Mordversuch in taben-Rodt - Angeklagter soll schon einmal jahrelang eine Frau missbraucht haben

Kostenpflichtiger Inhalt: Neue Zeugin setzt Angeklagten unter Druck : Ermittler sehen Muster bei mutmaßlichem Mordversuch in Taben-Rodt

Der Angeklagte, der seine Ex-Geliebte in Taben-Rodt überfahren haben soll, folgt aus Sicht der Staatsanwaltschaft alten Gewohnheiten: Schon in den 1990ern habe er eine Frau misshandelt.

Staatsanwalt Benjamin Gehlen lässt mit seinem Beweisantrag am Donnerstag eine Bombe platzen: Der Saarländer, der aus Sicht der Ermittler am 15. November 2018 in Tötungsabsicht seine Ex-Geliebte in Taben-Rodt überfahren hat, soll nicht zum ersten Mal einer Frau wegen einer Kränkung etwas angetan haben. Die Trierer Kripo habe eine weitere Ex-Freundin des Mannes aufgespürt, die der Polizei gegenüber am Telefon angegeben hat, dass der Saarländer sie in den 1990er Jahren misshandelt habe, erklärt Gehlen. Der Staatsanwalt will die Frau, die in München lebt, als Zeugin per Live-Schaltung anhören. Für den aktuellen Fall ist sie aus seiner Sicht relevant, weil sich bei dem Angeklagten ein Muster abzeichne, dass er gegenüber Frauen gewalttätig sei und Kränkungen zum Anlass für diese Gewalt nehme, sagt Gehlen am Rand der Verhandlung zum TV.  

Der Mann war laut einer Notiz der Kripo Trier von einem Telefongespräch mit der Münchnerin von 1990 und 1998 mit der neuen Zeugin zusammen. Während dieser Zeit soll er sie mehrfach geschlagen und unter anderem mit einem Akkuschrauber sexuell missbraucht haben. Auch die Mutter der Zeugin habe er einmal geschlagen. Einmal hätten sie sich im Auto gestritten, weshalb der Mann den Wagen auf einen Baum zugesteuert habe. Erst im letzten Moment habe er das Lenkrad herumgerissen, um dem Baum doch noch auszuweichen. Gehlen sieht darin eine Parallele zum aktuellen Fall, weil der Angeklagte ein Auto als Tatwerkzeug eingesetzt habe.

Nach der Trennung von der Zeugin, die inzwischen seit Jahrzehnten in München lebt, ist es laut Gehlen in dem Elternhaus der Frau mehrfach zu Stromausfällen gekommen. Die Vermutung: Der angeklagte Heizungstechniker aus dem Saarland hat die Leitungen manipuliert.

Dann schildert der Staatsanwalt die wohl auffälligste Ähnlichkeit zum aktuellen Fall: Nach der Trennung habe der Mann der Frau auf dem Arbeitsweg aufgelauert. Ob er sie anfahren oder angreifen wollte, ist nicht klar. Die Frau habe damals laut geschrien, der Mann habe den Ort des Geschehens verlassen.

In Taben-Rodt ist der Mann aus Sicht der Ermittler nicht weggefahren: Er habe sein Opfer absichtlich überfahren, um es zu töten, heißt es in der Anklageschrift. Den Mordversuch soll er begangen haben, weil er nicht damit klargekommen sei, dass sich sein Opfer von ihm getrennt habe, beschreibt die Staatsanwaltschaft das Motiv. Der Vorfall konnte bisher nicht geklärt werden, weil das Opfer, das sehr schwer verletzt wurde, Gedächtnislücken hat. Der Angeklagte beruft sich ebenfalls auf Erinnerungslücken zum Tatzeitpunkt, die möglicherweise durch Nebenwirkungen von Medikamenten und Schlaflosigkeit bedingt sind.

Die möglichen Taten aus den 1990er Jahren habe das damalige Opfer nie angezeigt, führt Gehlen weiter aus. Die Frau sei nach München gezogen, um aus dem Einflussbereich des Mannes wegzukommen und ein neues Leben zu beginnen. Für Gehlen bestätigen die Vorfälle aber die „egoistisch-narzisstische Persönlichkeit“ des Angeklagten. Er habe gekränkt und wütend auf eine Trennung reagiert und Gewalt angewandt.

Da die Vorfälle in den 1990er Jahren nicht angezeigt wurden, hat die Polizei damals keine Ermittlungen aufgenommen. Ob das nun noch geschieht, hängt vor allem davon ab, ob und was die Frau noch aussagt. Es müsse ein Anfangsverdacht für nicht verjährte Straftaten vorliegen, sagt Gehlen (siehe Info). Auch die Zuständigkeit müsse geklärt werden. Wenn sich die Straftaten im Saarland ereignet hätten, wäre die saarländische Staatsanwaltschaft zuständig für die Ermittlungen.

Ob die Frau aus München aussagt, steht noch nicht fest. Sie leide noch an den Folgeschäden der Taten des Angeklagten und sei seit drei Jahren in psychologischer Behandlung, erklärt Gehlen. Bis zum 15. Januar ist sie laut einem fachärztlichen Gutachten nicht vernehmungsfähig. Die Vorsitzende Richterin am Landgericht, Petra Schmitz, betont, dass eine Vernehmung nur in Anwesenheit des Therapeuten der Frau möglich sei. „Wenn die Frau nicht vernehmungsfähig ist, können wir sie auch nicht per Videoschaltung vernehmen“, sagt Schmitz.

In dem Verfahren, das seit Ende Juli schon mehr als ein Dutzend Verhandlungstage hatte, muss das Gericht zudem noch über weitere Anträge entscheiden. So hatte Verteidiger Andreas Ammer beantragt, einen zweiten Sachverständigen zum möglichen Unfallhergang anzuhören. Staatsanwalt Gehlen lehnt das ab, weil er keine neuen Erkenntnisse zum Unfallhergang erwartet, da der Zusammenstoß ohnehin nicht vollständig rekonstruierbar sei. Deshalb hatte Gehlen wiederum beantragt, den Antrag des Verteidigers zurückzuweisen.

Die Verhandlung wird am Montag, 13. Januar fortgesetzt.