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Mulch- und Rodungsarbeiten am Berendsborn in Konz sorgen für Ärger

Berendsborn : Ärger um Mulcharbeiten auf Flächen für ein Konzer Neubaugebiet - Was Kritiker und Stadtverwaltung hierzu sagen

Die Stadt Konz hat eine Wiese am Rand des Wohngebiets Berendsborn mulchen lassen. Weil dort ein umstrittenes Neubaugebiet geplant ist, sind die Gegner der Erschließung empört.

Die schweren Maschinen sind am 28. Februar angerückt. Im Auftrag der Stadt Konz haben sie die Wiese am Rand des Wohngebiets Berendsborn gemulcht. Dabei haben die Arbeiter offensichtlich das Gras beschnitten und auch kleinere Gehölze, die sich am Boden gebildet haben, abgetragen. Was für die Stadt Konz Landschaftspflege ist, sehen die Kritiker des Neubaugebiets, das an dieser Stelle entstehen soll, als umweltschädlichen und rücksichtslosen Akt der Verwaltung.

Was sagen die Kritiker zur Mulchaktion am Berendsborn?

Martina Wehrheim lebt im Wohngebiet Berendsborn und ist Mitglied der Grünen-Fraktion im Trier-Saarburger Kreistag. Weil sie die Erweiterung der bestehenden bebauten Fläche kritisch sieht, hat sie im Juni 2021 gemeinsam mit anderen eine Petition gegen das geplante Neubaugebiet gestartet und bisher 424 Unterschriften gesammelt. Um die notwendige regionale Relevanz zu erreichen, bräuchte sie 580 Unterstützer.

Darüber, dass die Stadt die Flächen bearbeitet hat, ist Wehrheim sehr wütend. „Ich bin sprachlos über dieses Vorgehen, mit dem die Interessen der Bevölkerung und der Natur mit Füßen getreten werden“, sagt sie. „Auch die offensichtliche Diskussion in der Bevölkerung hält den Bürgermeister nicht davon ab, hier in illegaler Weise Fakten zu schaffen.“ Sie sieht einen Verstoß gegen das Naturschutzgesetz, weil die Stadt am 1. März noch in großem Umfang Rodungsarbeiten vorgenommen habe, obwohl dies verboten sei (siehe Info).

Was sagt die Stadtverwaltung Konz?

Pressesprecherin Susanne Nenno schildert auf TV-Anfrage die Perspektive der Konzer Verwaltung auf den Sachverhalt: „Auf den Wiesen im Bereich Berendsborn wurden Pflegeschnitte durchgeführt“, sagt sie. „Solche Pflegeschnitte sind üblich auf landwirtschaftlich genutzten Flächen, um die Strukturen zu erhalten.“ Der Flächennutzungsplan unterstützt diese Argumentation, denn die Wiese wird darin als Ackerfläche ausgewiesen. Nenno erläutert weiter: Die Pflegemaßnahme sei Teil des Liegenschaftsmanagements der Stadt. „Sie entspricht den fachlichen Flächenunterhaltungen, die auch andere städtische Flächen je nach Nutzungsart erhalten“, sagt sie.

In Bezug auf das geplante rund neun Hektar große Baugebiet versichert sie, dass es keinen neuen Sachstand gebe. Die benötigten Flächen gehörten inzwischen der Stadt. Geplant sei, dass die politischen Gremien im Laufe der nächsten Monate über die Gebietsentwicklung beraten und diskutieren.

Was sagt die zuständige Behörde?

Thomas Müller, Pressesprecher der Trier-Saarburger Kreisverwaltung, bestätigt, dass die dort angesiedelte untere Naturschutzbehörde über die angeblich illegalen Mulcharbeiten in Konz informiert worden sei. „Eine entsprechende Mitteilung ist auch uns zugegangen“, sagt Müller. Laut der Behörde fanden dort am 1. März aber keine Gehölzarbeiten mehr statt, die ab Dienstag unzulässig gewesen wären. „Mulcharbeiten sind weiterhin zulässig“, sagt Müller. Deshalb seien die Arbeiten aus Sicht der unteren Naturschutzbehörde nicht zu beanstanden. „Wir bleiben mit der Verbandsgemeindeverwaltung in Kontakt“, verspricht er. Mitarbeiter der Naturschutzbehörde würden sich auch die Lage vor Ort ansehen.

Wie verlaufen die Konfliktlinien im Stadtrat?

Die Stadtratsfraktionen von CDU, FWG, FDP sowie die SPD stehen grundsätzlich hinter der Erschließung von Bauland am Berendsborn. Sie begründen das damit, dass der Bedarf für Baugrundstücke und bezahlbaren Wohnraum in Konz groß ist. Die Grünen-Fraktion und Ulf Rosche (Die Linke), der zu den Initiatoren der Petition gehört,  sehen das Neubaugebiet mit Verweis auf mögliche umweltschädliche Auswirkungen sehr skeptisch.

Für Bernhard Henter (CDU) ändern auch die aktuellen Entwicklungen nichts: „Wenn die Verwaltung sagt, dass das übliche Pflegemaßnahmen – wie sie auch bei allen anderen Flächen vorgenommen werden – sind und der Kreis versichert, dass alles rechtlich in Ordnung ist, vertraue ich den Verwaltungen“, sagt er im Gespräch mit dem TV.

Die Grünen betrachten nur eine kleinräumige und ökologische Bebauung der Flächen am Berendsborn als Kompromiss. Wegen der Mulcharbeiten sind sie erbost. Laut Grünen-Sprecherin Laura Malburg  ist die „Rodung der Sträucher“ ein „heftiger Vertrauensbruch durch die Verwaltungsspitze“. Die Arbeiten seien ohne Dringlichkeit erfolgt, bevor es überhaupt zu einer Debatte zur Entwicklung der Flächen gekommen sei. Weder zuständige Gremien noch Anwohner seien informiert worden. Hinzu komme, dass die Fläche nach dem Eingriff bei einer naturschutzfachlichen Prüfung nicht mehr ihr Potenzial zeige. Die Grünen-Fraktion fordere deshalb für das Neubaugebiet eine Kehrtwende in Sachen Beteiligung und Transparenz, sagt Malburg. „Statt vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden, möchten wir als Ratsmitglieder unser Recht und unsere Verantwortung wahrnehmen, demokratisch über die Entwicklung unserer Stadt mitzubestimmen!“