Mit Klärschlamm Energie sparen und Strom gewinnen

Mit Klärschlamm Energie sparen und Strom gewinnen

Die Verbandsgemeindewerke Saarburg wollen im kommenden Jahr die Kläranlagen in Saarburg, Palzem und Wincheringen für 890 000 Euro energetisch sanieren. Allein durch die Modernisierung der Abwasserreinigungsanlage Saarburg könnten jährlich bis zu 400 000 Kilowattstunden Strom eingespart werden.

Saarburg. Leo Lauer, Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Saarburg, ist begeistert: "Das ist wie ein Sechser im Lotto." Zuvor hatten er und die Mitglieder des Werksausschusses der VG mit zunehmendem Interesse den Ausführungen von Norbert Meyer, Geschäftsführer der Firma Bitcontrol aus Schleid (VG Arzfeld), zugehört.
Mit seinem Team hat Meyer im Sommer die Kläranlagen in der VG untersucht. Der Auftrag lautete herauszufinden, ob sich durch eine Optimierung der Kläranlagen Energie einsparen lässt. Meyer, der an der Universität Karlsruhe Verfahrenstechnik studierte und sich schon in dieser Zeit auf das Thema Klärtechnik konzentriert hat, wurde fündig. "Allein bei der Kläranlage Saarburg sehe ich ein Einsparpotenzial von rund 400 000 Kilowattstunden Strom."
Erreichen will Meyer diese Ersparnis durch eine bessere Belüftung des Sandfangs (siehe Extra) und eine effizientere Nutzung des anfallenden Faulgases.
"85 Prozent der Energie kann durch verbesserte Rührwerke und die Modernisierung der Belüftungsanlagen eingespart werden", erklärt Meyer. Er schätzt, dass sich die Kosten für diesen Schritt mit rund 350 000 Euro beziffern lassen.
Innerhalb von sieben Jahren sollen die eingesparten Energiekosten die Investitionen wieder ausgleichen. Über eine vielleicht nötige Gebührenerhöhung hat der Werksausschuss auf Anraten Lauers nicht beraten. Meyer schlug den Ausschussmitgliedern außerdem vor, ein Blockheizkraftwerk zu bauen. "Es kann zur Stromgewinnung genutzt werden, mit der Abwärme lassen sich die Gebäude der Kläranlage heizen und der Faulturm kann auf Temperatur gehalten werden."
Die Kosten hierfür lassen sich auf 270 000 Euro beziffern. Diese Investition rechne sich nach spätestens sieben Jahren. Auch seien diese Kosten förderfähig. Im Rahmen seiner Untersuchung kam Meyer auch zu dem Ergebnis, dass die Rührwerke in den zwei Kläranlagen in Palzem und Wincheringen dringend ausgetauscht werden sollten. "Die Automatisierungstechnik in den Anlagen ist veraltet", sagte der Experte. Kosten je Kläranlage: rund 60 000 Euro.
Als letzten Punkt analysierte Meyer die Fernwirktechnik, mit der die Abwasserreinigungsanlagen aus der Distanz überwacht und gesteuert werden. Erstaunt war er, dass die Verbandsgemeindewerke hier noch auf analoge Technik setzen. "Ich rate dringend, zukünftig die erforderlichen Daten über ein Funknetz abzurufen und zu übermitteln." Gegenwärtig sei die Betriebssicherheit der Anlagen nicht länger gewährleistet, weil es keine Ersatzteile zur Reparatur des Netzes mehr gebe. Für die Umstellung der Fernwirktechnik von analoger auf digitale Datenübertragung müssten die Verbandsgemeindewerke mit Kosten von rund 150 000 Euro kalkulieren.
Die Gesamtkosten für die energetische Sanierung von geschätzten 890 000 Euro stehen im Investitionsplan der Verbandsgemeinde, über den auf der nächsten Sitzung des Verbandsgemeinderats diskutiert werden soll. Über eine Anhebung der Abwassergebühren wird erst zu einem späteren Zeitpunkt entschieden.

Extra

Bevor die Abwässer geklärt werden, durchlaufen sie einen belüfteten Sandfang, in dem sich grobe Verunreigungen, etwa Steine oder Gemüsereste, absetzen. Das Schmutzwasser gelangt in ein Vorklärbecken, in dem sich ungelöste Stoffe, etwa Fäkalien und Papier, absetzen. Das zu reinigende Wasser fließt weiter in nachfolgende Klärbecken, wo es biologisch gereinigt wird. Der im Vorklärbecken anfallende Klärschlamm landet letztlich im sogenannten Faulturm. Mit Hilfe eines Blockheizkraftwerkes kann so das beim Gärprozess entstehende Faulgas zur Stromerzeugung genutzt werden. itz