Mörder bereut vor Gericht seine Tat

Mörder bereut vor Gericht seine Tat

Der 20-jährige René S. ist am Dienstag als Mörder zu einer neunjährigen Jugendstrafe verurteilt worden. Er hat gestanden, ein Drogengeschäft eingefädelt zu haben, um sein Opfer zum Tatort zu locken. Alleine war er dort nicht.

Konz/Trier. René S. zeigt vor der Urteilsverkündung doch noch Reue: "Zuerst möchte ich mich bei Frau W. entschuldigen", sagt der 20-Jährige aus der Verbandsgemeinde Saarburg, gerichtet an die Mutter seines 19-jährigen Opfers. Über eine Erklärung seiner Verteidigerin hat er zuvor den Mord an Max W. gestanden, den er am 27. September an der Grundschule St. Nikolaus in Konz mit zwei Messerstichen niedergestreckt hat.
Er habe gemeinsam mit zwei 16-jährigen Mädchen ein Drogengeschäft eingefädelt, um Max W. auszurauben. Die Aussagen der Mädchen hat sich das Gericht allerdings nicht angehört, nachdem sich die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung am ersten Verhandlungstag auf eine neunjährige Jugendstrafe verständigt haben (der TV berichtete).
Zwei tödliche Messerstiche


Dass sie das Mordopfer ausrauben wollten, wussten wohl alle Beteiligten. Dass René S. auch sein Messer einsetzen würde, wusste nur er selbst. Er hat am Dienstag den Mord aus Habgier eingeräumt, den ihm die Trierer Staatsanwaltschaft vorgeworfen hatte. Und die erste Große Jugendkammer unter Leitung von Richter Albrecht Keimburg hat René S. zu einer neunjährigen Jugendstrafe verurteilt - so wie es die Staatsanwaltschaft und die Verteidiger gefordert haben.
Nur Marco Liell, der Anwalt der Mutter des Opfers, die als Nebenklägerin auftritt, bittet das Gericht in seinem Plädoyer darum, doch Erwachsenenstrafrecht anzuwenden (siehe Extra). "Der Angeklagte hat quasi nichts auf die Reihe bekommen", folgt Richter Albrecht Keimburg jedoch den Ausführungen von Staatsanwalt Wolfgang Barrot. Dieser führte eine Reifeverzögerung als Grund für die Anwendung von Jugendstrafrecht an: René S. habe keine eigene Wohnung, keine Arbeitsstelle, keine abgeschlossene Ausbildung, eine geringe Frustrationstoleranz und nehme regelmäßig Drogen.
Gründe für seine Aggressionen sind unter anderem Erfahrungen in der Kindheit: Der Vater, ein Alkoholiker, hat René S. verprügelt und brutal gefoltert. An seiner misslichen Lage habe sich erst etwas geändert, nachdem er zu seiner Mutter gezogen sei, heißt es vor Gericht. Bis dahin sei die Aggression, die sich in Körperverletzungsdelikten entlud, "archaisch implantiert" worden, wie es Gutachter Ingo Baltes ausdrückt. Den Mord bezeichnet er als "traurige Spitze der Gewaltbereitschaft". Erschreckend sei die schnelle Abfolge mehrerer Gewalttaten, betont Staatsanwalt Barrot. Noch einen Monat vor dem Mord hatte René S. als Strafe nach einer Schlägerei an einem pädagogischen Wochenende in Trier teilgenommen.
Das änderte nichts an seinen Gewohnheiten. René S. bewegte sich weiter im Drogenmilieu in Konz und Saarburg. Durch den Raubmord wollte er tiefer in das Geschäft einsteigen, das er kennt, seitdem er 14 Jahre alt ist. Die Auswertung seines Smartphones belegt zudem, dass bei René S. Geschäften auch schon um mehr Drogen ging - zum Beispiel in Form eines Verstecks mit 750 Gramm Cannabis und 5500 Euro. Max W. musste laut Keimburg wegen ein paar Gramm Gras sterben. Das sei ein Indiz für René S. Habgier - das Hauptmerkmal für einen Mord in diesem Fall.Extra

Das deutsche Jugendstrafrecht sieht als Höchststrafe für Heranwachsende eine zehnjährige Jugendstrafe vor. Jugendliche verbringen diese Haftstrafe in Jugendstrafanstalten (JSA) und nicht in Justizvollzugsanstalten (JVA). In JSA liegt der Fokus mehr auf der Ausbildung der Straftäter als in einer JVA. Wenn ein Gericht eine besondere Schwere der Schuld feststellt, wird das Höchstmaß einer Jugendstrafe auf bis zu 15 Jahre angehoben. Gesetzlich ist die besondere Schwere der Schuld nicht definiert. Sie wird aus der Tat (qualvolle Behandlung des Opfers), den Motiven (besondere Verwerflichkeit) oder der Täterpersönlichkeit (abartige gewalttätige oder sexuelle Neigungen) hergeleitet. cmkExtra

Opferanwalt Marco Liell sagte nach der Verhandlung, dass seine Mandantin, die Mutter des getöteten Max W., voraussichtlich auf das Einlegen von Rechtsmitteln verzichte. Seine Mandantin sei wegen der Anwendung des Jugendstrafrechts enttäuscht. Die attestierte Reifeverzögerung sei nicht nachvollziehbar. Die Urteilsbegründung, in der das Jugendstrafrecht erklärt wurde, lobte er aber. Er sei geschockt, dass es nicht aus der Situation heraus zu der Tat kam, sondern dass sie länger geplant gewesen sei, sagte Liell im Plädoyer. Er hoffe, dass die Mädchen, die René S. begleitet haben, noch bestraft würden, sollte sich herausstellen, dass sie vor dem Raubmord von dem Plan wussten. cmk