Mülltrennung und eine wache Vermieterin führten im Fall des Schmuckraubs  in Konz zu den entscheidenden Hinweisen.

Kostenpflichtiger Inhalt: Justiz : Die „netten Jungs“ und der bewaffnete Raub

Mülltrennung und eine wache Vermieterin führten im Fall des Schmuckraubs  in Konz zu den entscheidenden Hinweisen.

Auch ein Jahr nach dem Raubüberfall auf ein Juweliergeschäft in Konz hat die Angestellte des Ladens immer noch mit den Folgen zu kämpfen. Vor Gericht sagt die 54-Jährige: „Ich bin weiterhin in psychotherapeutischer  Behandlung. Ich bin ängstlicher geworden. Es ist schwierig für mich, zu Hause allein zu sein.“ Direkt nach dem Überfall war sie laut eigener Aussage eine Woche lang krankgeschrieben und hatte Alpträume.

Die Angst der Verkäuferinnen An jenem Freitag im September 2018 sei alles ganz schnell gegangen, berichtet die Frau. Plötzlich hätten zwei Männer mit einer Pistole im Laden gestanden. Einer mit hartem Gesichtsausdruck habe sie und ihre Kollegin bedroht. Die Kollegin habe sich mit dem Gesicht nach unten auf den Boden legen müssen. Der Mann habe die Pistole an ihren Kopf gehalten und gesagt: „I will kill you“ (Ich werde dich töten). Sie selbst habe den Tresor öffnen sollen, doch vor Aufregung den Zahlencode vergessen. Erst drei Monate war sie damals in dem Laden angestellt.

Ihre Kollegin, die laut eigener Aussage heute noch Angstzustände hat, schildert später, sie habe angeboten, den Safe zu öffnen. Doch vergeblich.  „Es wurde hektisch und stressig. Die Aggression wurde immer größer. Der Mann hat permanent geschrieben: ‚I will kill you!’“ Doch irgendwann sei der Tresor aufgegangen. Auch die 54-Jährige habe sich auf den Boden legen müssen. Sie seien an Händen und Füßen mit Klebeband gefesselt worden, sagen die beiden Frauen. Die Räuber leerten den Safe und ließen Schmuck im Wert von rund 41 000 Euro mitgehen. Erst nach einer gewissen Zeit traute sich eine der Angestellten laut eigener Darstellung, zur Tür zu robben und um Hilfe zu rufen.

Der mutmaßliche Planer schweigt Im Gegensatz zu den beiden Zeuginnen, die jenen Freitag, der ihr Leben veränderte, lebhaft schildern,  macht der Angeklagte N. am Montag vor dem Schwurgericht keine Angaben. Ihm wird vorgeworfen, die Tat geplant und dafür eine sechsköpfige Gruppe (ihn inklusive) zusammengestellt zu haben. Auch eine Ferienwohnung soll er für den Raubüberfall angemietet haben. Sie wurde ihm zum Verhängnis, doch dazu später mehr. Der nicht vorbestrafte 34-Jährige wollte laut Anklage mit dem Raub seine Schulden begleichen, um mit seiner Familie ein neues Leben beginnen zu können. Ihm wird ebenfalls vorgeworfen, kurz vor dem Überfall mit seinen Komplizen Pakete mit Fernsehern und Laptops aus einem DHL-Lager in Wasserliesch gestohlen zu haben.

Der Mitangeklagte sagt aus Der Mitangeklagte B. gibt vor Gericht an, seinen Nachbarn N. beim Einzug in Konz im Juni 2018 kennengelernt zu haben. Der 36-jährige Mechatroniker  aus Polen spricht zwar Deutsch, muss bei Fragen aber gelegentlich seinen Dolmetscher zu Rate ziehen. B. berichtet, dass er mit N. abends oft zusammen Marihuana konsumiert habe. Der Stoff sei von einem Kontaktmann in Aachen gekommen, zu dem er N. mehrfach hingefahren habe. „N. war wie ein Bruder für mich, aber ich habe nicht alles gewusst, was er gemacht hat“, sagt B., der einschlägig vorbestraft ist. Ahnungs- und arglos – so stellt sich der Angeklagte, der für mehrere Kinder in Polen Unterhalt zahlt, mehrfach dar. Er räumt ein, die beiden Haupttäter, „Kollegen“ aus N.s Heimat Serbien, am Tattag von der Ferienwohnung in der Eifel nach Konz und wieder zurück gefahren zu haben – aber nicht gegen Bezahlung. Er habe gehofft, die etwa 1000 Euro wiederzubekommen, die er N. nach und nach geliehen  habe. B. meint auch, er habe zwar gewusst, dass es um einen Überfall gehe, aber nicht, ob Waffen eingesetzt würden. Zu den gestohlenen Kennzeichen an seinem Wagen erklärt der 36-Jährige: „Ich habe sie nicht geklaut.  Ich habe sie mitgenommen vom Schrottplatz, um Geld zu sparen.“

Die entscheidenden Hinweise Am ersten Prozesstag sagt auch die Vermieterin der Ferienwohnung in der Eifel aus. Von ihr kamen laut Staatsanwalt die entscheidenden Hinweise auf die mutmaßlichen Täter. Als er sich ausdrücklich bei der 30-Jährigen bedankt, entgegnet sie: „Alles nur wegen der Mülltrennung.“ Denn die Frau hatte im Abfall viele Preisetiketten von Schmuckstücken gefunden – und sich gewundert. Sie hatte sich laut eigener Aussage auch zuvor schon gewundert. Zwei Männer hätten dauerhaft da gewohnt. Doch warum waren sie so oft allein, wenn es doch um ein Wiedersehen unter Freunden ging, wie es hieß?  N. habe die Miete gezahlt und Essen gebracht. Sie habe schließlich vom Schmuckraub im Konz gehört und selbst im Internet recherchiert. Dort sei sie auf die Fahndungsfotos und ein Video der Tat gestoßen und habe ihre Mieter wiedererkannt. Die Gruppe beschreibt sie als „fünf bis sechs nette Jungs, die immer leise waren, nicht getrunken haben und wohl Marihuana konsumiert haben“.

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