Mobbing nimmt zu

KONZ/TRIER. Gewalt ist keine Lösung für Probleme, sie verursacht meist nur noch mehr Schwierigkeiten. Kinder und Jugendliche stark zu machen, um Konflikte zu vermeiden, ist die Aufgabe von Irene Stangl. Sie kümmert sich vom Jugendnetzwerk Konz aus im gesamten Kreis Trier-Saarburg um Gewaltprävention und Mädchenarbeit.

Furcht vor den Klassenkameraden, Angst, morgens in die Schule zu gehen, haben viele Kinder und Jugendliche schon kennen gelernt. Mobbing macht vor dem Klassenzimmer nicht Halt, doch auch außerhalb des Schulhofs sind psychische und physische Gewalt ein Thema. Nach dem "subjektiven Empfinden" von Irene Stangl nimmt Mobbing zu. Aus Projekt wurde feste Institution

Die Pädagogin hat vor einigen Jahren die Fachstelle zur Gewaltprävention und Mädchenarbeit des Jugendnetzwerks Konz übernommen. Ursprünglich war dies lediglich eine "Projektstelle" , doch die Arbeit hat sich bewährt, und so ist aus dem Projekt eine feste Instanz geworden. Das Land Rheinland-Pfalz, der Kreis Trier-Saarburg, die Verbandsgemeinde Konz und Jugendnetzwerk Konz finanzieren die Tätigkeit von Irene Stangl. Sie ist im gesamten Kreisgebiet unterwegs, um in Sachen Gewaltprävention und Mediation aufzuklären. Verstärkt sorgt sie sich wegen Mobbings an Schulen. "Das Mobbing ist oft sehr subtil und schwer festzustellen", erklärt Stangl. Kinder würden von anderen bewusst "fertig gemacht" und in die Enge getrieben, so dass sie beispielsweise Angst haben, in die Schule zu gehen. Mit vielfältigen Projekten und Trainings "erlebnisnah und mit Kopf, Herz und Hand" zu vermitteln, wie man Konflikte umgehen und lösen kann. Zum einen gibt sie Lehrern, Pädagogen und Betreuern von Jugendgruppen ganz praxisnah Tipps, wie sie Streit schlichten und die Kinder und Jugendlichen stark machen können. Es sei beispielsweise wichtig, "dass Kinder in einer guten Atmosphäre lernen können. Wenn sie sich wohl fühlen, wirkt sich das auch positiv auf die Leistungen aus", sagt die Pädagogin. Kinder und Jugendliche stärken und ihnen Selbstbewusstsein verleihen, gehört ebenfalls zu ihren Aufgaben. In Schulen oder bei anderen Projekten vermittelt sie "keine Selbstverteidigung, sondern einfache Tipps und Verhaltensweisen", die ihrer Erfahrung nach dennoch sehr effektiv sein können.Aufs Gefühl hören und "Nein" sagen

Kommt beispielsweise ein Fremder auf den Schulhof und verteilt Prospekte für Süßigkeiten, sollten Kinder einfach wissen, dass sie es nicht gleich annehmen sollten, sondern erst den Lehrer um Rat fragen. "Es ist für Kinder extrem wichtig, darauf zu hören, wenn sie ein komisches Gefühl haben", erklärt Stangl. Deshalb trainiert sie mit ihnen Nein-Sagen und Weglaufen. "Wir üben auch, zu schreien", schildert sie die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen. Besonders bei Grundschülern, die sich bereits oft alleine auf den Schulweg machen müssen, legt sie Wert darauf, ihnen das Rüstzeug für den Weg zu weiterführenden Schulen zu geben, der oft weniger behütet ist. Sie sollen selbstbewusst sein und "wissen, wer sie sind und wissen, was sie können", beschreibt Stangl ihre Absichten. Denn so könne man Kinder stärken und ihnen dabei helfen, Konflikte nicht auf eigene Faust, sondern mit eigenen Worten zu klären.