Mondfinsternis und Mariensäule - wie das perfekte Foto entstanden

Fotografie : Wie das perfekte Foto vom Blutmond über Trier entstanden ist

Das Bild vom roten Mond über der Mariensäule in Trier hat es nicht nur auf die Titelseite des Trierischen Volksfreunds geschafft. Es ist auch zum Social-Media-Hit geworden. volksfreund.de erzählt die Geschichte zum Jahrtausendfoto.

Boris Ruth aus Oberbillig und Marc Rendenbach aus Trier (beide 47 Jahre) ist etwas Außergewöhnliches gelungen. Sie haben am Montagmorgen nicht nur Fotos vom Blutmond gemacht, sondern das seltene Himmelsphänomen zusammen mit der Mariensäule festgehalten, einem der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt Trier.

Große Resonanz „Das ist eine Jahrhundert-, wenn nicht sogar eine Jahrtausendkonstellation“, sagt Ruth sichtlich stolz. Und der Stolz ist durchaus berechtigt: Eines der Bilder von Ruth hat es zum Beispiel auf die Titelseite des Trierischen Volksfreunds geschafft. Großes Lob hat auch der Leiter des Vereins Sternwarte Trier, Albert Schmitt, parat: „Das Bild ist richtig toll geworden.“ Es sei in dieser Konstellation etwas ganz Besonderes  und werde sich bestimmt nicht so schnell wiederholen, vielleicht erst in 1000 Jahren. Aber so weit würden Mondfinsternisse nicht vorausberechnet, sagt er.

Wegen ihrer Einzigartigkeit schlägt die Fotoserie mit Blutmond und Mariensäule auch in den Social-Media-Kanälen ein wie eine Bombe. Auf der Facebook-Seite der Lokalredaktion Trier haben  Tausende Menschen darauf reagiert. Etliche Nutzer haben die Bilder kommentiert und weiterverbreitet. Die Reaktionen waren durchweg positiv. Mehrere Leser haben den TV oder Ruth kontaktiert, weil sie einen Abzug wollen. Sogar die Frau, die in der Nacht des Blutmonds die Beleuchtung der Mariensäule zu Ehren ihres verstorbenen Vaters bezahlt habe, habe sich nach der Veröffentlichung des Fotos bei ihm gemeldet und das Bild gelobt, erzählt Ruth.

Boris Ruth hat dieses Foto, das schon auf der TV-Titelseite veröffentlicht worden ist, von den Moselauen unterhalb des Katharinenufers (siehe Grafik Standort 2) aus geschossen. Der Bildausschnitt ist enger, weil er eine größere Brennweite genutzt hat. Deshalb musste der Mond näher an der Säule sein. Foto: Boris Ruth

Aufwendige Planung Am Anfang war die Idee: Ziel der ambitionierten Natur- und Astro-Hobbyfotografen war es, ein prägnantes Objekt in der Region zusammen mit dem Blutmond in Szene zu setzen. Das Objekt musste vom Standpunkt des Fotografen aus gesehen im Westen liegen, weil sich der Mond kurz vor dem Untergang verdunkelte. Zudem musste es groß genug sein, um aus großer Entfernung fotografiert werden zu können. Und es musste für ein gutes Foto von unten einsehbar sein. Ruth: „Da ist mir spontan die Mariensäule eingefallen.“

So spontan wie die Idee ist die Ausführung nicht. Der Ablauf ist akribisch geplant. Denn es ist nicht so einfach, den Nachthimmel auf Fotos festzuhalten. Am Himmel ist alles in Bewegung. Das liegt an der Erdrotation und an den Umlaufbahnen der Himmelskörper. Die beiden Freunde, die eigentlich in der IT-Branche arbeiten, müssen im Vorfeld der Aktion alle Parameter genau berechnen. Der Standort der Kamera muss mit dem der Mariensäule und der Laufbahn des Mondes abgeglichen werden. Nur wenn der Bildausschnitt möglichst genau auf Säule und Mond ausgerichtet ist, kann das perfekte Foto entstehen. Deshalb muss auch der Blickwinkel stimmen. Die Kameraeinstellungen wie Brennweite, Belichtungszeit, Blendengröße und die Empfindlichkeit des Sensors sind genau abgestimmt. Die Entfernung der Kamera von der Mariensäule muss passen, nur so sind Mond und Säule scharf zu sehen. Außerdem ist da der Zeitfaktor: Die totale Mondfinsternis dauert am Montag von 5.41 bis 6.43 Uhr.

Fototrip Ruth und Rendenbach wollen das komplette Zeitfenster nutzen, um das Naturphänomen, bei dem Mond, Erde und Sonne exakt auf einer Linie stehen, von zwei verschiedenen Positionen einzufangen. Mit speziellen Apps, die auch das Höhenprofil der Umgebung berücksichtigen, finden sie zwei passende Standorte: an der Grenze zwischen Trier-West und Pallien (Ecke Römerstraße/Wolfsgasse) und auf der anderen Seite der Mosel unterhalb des Katharinenufers „quasi mit einem Bein in der Mosel“ (Ruth).

Als die beiden Fotografen am Montagmorgen gegen 4.30 Uhr aufstehen, haben sie Glück: Es ist zwar eisige minus acht Grad Celsius, aber der Himmel ist klar – geradezu brillante Voraussetzungen. Los geht’s in Trier-West. Jeder der beiden hat rund zehn Kilogramm Fotoausrüstung dabei: eine Kamera, mehrere Objektive und ein Stativ. Sie bauen auf, machen die ersten Bilder, bauen ab und bewegen sich weiter zur Aachener Straße, um im perfekten Winkel zu Mond und Mariensäule Bilder schießen zu können. Am Bahnübergang machen sie weitere Fotos. Dann geht es zurück zum Auto und über die Kaiser-Wilhelm-Brücke auf die andere Moselseite. Auf die Kameras setzen die beiden nun größere Objektive mit 500 bis 600 Millimeter Brennweite. So können sie Objekte näher heranzoomen. Perspektivisch rückt der Mond näher an die Säule ran. Der Bildausschnitt ist nur vier Grad weit. Jetzt gilt es, den richtigen Moment abzupassen. Der Mond ist innerhalb einer Minute durchs Bild gewandert. Die Belichtungszeit muss wegen der Bewegung kürzer als eine Sekunde sein. Nur so wirkt alles auf dem Bild scharf. Dann drückt Ruth ab. Der Mond steht genau über dem Kopf der Marienstatue. Das Bild, das am nächsten Tag auf der Titelseite abgedruckt wird, ist im Kasten.

Marc Rendenbach fotografiert genau wie sein Kumpel Boris Ruth nicht nur Himmelsphänomene, sondern auch die Natur. Foto: Marc Rendenbach
Boris Ruth. Foto: Boris Ruth. Foto: Boris Ruth

Alle technischen Details und weitere Hintergründe über die Fotos vom Blutmond beschreibt Boris Ruth ausführlich im Blog auf seiner Internetseite photo.familieruth.de/blog/ – dort ist es auch möglich, die Bilderserie herunterzuladen. Marc Rendenbach hat seine Bilder im Internet unter www.rendenbach.de/ veröffentlicht.