Mitten rein ins Leben

Auf Bundes-Ebene setzt sie sich bereits seit 50 Jahren für Betroffene und deren Familien ein - die Kreisvereinigung der Lebenshilfe feiert 2009 ihr 40-jähriges Bestehen. Zentraler Festakt ist am Samstag, 6. Juni, in der Saarburger Stadthalle. Nach offiziellem Auftakt ist nachmittags die Bevölkerung eingeladen, mitzufeiern und mehr über die Institution und die Köpfe, die dahinter stecken, zu erfahren.

Saarburg. Am Anfang war die zündende Idee. Die hatte der Niederländer Tom Mutters, der als Soldat nach Deutschland kam. "Sein Ziel war, behinderten Menschen eine tatsächliche Lebenshilfe zu bieten", beschreibt Bernhard Hoellen, pädagogischer Leiter der Lebenshilfe Trier-Saarburg. In Marburg hob Mutters 1958 die Lebenshilfe aus der Taufe.

Elf Jahre später, am 10. Juni 1969, war in Saarburg Gründungstermin für die Lebenshilfe auf Kreis-Ebene. Eltern, die selbst ein behindertes Kind zur Welt gebracht hatten - wie der inzwischen verstorbene Konzer Bürgermeister Michael Kutscheid und Marlies Ostermann, noch heute im Verein aktiv - aber auch Nicht-Betroffene wie der frühere und auch bereits verstorbene Landrat Hermann Reinholz hatten die Vereinsgründung initiiert.

Viel ist seitdem passiert, Einrichtungen für junge wie erwachsene behinderte Menschen sind im Kreis etabliert worden. So gibt es in Konz-Könen und Schweich-Issel einen Förderkindergarten für behinderte Kinder, während in Reinsfeld Behinderte und Nicht-Behinderte in einer Integrativen Tagesstätte zusammen spielen.

Nicht mehr wegzudenken ist auch das 1998 eingeweihte Lebenshilfehaus Peter Zettelmeyer in Konz, zu dem eine Tagesförderstätte für Schwerstbehinderte, eine Werkstatt sowie zwei Wohnheime gehören.

Ein Wohnheim mit 36 Plätzen gibt es seit 1993 mit dem "Gesellenhaus" in Saarburg. Darüber hinaus hat die Lebenshilfe in der Stadt Wohnungen angemietet, in denen behinderte Menschen so weit wie möglich autark leben.

"Aus den 50 Jahren Bundes-, 40 Jahren Kreisvereinigung, 15 Jahren Wohnheim Saarburg und zehn Jahren Peter Zettelmeyer-Haus haben wir zwischen 2008 und 2009 ein Jubiläums-Paket geschnürt", sagt Hoellen.

Auftakt des Geburtstags-Marathons war im August 2008 ein Fest auf dem Konzer Marktplatz. Es folgten unter anderem ein großes Fußball-Benefizturnier in Konz und die Theater-Aufführung "Love" mit geistig behinderten und nicht behinderten Menschen in Reinsfeld. "Der Festakt am 6. Juni setzt den Schlusspunkt unter unser Jubiläumsjahr", sagt Hoellen. Beginn des offiziellen Teils ist um 10 Uhr in der Stadthalle. Zu Gast wird unter anderem Malu Dreyer sein, Ministerin für Gesundheit und Soziales. Nach Grußworten und einem Vortrag von Robert Antretter, Vorsitzender der Bundesvereinigung, werden ein Vater eines behinderten Kindes sowie ein Betroffener über ihre Erfahrungen berichten. Eine Aufführung der besonderen Art ist dem Publikum mit dem von Michael Ophelders, Schauspieler am Theater Trier, geschriebenen und gemeinsam mit Schauspieler-Kollegin Judith Kriebel dargebotenen Stück sicher. "Dabei geht es darum, was bei Eltern ausgelöst wird, wenn sie erfahren, dass sie ein behindertes Kind erwarten bis zum schwierigen Punkt des Loslassens", beschreibt Mit-Organisator Lothar Rommelfanger von der Lebenshilfe.

Ab 14 Uhr kommt die Bevölkerung ins Spiel. "In und um die Stadthalle herum ist ein buntes Programm mit Darbietungen der Menschen aus unseren Einrichtungen, Kinderbelustigung, Alleinunterhalter Egon Altenhofen und dem Musikverein Saarburg geplant", sagt Ulrich Fink, Wohnheimleiter in Saarburg. "Wir sind, gerade in Saarburg, mit unseren Einrichtungen sehr gut ins ,normale Leben' integriert", sagt Hoellen. Davon kann sich Jung und Alt am 6. Juni selbst überzeugen.

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