Motor der Konzer Entwicklung

Im Alter von 80 Jahren ist der frühere Konzer Bürgermeister Hermann Hendricks nach langer Krankheit gestorben. Er hatte die Stadt und die Verbandsgemeinde als Amtschef von 1975 bis 1992 nachhaltig geprägt.

Prägender Kopf für Stadt und VG Konz: Hermann Hendricks. TV-Foto: Archiv/Karl-Peter Jochem

Konz. Als der Bürgermeister-Sohn Mitte der 70er Jahre aus dem Westerwald an die Mosel kam, übernahm er alles andere als einen leichten Job. Sein Vorgänger Michael Kutscheid hatte ihm große Fußstapfen, aber auch viele Probleme hinterlassen. Das neue Baugebiet Konz-Roscheid geriet bald ins Stocken, die Baumaschinenfabrik Zettelmeyer kam im Zuge eines internationalen Milliarden-Betrugs ins Trudeln. Da war ein zupackender Krisenmanager gefragt, und Hermann Hendricks erwies sich schon in den ersten Jahren seiner Amtszeit als ebenso hartnäckiger wie geschickter Verhandler. Er brachte das Haus der Jugend über schwierige Zeiten, lotste Zettelmeyer aus Innenstadt und Moselufer auf die Könener Flur, gewann einen französischen Investor für Roscheid und fädelte die Sanierung des Klosters Kar thaus in ein schickes Veranstaltungs-, Ausstellungs- und Sitzungs-Haus ein. Seine Arbeit schuf die Grundlage für die bis heute anhaltende rasante Konzer Entwicklung in den 90er Jahren. Aber es blieben auch kraftraubende Baustellen wie die Millionen teure Sanierung der Zettelmeyer-Industrie-Brache mitten im Stadtzentrum. Kommunalpolitiker mit Leib und Seele, hatte Hermann Hendricks seine politische Heimat mehr als 50 Jahre in der CDU. Ein eifernder Ideologe war er nie, aber einem fetzigen Streit mit dem politischen Gegner ging er trotzdem nur ungern aus dem Weg. Der klein gewachsene, zu seinen aktiven Zeiten fast bullig wirkende Mann mit dem quecksilbrigem Temperament konnte ordentlich austeilen. Politische Mimosen hatten es da auf der Gegenseite nicht leicht - Kumpeleien und Kuschelkurs waren mit Hendricks nicht zu machen. Aber seine Streitbarkeit galt meist der Sache, nicht der Person.Keine Angst vor Polarisierung

Seine Bereitschaft zur Polarisierung bescherte ihm ein paar unschöne Nachspiele. Dem kleinlichen Gezänk um eine Kritik des Landesrechnungshofs an den Kosten seiner Verabschiedung machte er auf klassische Hendricks-Art ein Ende: Er zahlte das Fest nachträglich aus der eigenen Tasche. Solche Größe brachten seine politischen Gegner nicht immer auf: Noch 2002 verweigerten SPD und Grüne die Zustimmung zu seiner Ernennung zum Konzer Ehrenbürger. Da hatte sich Hermann Hendricks längst aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen. Die Kommunalpolitik überließ er ab dem ersten Tag seines Ruhestands seinem Nachfolger, die zahlreichen Ehrenämter - unter anderem beim Roten Kreuz - gab er nach und nach auf. Zuletzt traf man ihn aufgrund seiner schweren Erkrankung nur noch selten in der Öffentlichkeit an.Dieter Lintz