Moll-Töne vor dem Torten-Tisch

HERMESKEIL. Ausgeh-Uniform, Anzug, Abendkleid und Abschiedsstimmung: Zum fünften und letzten Mal haben Stadt und Garnison am Donnerstagabend gemeinsam zum Neujahrsempfang in Hermeskeil eingeladen, der ganz im Zeichen der Kasernen-Schließung stand.

Noch 344 Tage - dann wird die mehr als 40-jährige Geschichte des Bundeswehrstandorts Hermeskeil vorbei sein. Bevor die Hochwaldkaserne zum Jahresende geschlossen wird, öffnet die Garnison für ein gesellschaftliches Ereignis und mehr als 250 geladene Gäste am Donnerstagabend noch einmal ihre Tore. Aller guten Dinge sind fünf

Denn Stadt und Raketenartillerielehrbataillon 52 veranstalten ein fünftes und letztes Mal einen gemeinsamen Neujahrsempfang. An den Stehtischen trifft sich bei Sekt, Bier, Wein, Häppchen und Gulasch-Suppe das "Who is who" aus der Stadt und den Orten in der Nachbarschaft zu angeregten Diskussionen. Auch die Polit-Prominenz ist - zumal ein Wahlkampf ansteht - nach Hermeskeil gekommen. Dazwischen mischen sich junge Männer und auch einige Frauen in ihren Ausgeh-Uniformen. Das Quartett des Heeresmusikkorps 300 aus Koblenz übernimmt den musikalischen Part des Abends. Auch in Hermeskeil gilt: Neujahrsempfänge sind ein willkommener Anlass für Rückblicke und Ausblicke, wobei in der Rede von Stadtbürgermeisterin Ilona König noch immer die Verbitterung durchklingt. Das Aus für die Hochwaldkaserne bezeichnet sie als "gezielten Husarenstreich", gegen den sich Hermeskeil trotz guter Argumente für den Erhalt der Garnison nicht mehr wehren konnte. Ansonsten schlägt König eher Moll-Töne an. Sie betont die "feste Freundschaft" zwischen Stadt und Bundeswehr. Sie erinnert daran, dass sich die Soldaten an allen Volksfesten in der Stadt beteiligt haben, an öffentliche Gelöbnisse in der Stadt und traditionsreiche Veranstaltungen wie den Bundeswehrball oder das Dreikönigsschießen. "Oft haben wir uns gefragt: Was hätten wir nur ohne die Bundeswehr getan? Diese Frage werden wir uns nun öfter stellen müssen", betont König und spannt damit den Bogen zu dem Wort, das das Jahr 2006 bestimmen wird: "Konversion". "Die Sanierung des Freibads ist sicher wichtig. Das darf aber nicht die einzige finanzielle Hilfe sein, die als wirtschaftlicher Verlustausgleich für den Abzug der Bundeswehr geleistet werden soll", lautet ihre Forderung an die Adresse des Landes. Zugleich stelle die Konversion aber auch an die Stadtpolitik hohe Anforderungen. Denn es seien "Ideenreichtum und Gestaltungskraft" gefragt, damit "neue Einrichtungen geschaffen werden, die die Lücke füllen, die durch den Abzug der Bundeswehr entsteht". Mit dem Blick in die Vergangenheit hält sich Kommandeur Michael Nold nicht auf. Er wolle auch keine "vorgezogene Trauerrede" halten, betont der Oberstleutnant. Vielmehr stellt er die Leistungen heraus, die im Jahr 2006 noch in der Hochwaldkaserne zu bewältigen sind, und die der Offizier kürzlich im TV aufgelistet hat. Er weist als "Highlights" vor allem auf den "Tag der Soldaten" am 20. Mai hin und stellt als "Ausbildungs-Höhepunkt" den Lehrgang von 200 Soldaten aus Georgien und Albanien im August und September heraus, die im Hochwald auf ihren KFOR-Einsatz im Kosovo vorbereitet werden.Die Soldaten gehen, der Empfang bleibt

"Für unser Bataillon ist das eine Ehre, aber zugleich auch eine große Herausforderung. Denn wir befinden uns dann schon auf der Zielgeraden, um die Kaserne in einen übergabefähigen Zustand zu versetzen", sagt Nold. Bei aller Abschiedsstimmung - 17 junge Leute haben am Ende des offiziellen Teils dann doch noch Grund zur ungetrübten Freude. Sie erhalten ihre Abschlussurkunden für die erfolgreiche zivilberufliche Ausbildung zum Fach-Informatiker, die sie in den zurückliegenden 21 Monaten in der Hochwaldkaserne absolviert haben. Bleibt eigentlich nur noch eine Frage: War's das mit den Empfängen in Hermeskeil? "Nein, wir werden das auf jeden Fall fortsetzen. Ob an Neujahr und in welcher Form und mit welchem Partner, ist aber noch offen", sagt König.