Mit Liedern aus den 20ern in die Zukunft

Mit Liedern aus den 20ern in die Zukunft

KONZ. Traditionelle Männerchöre haben es immer schwerer: Vielen droht ein "natürliches Ende". Nicht dem 1913 gegründeten Männergesangverein "Lyra" Oberemmel. Er hat einen neuen Weg gefunden, sangesfreudige Männer jedes Alters an sich zu binden. Sein 14-köpfiger A-cappella-Chor "Choract" pflegt eine zwar aus den 20er-Jahren stammende, aber immer beliebter werdende Tradition. Und verzeichnet Erfolge.

Der "kleine grüne Kaktus" blüht (noch) nicht im Repertoire von Choract, dafür aber singen die 14 der berühmten Veronika unter anderem ins Ohr, dass der Lenz da ist. Musikalische Vorbilder der im April 2005 von Bäckermeister im Unruhestand Ewald Schu als Projektchor gegründeten Gruppe sind die "Comedian Harmonists". Seit April 2005 probt der A-cappella-Chor, drei erfolgreiche Auftritte hat er mit Bravour über die Bühne gebracht. Derzeit bereitet er sich auf den 15. September vor, dann ist er Teil eines Otto-Reutter-Abends mit Ewald Schu in der Tufa Trier. Die Proben zielen auch auf den übernächsten Auftritt von Choract. Den gibt es im November beim Chorfestival in Oberemmel. Am Freitag, 17. November, tritt Choract dort mit drei weiteren A-cappella-Chören auf, am Samstag, 18. November, singen vier Männerchöre bei einem klassischen Abend. Die zweitägige Veranstaltung in Oberemmel zeigt Spannweite und Spannungsfeld der Männerchormusik auf. Da ist einmal die strenge klassische Chormusik, zum anderen präsentiert sich der (längst nicht von allen Chorsängern akzeptierte) leicht-beschwingte Chorgesang. Ewald Schu beschreibt das Problem der Männergesangvereine so: "Die Massenbewegung Männerchor neigt sich dem Ende zu, junge Männer wollen zwar singen, aber sich nicht den klassischen Männerchören anschließen. Sie wollen mit ihren Auftritten ankommen und nicht die herkömmlichen Lieder vom Wandern, Wein und von der Liebe singen. Der größte Teil der Chorliteratur ist veraltet und entspricht nicht mehr dem Geschmack eines modernen jungen Publikums." Deshalb gehe bei vielen Chören nicht nur die Zahl der Sänger zurück, sondern das Publikum sterbe mit den alternden Sängern aus. Schu ist überzeugt, dass "sein" Verein den richtigen Weg in die Zukunft beschreitet. Als er die Gründung des Projektchors vorschlug, meldeten sich zehn von 30 aktiven Sängern spontan, zwei inaktive und zwei junge, ausgebildete Sänger kamen hinzu. Für die 14 Choract-Sänger bedeutet die Teilnahme am "neuen Weg" zusätzliche Proben, meist am Wochenende. Schu: "Dazu sind sie aber gern bereit. Es macht ihnen und Chorleiter Joachim Weber viel Spaß." Die Sänger, denen die alt-neue Kunst der Musikdarbietung so viel Freue bereitet, kommen aus allen Altersgruppen von 25 bis 65 Jahren, vom Studenten über Handwerker, Beamte, Angestellte, Augenarzt bis zum Bundeswehr-Oberstleutnant ist eine beachtliche gesellschaftliche Auswahl vertreten. Obwohl der A-cappella-Gesang eine unüberhörbare Renaissance erfährt, ist die Beschaffung von Literatur nicht ganz so einfach. Man tauscht sich mit anderen Chören aus, wobei peinlich genau auf die Beachtung etwaiger Rechte an den Liedern geachtet werden muss. Schu: "So einfach abkupfern ist nicht. Das kann sehr viel Ärger bereiten und obendrein teuer werden." Keinen Ärger, sondern musikalischen Ohrenschmaus soll das "ensemble six", eine Nachfolgegruppe der Comedian Harmonists, am 28. April 2007 bei einem Gastspiel in der Turnhalle Oberemmel verbreiten. Wer vorab eine Kostprobe dieser A-cappella-Gruppe hören will, hat am Sonntag, 24. September, Gelegenheit dazu. Dann tritt das Ensemble um 11 Uhr im ZDF auf.