Mitmachen statt abkapseln

MERZKIRCHEN-KÖRRIG. Leo Weinacht ist Ortsvorsteher von Körrig, Vorsitzender des Körriger Kapellenvereins und damit einer von vielen Körrigern, die mit großem persönlichem Engagement dazu beitrugen, dass die Kapelle nun fast komplett restauriert ist.

Fragt man Leo Weinacht, ob er sich in Körrig zu Hause fühlt, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: "Aber natürlich." Er habe auch nie den Gedanken gehabt, wegzuziehen. Lediglich zum Wehrdienst gab es eine kurze Unterbrechung, sonst war er immer dort. Aber er habe auch Glück gehabt, so der Berufskraftfahrer, dass sein Arbeitsplatz in Saarburg liegt und er deshalb in der Heimat bleiben konnte. Besondere Sorge gilt der Kapelle

Seit 1999 ist er Ortsvorsteher. Auch als Vorsitzender des Kapellenvereins sorgt er sich um das Schicksal des Ortes und ganz besonders um die Kapelle. Die wurde bereits um 1569 urkundlich erwähnt und war lange Zeit in einem "desolaten Zustand", berichtet Leo Weinacht. "Schon länger gab es die Idee, mal etwas im Dorf zu verändern", erklärt er, "und man war sich schnell einig, man müsste sich mal um die Kapelle kümmern." Schließlich sei diese schon immer der Mittelpunkt des Ortes gewesen. Aus der Idee heraus wuchs schließlich ein Verein: Am 23. Juli 2000 wurde der Körriger Kapellenverein gegründet - und, gemessen an der Einwohnerzahl des Ortes, machte er gleich mit großen Mitgliederzahlen auf sich aufmerksam: "Wir hatten aus dem Stand 27 Gründungsmitglieder, die Zahl wuchs schnell an, und inzwischen sind es fast 100 Mitglieder", sagt der Vorsitzende stolz. Auch Leute, die früher einmal in Körrig gewohnt haben, seien dabei, doch ein Großteil komme aus dem Ortsteil der Gemeinde Merzkirchen, der knapp 200 Einwohner hat. "Der Verein hat die Aufgabe, einen Teil der Eigenleistung zu erbringen, die die Pfarrgemeinde bei der Restaurierung zu leisten hat", erklärt Leo Weinacht, "das heißt also: sowohl Geld als auch direkte Arbeitsleistung." In mehreren Bauabschnitten wurde die Kapelle innen und außen restauriert. In absehbarer Zeit wird auch der letzte Bauabschnitt beendet sein - die Innenrestaurierung ist dann abgeschlossen. Und auch wenn Leo Weinacht als Vorsitzender des Vereins besondere Verantwortung übernimmt, animiert und organisiert - die Aktion ist eine gemeinsame des Vereins und des ganzen Dorfes. "Natürlich ist es mir auch ein persönliches Anliegen, dass die Kapelle wieder so schön wird, wie sie einmal war, aber das ganze Dorf steht auch dahinter", betont Weinacht Kreativität bei Finanzierzung gefragt

Zur Finanzierung der Arbeiten ist mitunter Kreativität gefragt: Flohmärkte und Basare werden genutzt, um Geld zu sammeln. Auch besondere Spendenmaßnahmen im Dorf sorgten bisher dafür, dass das Projekt außerordentlich erfolgreich verlief. Leo Weinacht: "Wenn hier einer zum Beispiel seinen 70. Geburtstag feiert oder Goldene Hochzeit, dann gibt es durchaus schon mal Spenden statt Geschenke." Zudem spendete vor zwei Jahren ein Mitglied ein Feld mit Weihnachtsbäumen, die verkauft werden können. Außerdem findet alle zwei Jahre ein Kapellenfest statt. Wenn er nicht an der Kapellenrestaurierung beteiligt ist, findet man den dreifachen Vater und zweifachen Großvater außerdem noch bei den Proben des Musikvereins, in dem er Alt-Horn spielt, und in der Kommunalpolitik. "Wenn man so lange in einem Ort wohnt, hat man zwei Möglichkeiten", begründet er sein Engagement, "entweder man kapselt sich ab oder man macht mit."