Mit hohem Tempo durch enge Kurven

Mit hohem Tempo durch enge Kurven

Als Kinderspielzeug wird es verkauft, von manchen als Sportgerät genutzt. Mit dem Bobbycar rasen die Fahrer beim Großen Preis von Oberemmel die Strecke hinab und lassen einen Hauch von Formel 1 durch die Weinberge wehen.

Konz-Oberemmel. Rennwochenende in Rheinland-Pfalz: Während auf dem Nürburgring Vettel & Co. in der Formel 1 ihre Runden drehen, geht es in den Oberemmeler Weinbergen ebenfalls heiß her. Die Fahrzeuge, die dort über die Strecke jagen, sind allerdings nicht nur etwas kleiner - sie produzieren weder Lärm noch Abgase und haben null PS. Mit ihren Bobbycars versuchen die Fahrer, die Ideallinie durch zwei enge Kurven zu finden. Wer zu stark bremst, verliert an Schwung für die nächste Gerade; wer zu wenig bremst, landet in den Strohballen entlang der Strecke.Bobbycars werden bereits seit fast 40 Jahren hergestellt, und so sind sie heute längst nicht mehr nur bei Kindern beliebt, sondern auch bei vielen, die inzwischen selbst Eltern sind. Und viele der Erwachsenen geben sich längst nicht damit zufrieden, einfach auf dem Gefährt ihrer Kinder Platz zu nehmen. Da wird geschraubt und gebastelt, was das Zeug hält. Der Weg ist das Ziel

Achim Schmitt, Titelverteidiger des Riesling-Cups, bei dem die einheimischen Fahrer starten, sagt dazu: "Der Weg ist das Ziel. Wenn es so etwas fertig zu kaufen gäbe, wäre es langweilig." A propos Riesling: Der Genuss von Alkohol ist den Fahrern laut Reglement erst erlaubt, wenn sie aus dem Rennen ausgeschieden sind - auch wenn die Idee zum Bobbycar-Rennen aus einer Viezlaune der Nikolausfreunde entstanden ist.Einige Fahrer steigen nicht nur in Oberemmel aufs Bobbycar, sondern nehmen an einer ganzen Rennserie von zehn Läufen teil, auch im Ausland. "In St. Kathrein in Österreich ist die Strecke sehr schnell, dort kommt man auf Geschwindigkeiten von über 100 Kilometern pro Stunde", sagt Holger Steinkuhl aus Fischbachtal bei Darmstadt. In Oberemmel sind es wegen der engen Kurven nur rund 60 Kilometer pro Stunde. "Da kommt es vor allem auf die Technik an", sagt der Weltranglistenerste der Amateure. Diesmal reicht es zwar nur zum fünften Platz, aber sein Vorsprung ist groß genug, um im Gesamtklassement vorne zu bleiben.Verschiedene Zukunftspläne haben die Oberemmeler Jugendlichen. Der 14-jährige Matthias Grundhöfer, will weiter nur zum Spaß mit einem Originalfahrzeug an den Start gehen. "Es lohnt sich nicht, gegen die Profis zu tunen", findet der Sieger seiner Klasse. Ken Lippert (15) dagegen will versuchen, noch einiges aus seinem Bobbycar rauszuholen. "Schwerer, schneller, mit besseren Reifen" soll es werden. "Aber", schränkt der Nachwuchsfahrer ein, "so, dass es nicht zu teuer wird." Bei den Profis kommen nämlich leicht ein paar Tausend Euro zusammen, die sie in ihr Gefährt investieren.Doch gerade die Mischung aus Kindern und Erwachsenen, Profis und Amateuren macht den Reiz des Oberemmeler Bobbycar-Rennens aus. Alle haben vor allem eines: viel Spaß. Und nicht nur Männer sind dabei. Janine Arnolds T-Shirt verkündet: "Auch Frauen können fahren." Als sie sich zur Siegerehrung umdreht, liest man: "lebender Beweis". Video ab 16 Uhr unter volksfreund.de/videosDie Fahrer gehen in verschiedenen Klassen an den Start - mit originalen oder umgebauten Fahrzeugen. Bei Kindern wird auch das Alter berücksichtigt. Hier die Sieger: Zwerge: 1. Sebastian Fischer; 2. Paul Romeis; 3. Lisa Willems. Bambini: 1. Loredana Kräker; 2. Jonas Schmitz; 3. Angelo Leismann. Junioren: 1. Hendryk Kunz; 2. Philipp Benzkirch; 3. Yannick Kräker. Jugend: 1. Janine Arnold; 2. Stephan Kusch; 3. Matthias Wingender. Riesling-Cup original: 1. Matthias Grundhöfer; Jürgen Benz; 3. Marcel Herrig. Riesling-Cup modifiziert: 1. Frank Schuler; 2. Jörg Stocky; 3. Karlo Jakobs. Amateure: 1. Christian Schenk; 2. Gerrit Bruns; 3. Janine Arnold. Profis (Großer Preis): 1. Denis Fetzer; 2. Thomas Nett; 3. Marcel Paul. daj

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