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Mitfahrportal soll Nahverkehr verbessern

Mitfahrportal soll Nahverkehr verbessern

Die Verwaltung will das Nahverkehrsangebot in der Stadt und der Verbandsgemeinde Konz verbessern. Dazu startet sie als eine von zwei Kommunen deutschlandweit eine Kooperation mit einem Mitfahrportal im Internet.

Die Anbindung der Dörfer in der Verbandsgemeinde Konz an das öffentliche Verkehrsnetz sind ausbaufähig - das ist unstrittig. Doch wie die Kommune dagegen vorgehen kann, ist noch unklar. Jetzt beschreitet die Verwaltung einen neuen Weg. Sie kooperiert mit dem Internetportal mitfahrgelegenheit.de aus München und hat es in die eigene Homepage www.konz.eu integriert.
Auf der rechten Seite unter der Rubrik "Jetzt neu" ist dort der Hinweis auf "Mitfahrgelegenheiten" zu finden. "Das kostet uns nichts", erläutert Achim Lutz, Pressesprecher der Stadt Konz. Das Internetportal finanziere sich komplett über Werbeeinnahmen.

Von Konz in eine andere Stadt

Dort können sich ab sofort Fahrer eintragen, die gerne jemanden mitnehmen wollen - von Konz in eine andere Stadt. Mitfahrer finden dort den passenden Fahrer für die gewünschte Strecke. Sie klicken das passende Angebot an und rufen den privaten Anbieter der Fahrt an. Im persönlichen Gespräch klären beide die Einzelheiten - Abfahrzeit, Treffpunkt und eine eventuelle Beteiligung an den Benzinkosten. Dann kann die Fahrt losgehen.
"Wir haben zahlreiche Städte mit denen wir kooperieren", sagt Tobias Helbing, Produktmanager bei mitfahrgelegenheit.de. Insgesamt würden über das Portal 10 000 bis 30 0000 (Mit-)Fahrer täglich vermittelt. Bisher liege der Schwerpunkt auf langen Strecken. "Der Trend geht aber immer mehr zur Kurzstrecke unter 50 Kilometern", führt er weiter aus.

Gerade in eher ländlichen Regionen mit vielen Pendlern - wie in der Verbandsgemeinde Konz - könne er sich gut vorstellen, dass solch ein Angebot gut ankommt. "Da bin ich ganz optimistisch, dass das funktioniert", sagt Helbing.
Angesichts leerer öffentlicher Kassen sei eine Erweiterung des vorhandenen Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) nicht unbegrenzt möglich, sagt Karl-Heinz Frieden, Bürgermeister der VG Konz. "Wir hoffen, dass wir mit dieser neuen Mobilität die Engpässe des ÖPNV in der Verbandsgemeinde, aber auch in der Stadt Konz etwas mildern können", sagt Frieden.

Hoffnung wird bestärkt

Seine Hoffnung wird bestärkt durch die Erfahrungen von Hans Rehbehn, Pressesprecher des Landkreises Weilheim-Schongau in Oberbayern (siehe Extra). Der Landkreis ist laut mitfahrgelegenheit.de neben der VG Konz bisher die einzige Kommune in Deutschland, die mit Hilfe des Portals nicht nur den Fern-, sondern auch den Nahverkehr verbessern will. Das Projekt laufe in dem bayerischen Landkreis seit etwa einem halben Jahr, sagt Rehbehn.
Am Anfang sei das Projekt zäh angelaufen. Erst müsse sich erst einmal herumsprechen, dass es ein solches Angebot gibt. "Inzwischen läuft das aber wunderbar." Vor allem bei Berufspendlern - auch in kleineren Gemeinden - komme das Mitfahrportal gut an. Genaue Auswertungen liegen dem Landratsamt allerdings noch nicht vor.Meinung

Einen Versuch wert
Die Verbandsgemeindeverwaltung in Konz setzt auf Eigeninitiative, um das Problem des mangelhaften Nahverkehrsangebots zu lösen. Menschen mit Autos sind gefragt, ihre Fahrten, bei denen sie noch Platz im Wagen haben, auf dem Portal anzukündigen. Finden potenzielle Mitfahrer eine passende Fahrt, reicht ein Anruf, um sich einen Platz im Auto zu sichern. Bei Fernstrecken hat sich diese Art zu reisen in den zurückliegenden Jahren bereits durchgesetzt. Das beweisen die 10 000 bis 30 000 vermittelten Fahrgäste täglich, die die Portal-Betreiber angeben. Das Experiment im Nahverkehrsbereich ist auf jeden Fall einen Versuch wert. Denn Kosten für die Steuerzahler entstehen keine. Mitfahrer machen Autofahrten normalerweise sogar günstiger, weil sie sich an den Spritkosten beteiligen. Und bei Pendlern - davon gibt es in der Verbandsgemeinde Konz viele - könnten sich über das Portal langfristig neue Fahrgemeinschaften bilden. Das würde die Umwelt schonen, weil weniger Fahrzeuge unterwegs wären. Im Idealfall gibt es einen Bonus obendrauf: Mitfahrer mit interessanten Geschichten und gemeinsamen Interessen. Denn allein fahren ist doch langweilig, oder? c.kremer@volksfreund.de