Mit Holz, Blech und Rhythmus

Der Klang des Hochwalds entsteht mit rund 60 Musikern, die aus vielen Vereinen zusammenkommen. Fest auf dem Terminkalender steht immer die musikalische Begrüßung des neuen Jahres. Spielorte sind die großen Hallen in der Verbandsgemeinde Kell - diesmal in Greimerath.

Greimerath. Rund 20 Vereine haben 1990 Musiker ins damals neue Orchester der Verbandsgemeinde Kell am See geschickt. Es sollte ein Zeichen der Gemeinsamkeit werden, ein klingendes Wir-Gefühl. "Wir wollten damals, dass die 13 Gemeinden näher zusammenrücken", erinnert sich der frühere Bürgermeister Werner Angsten.
Das neue Jahr musikalisch zu begrüßen ist seitdem fester Bestandteil des Terminkalenders. Diesmal war die Grimoldhalle in Greimerath der Spielort, denn bei rund 60 Musikern und mehr braucht es Platz, um den vielfältigen Sound zu entwickeln.
"Das ist jedes Mal viel Arbeit in der Vorbereitung", weiß Dirigent Karl-Heinz Willger, denn die Musikvereine in der Verbandsgemeinde und im Umland schicken nicht immer die gleichen Musiker in gleicher Anzahl in diesen überregionalen Klangkörper. Jedes Mal muss der Dirigent erneut ein großes Ganzes formen.
Einer fehlte jedoch zunächst: Vorsitzender Erwin Berens. Ein Wildunfall auf dem Weg zum Konzert hielt ihn auf. Mit dem Satz "Ich lebe noch" begann er seine verspätete Begrüßungsrede: "Für uns Musiker ist es immer eine Herausforderung, den Erwartungen gerecht zu werden." Doch das Verbandsgemeindeorchester enttäuscht nicht. Der Vollblutmusiker und Musikfunktionär schnappte sich sein Flügelhorn und spielte sofort mit.
Meisterliches auf ihren Soloinstrumenten gelangen Kristina Malburg (MV Neuhütten) mit ihrem Altsaxofon beim Beatles-Hit "Yesterday", zweimal Markus Becker (MV Zerf) bei "O mein Papa" von Paul Burkhard und Bill Contis "Gonna fly now". Die führende Klarinette bei der "Werksmusik" des Hilti-Konzerns von Kess Vlak übernahm Thomas Blatt (MV Kell). Bei diesem Titel kam sogar ein Amboss zum Einsatz.
Vom Marsch bis zu den Welthits eines Chuck Berry reichte die Spannweite des Programms. Mittendrin im Orchester: Walfried Schramm vom Musikverein Greimerath. Der Klarinettist wird in einem halben Jahr 80. Schon jetzt wurde er für seine Treue zum Orchester und als Vorbild für den Musikernachwuchs geehrt.
Fast 350 Zuhörer genossen den Abend. Bürgermeister Edmund Schmitt hatte diesmal die acht Flüchtlinge, die derzeit in Greimerath leben, eingeladen, diese Form der deutschen Kultur mitzuerleben.
Unter ihnen die beiden syrischen Brüder Mohammad und Achmad Alzaori: "Musik ist interkulturell. Sie bringt immer Bilder in den Kopf", findet der 26-jährige Mohammad. Der 23-jährige Achmad fügt hinzu: "Wir haben in Syrien auch solche Orchester. Die spielen gar nicht so viel anders."