Museums-Chefin lehrt Geschichte

In Agnes Weiß hat Hermeskeil eine kompetente Leiterin der Volkshochschule und des Hochwaldmuseums. Die Kunsthistorikerin will lokale Geschichte und gesellschaftlichen Wandel so präsentieren, dass sich möglichst viele Menschen dafür interessieren.

Hermeskeil. Über Arbeitsmangel kann die neue Chefin des Hochwaldmuseums nicht klagen. Derzeit ist sie oft im früheren Standort der Institution, die sie leitet: dem künftigen Rheinland-Pfälzischen Feuerwehrmuseum (der TV berichtete). Dort müssen sämtliche Museumsstücke gesichtet und geordnet werden. Erst danach werden sie ins neue Magazin im alten Gefängnis nebenan umziehen. Dort werden sie archiviert beziehungsweise gelagert und beständig zugänglich sein.
Parallel zu ihrem Engagement für das Hochwaldmuseum trägt Weiß die Verantwortung für die örtliche Volkshochschule (VHS). Seit 2011 leitet sie die Außenstelle, die im März in die Integrierte Gesamtschule einzog. Die Doppelfunktion sieht die Kunsthistorikerin nicht als Last, sondern als Chance, lokale Geschichte zu vermitteln. Denn VHS wie Museum können sich mit ihren Angeboten ergänzen. So hat die VHS mit dem Vortrag "Frühe Kelten" eine Reihe eingeläutet und wird Mitte August zu "Geschichte zeichnen" ins Museum einladen. Eintauchen in andere Epochen können Besucher dort aber auch bei geführten Rundgängen oder Ausstellungen.
Den Schwerpunkt ihrer Arbeit sieht die 51-Jährige im bisher von Kurt Bach geleiteten Museum, das auf die Sammlung von "Museumsvater" Edmund Schömer aufbaut. Sie habe es quasi "in Obhut genommen", sagt die ehrenamtliche Heimat- und Brauchtumspflegerin.
Damit macht sie deutlich, wie sehr sie sich mit ihren neuen Aufgaben identifiziert. Die arbeitsintensive, von einem rührigen Förderverein unterstützte, Betreuung der 2003 eröffneten heimatkundlichen Ausstellung sei wichtig.
Ein Museum sei ja nicht irgendwann fertig, sondern wandle sich ebenso wie Geschichte beständig. Von Generation zu Generation weiter gegebene Dinge erzählten von den Menschen vor Ort, veränderten Wertigkeiten und der Verflechtung lokaler und überregionaler Geschichte. "Schlösser sind schön anzusehen, aber das kleine Arbeiterhaus erzählt viel mehr", sagt Weiß. Als Beispiel nennt sie den Eisenbahnbau Ende des 19. Jahrhunderts, der sich positiv auf Lebensstil und Status ausgewirkt habe. Damals sei Hermeskeil Gerichts-, Schul- und Krankenhausstandort geworden. Themen wie diese will die Gusenburgerin ansprechend präsentiert einer breiten Bevölkerungsschicht erschließen. Geschichte und auch Kunstgeschichte seien ja in einen gesellschaftlichen Kontext eingebunden. Und das wiederum schließt den Kreis zur VHS. urs