Mit Humor und Freundlichkeit ins hohe Alter
Hermeskeil · Freundlichkeit, Ausgeglichenheit und schalkhafter Humor - das sind Werte, die sich der ehemalige Hermeskeiler Bürgermeister Oskar Becker bis ins hohe Alter erhalten hat. Am heutigen Montag feiert Becker seinen 90. Geburtstag.
Hermeskeil. Es gibt Politiker, die vergisst man schon mal im Laufe der Zeit. Andere hingegen bleiben gerne in der Erinnerung der Bevölkerung haften. Einer von ihnen ist Oskar Becker, ehemaliger Bürgermeister von Hermeskeil. Seine ausgeglichene Freundlichkeit und sein schalkhafter Humor zeigen schon gleich auf, woran man mit Oskar Becker ist.
Bei der Arbeit Bürokrat
"Einmal Bürokrat - immer Bürokrat", das traf für Becker nur für seine Amtszeit zu, der er seine gesamte Kraft widmete. "Seit meiner Pensionierung widme ich mich meiner Familie und meiner Person, und das tut mir gut", sagt Becker, der sich bereits 1995 aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen hat.
1941 schloss er seine Lehre bei der damaligen Amtsverwaltung in Hermeskeil ab, musste allerdings einige Monate später zur Wehrmacht und erlebte den Krieg als Soldat bis zum bitteren Ende, wobei es ihm nicht erspart blieb, aufgrund einer Verwundung seinen linken Unterarm zu verlieren. "Ich wurde als bedingt kriegsdienstfähig befunden und bin 1945 in den Genesungsurlaub mit einem Fahrrad von Berlin nach Gusenburg geradelt."
Becker durchlief alle erforderlichen Verwaltungslehrgänge und wurde 1971 zum ersten hauptamtlichen Beigeordneten der Verbandsgemeinde (VG) Hermeskeil ernannt. Der Höhepunkt seiner Karriere war zweifellos die Wahl zum VG-Bürgermeister im Jahr 1973. Bereits 1948 sei er bei einer Mehrheitswahl in den Gemeinderat gewählt worden, wo er als erster Beigeordneter mit an der Spitze gestanden habe.
Gegner und Andersdenkende
"Mir ging es immer um das Wohl der Gemeinden und deren Einwohner", sagt Becker heute. "Es hat zwar oft kraftvoller Bemühungen bedurft, die geprägt waren von langwierigen Verhandlungen mit meinen politischen Partnern", betont Becker, für den es nach eigenen Aussagen nie Gegner, sondern nur Andersdenkende gab. Nicht nur deswegen genoss Becker ein hohes Ansehen bei der Hochwaldbevölkerung. Wer sich für die Person Becker interessiert, weiß, dass er Mitglied im Gusenburger Gemeinderat und später erster Beigeordneter der Stadt Hermeskeil war, und dass Becker einer der Ersten war, der sich für die Erhaltung der Burg Grimburg einsetzte. Aber diese Ämter sind heute Vergangenheit, ebenso wie der Vorsitz im Förderverein des St. Josef Krankenhauses und des Altenzentrums St. Klara.
Becker, der mit Ehefrau Marlene (87) in seinem 1954 errichteten Eigenheim lebt, ist stolz auf seine Kinder. Sein Sohn ist Informatik-Professor in Freiburg, und die Tochter arbeitet als Ärztin in einer eigenen Praxis in Hermeskeil.
Welche Gedanken ihn derzeit bewegen? Die geplante Gebietsreform: "Es gibt Wichtigeres für die Entwicklung von Hermeskeil als die Diskussion über eine Verwaltungsreform." Und da wäre noch der beabsichtigte Bau einer Privatklinik. "Das Areal ist im Flächennutzungsplan als eine Grünfläche ausgewiesen. Ich bin der Meinung, man sollte es dabei belassen." hm