassen ist sich bewusst, dass das neue Produkt polarisiert. Aber sie haben das Getränk in den vergangenen Jahren von vielen Menschen testen lassen; den meisten hätte es sehr gut geschmeckt. Und ein Marktforschungsinstitut habe bescheinigt, dass es einen Markt dafür gibt.
Kimmel betont, dass bei dem vom Unternehmen angewendeten Verfahren die Fleischfasern - also auch die Eiweißketten - erhalten bleiben. Erstmals weltweit sei dieser Weg so gelungen, dass es sich lohne, mit so einem Getränk in die Produktion zu gehen. Das Verfahren sei, so Peter Klassen, zum nationalen und zum internationalen Patent angemeldet worden.
Was jetzt noch fehlt, sind ein Logo und die endgültige Verpackung. Aber das ist jetzt, da sind sich die Entwickler einig, das geringste Problem, das es bei der Entwicklung dieses Produkts zu lösen gilt.
Ein Video, in dem das flüssige Fleisch vorgestellt wird, gibt es online unter <%LINK auto="true" href="http://www.volksfreund.de/videos" text="www.volksfreund.de/videos" class="more"%>
Extra: BEEF &AMP; CO. IM GESCHMACKSTEST


Der TV hat die Geschmacksvarianten Beef Bombay und Butcher Beef probiert. Beide Getränke werden aus Rindfleisch gekocht und mit Gewürzen und Kräutern verfeinert. Ein drittes Getränk, Royal Chicken, besteht aus Hähnchenfleisch. Beef Bombay verrät schon mit seinem Aussehen, dass es mit Currygewürzen abgeschmeckt wurde. Pure Beef schaut im Probierglas rot-braun aus. Es schmeckt deutlich nach Rind. Beide Getränke sind leicht sämig, man spürt die Fleischfasern im Mund. Nach dem Trinken tritt schnell ein Sättigungsgefühl ein. Einige Probeesser haben mit den Produkten auch schon gekocht, um daraus kräftig-aromatische Saucen zuzubereiten.