Mit Technik gegen "Frau Holles" Wüten

Schwere Hagelstürme haben 2007 die Region heimgesucht. Seitdem diskutieren die Verbandsgemeinden (VG) der Region über die Abwehr von Hagelunwettern mit speziellen Flugzeugen. Bei der heutigen VG-Ratssitzung bespricht das Gremium die Finanzierung.

 Aus dem Behälter unter der Tragfläche werden Silberjodit-Kristalle in die Gewitterwolke versprüht. Foto: TV-Archiv/Norbert Klippel

Aus dem Behälter unter der Tragfläche werden Silberjodit-Kristalle in die Gewitterwolke versprüht. Foto: TV-Archiv/Norbert Klippel

Konz. "Hagelabwehr an der Mosel" ist ein VG-übergreifendes Projekt, das heute auf der Tagesordnung des VG-Rates Konz steht. Seit 2007 wird das Projekt in der Region intensiv diskutiert. Damals verursachten Hagelschauer immense Schäden an Gebäuden, Fahrzeugen und Weinbergen. In der Folge hat das Dienstleistungszentrum ländlicher Raum (DLR) den Einsatz von Hagelbekämpfungsflugzeugen an der Mosel vorgeschlagen.

Voraussichtlich kostet diese Form der Hagelabwehr laut DLR insgesamt 140 000 Euro pro Jahr. Das derzeitige Modell sieht vor, dass das Land, die beteiligten Kommunen und die Winzer sich die Kosten teilen. Mehrere Verbandsgemeinden haben den Vorschlag in die Haushaltsplanung 2009 aufgenommen - zum Beispiel die VG Schweich. Andere zögern die Beteiligung hinaus, sind aber grundsätzlich für das Projekt. Seitens der Verbandsgemeinden habe es bisher nur eine Ablehnung gegeben. Das Problem sei im Moment, wie und ob sich die Winzer an dem Projekt beteiligen, sagt Wolfgang Zipse von der Abteilung Weinbau des DLR.

Die VG Konz, die Weinanbauflächen von etwa 1300 Hektar hat, müsste etwa 4000 Euro pro Jahr dafür einplanen. "Ich denke, diese Maßnahme ist nur sinnvoll, wenn alle mitmachen", sagt Karl-Heinz Frieden, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Konz. Ähnlich sehen es die Fraktionen von CDU, SPD, FDP und FWG im VG-Rat. Sie halten das Projekt grundsätzlich für sinnvoll, um die lokale Wirtschaft zu unterstützen. Zustimmen wollen sie dann, wenn sich alle beteiligen.

Die Grünen sehen die Angelegenheit anders. "Wir sind dagegen, weil wir nicht überzeugt sind, dass die Maßnahmen greifen", sagt Sabine Quijano, Fraktionssprecherin der Grünen im VG-Rat. Es gebe noch keine Langzeitstudien, die die Wirksamkeit der Methode beweisen.

Die Hagelabwehr an der Mosel soll folgendermaßen funktionieren: Künftig soll ein Pilot mit seiner Spezialmaschine in Föhren stationiert sein. Dort - oder je nach Wettervorhersage von Ausweichflughäfen aus - startet er dann mit seinem Hagelabwehrflieger, um die Wolken mit Silberjodit zu "impfen".

Dazu soll sein Flugzeug mit zwei Spezialgeneratoren ausgestattet werden. Das sind zylinderförmige Tanks, die mit einer Brennkammer versehen und unter der Tragfläche montiert sind.

In diesen Tanks wird eine Silberjodit-Aceton-Lösung verbrannt, so dass pro verbranntem Gramm dieser Lösung dreißig Billionen Silberjodidkristalle in Richtung der Gewitterwolken freigesetzt weden. Dort sollen sie verhindern, dass große Hagelkörner entstehen. Schäden sollen somit gering gehalten werden, indem die Körner klein gehalten werden. Extra Geschichte der Hagelabwehr: In 30 Ländern weltweit wird Hagelabwehr aus der Luft angewandt. In Deutschland gibt es derzeit in zwei Regionen Hagelfliegerei, im Ems-Murr-Kreis und im Landkreis Rosenheim. Früher wurde die Hagelabwehr mit Hilfe von Raketen betrieben. 1973 musste diese Methode wegen einer Änderung im Sprengstoffgesetz aufgegeben werden. Im Folgejahr waren die Hagelschäden im Landkreis Rosenheim jedoch so groß, dass in der Folge ein Hagel abwehrflugzeug eingesetzt wurde. (cmk)VG-RatsProgramm Neben der Hagelabwehr besprechen die VG-Ratsmitglieder heute unter anderem den Neubau des Hallen- und Freibades Konz und die Kooperation der Städte Trier, Schweich und Konz. Zudem verabschieden sie den Haushalt für die VG und diskutieren mögliche Investitionsmaßnahmen mit Hilfe des Konjunkturpakets. (cmk)

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