Möbel mit Geschichte: "Salönchen" aus Mönchengladbach steht jetzt im Saarburger Amüseum
Saarburg · Eine gute Stube hat jetzt ein neues Zuhause gefunden. Else Schraut aus Mönchengladbach hat ihr historisches Wohnzimmer dem Saarburger Museum vermacht, damit die gute alte Zeit an würdiger Stelle lebendig bleiben kann. Die Möbelstücke haben schon mehr als einen Umzug hinter sich.
Saarburg. Das Saarburger Amüseum hat jetzt eine neue "Gute Stube". Es ist ein Geschenk von Else Schraut aus Mönchengladbach. Die heute 80-Jährige besuchte im Mai 2014 das Amüseum mit ihrer Reisegruppe und war sofort begeistert darüber, wie hier Technik und Kultur präsentiert werden. Monika Kölling vom Amüseum-Team und die Seniorin kamen direkt ins Gespräch.
"Das ist die gute Stube, wie sie viele Besucher von zu Hause noch kennen", freut sich Kölling über die Spende. Zum Inventar gehören ein dreiteiliger Schrank, ein Sofa, zwei Sessel, ein runder Tisch, vier Stühle und eine Kistalllampe. "Die Decke wird noch renoviert und die Lampe in einem Stuckornament aufgehängt", sagt Monika Kölling. Bürgermeister Jürgen Dixius bedankte sich in einer Schenkungsurkunde.
Im Frühjahr wird alles fertig sein. Interessant ist auch die Familiengeschichte hinter den Möbeln, unterstützt von Originalfotos an den Wänden: Der Großvater der Schenkerin, Ludwig Schraut, war Druck- und Büromaschinenfabrikant. 1900 heiratete er die Britin Elisabeth McKay, die er in England kennengelernt hatte. Sitz des Unternehmens mit 47 Angestellten war Mönchengladbach. Die Historie des "Salönchen" genannten Zimmers in Kriegs- und Friedenszeiten wird noch aufgearbeitet und gut sichtbar im Museum aufgehängt.
"Der Möbeltransport kostet nach dem Krieg 90 Zentner Kartoffeln", erinnert sich die 80-Jährige. Das Zimmer stand auch schon in Bonn und in Kiel. "Ich will es in guten Händen wissen, und nicht einfach verhökern", ist der Wunsch der alten Dame, die das Amüseum als denkbar würdigsten Platz ansieht.
Durch den Umzug der Volkshochschule war hier auch Platz frei geworden. Die beiden gelernten Schreiner Berthold Gitzinger und Andreas Kessler holten das Zimmer in Mönchengladbach ab und schätzen die Stücke als wertvolle Handarbeit ein.
Eine Idee schwebt den Museumsmachern vor: Da das Treppenhaus für Gehbehinderte oder sogar Rollstuhlfahrer nicht nutzbar ist, könnte im Salönchen ein großer Bildschirm hängen, auf dem ein Videorundgang im Amüseum zu sehen ist, der bequem vom Sofa aus zu betrachten ist.
Das Amüseum ist an folgenden Tagen geöffnet: Montag bis Freitag, Sonntag und an Feiertagen von 11 bis 16 Uhr. Samstags geschlossen.
Kontakt: Per Email an amueseum@saarburg.de. Telefon: 06581/994642.