Musik mit Gefühl und Stimmung

Es ist eine Geschichte um Vergangenheit, die in die Gegenwart hineinreicht. Thomas Edelmann (Text) und Elisabeth Muß (Musik) haben am Konzer Gymnasium das Musiktheaterprojekt "Löcher" nach dem gleichnamigen Jugendbuch von Louis Sachar am Konzer Gymnasium erarbeitet. Schüler vom Musik-Leistungskurs 12 haben die Songs komponiert. Und sich dabei vor allem an ihren eigenen Empfindungen orientiert. Am 5., 6. und 7. Juli finden die Aufführungen statt.

Konz. Sie haben gerade eine Klassenarbeit hinter sich mit all der Anstrengung, die in der Stufe 12 dazugehört. Und auch wenn die sieben Schülerinnen und zwei Schüler sichtlich erschöpft sind - die Motivation für ihr ehrgeiziges Musiktheater-Projekt leidet nicht unter dem Schulstress. Auch noch in der fünften Vormittagsstunde strahlen sie Begeisterung aus für das Stück nach dem Jugendbuch "Löcher" von Louis Sachar. Die zentrale Handlung dreht sich um die Jungen Stanley und Zero. Sie lernen sich in einem amerikanischen Erziehungslager kennen und entdecken, dass ihre Familien schon vor 100 Jahren eine gemeinsame Geschichte hatten, eine Geschichte um ein gebrochenes Versprechen. Sie bemerken, dass eine uralte Auseinandersetzung immer noch ihr Leben miteinander bestimmt. Und dass sie jetzt die Chance haben, den Konflikt auszuräumen und ganz ohne Vorbedingungen Freunde zu werden.

Gymnasiallehrer Thomas Edelmann hat das Buch zum Theaterstück umgeschrieben und Songtexte verfasst. Zum allergrößten Teil wurden die von den 18-Jährigen im Musik-Leistungskurs selber vertont. Ein Workshop und drei Probentage waren die Stationen auf dem Weg zur eigenen Musik.

Bei den Kompositionen geht es nicht so sehr um die Einhaltung und Anwendung von Regeln, sondern um etwas ganz Elementares. Die Projekt-Teilnehmer sollten lernen, mit Musik Gefühle, Stimmungen, vielleicht auch konkrete Situationen auszudrücken. Und dabei entstand Musik, die beschwingt ist, sich aber nur selten auf monotone Rhythmen verengt. Die Melodie dominiert und mit ihr die Harmonie eines zwei- und zuweilen dreistimmigen Gesangs. Da gibt es Songs, die fast melancholisch einen Akkord umkreisen wie das "Wasserlied". Andere sind recht aufwendig instrumentiert wie "Zeros Lied" mit Bariton, Gitarre, Tenorsaxofon, Bass und Schlagzeug. Aber für alle gilt: Mit Unterstützung ihrer Lehrerinnen Elisabeth Muß und Anne Leidinger haben die Schüler etwas Eigenes geschaffen - frei von den Formeln traditioneller Harmonielehre, aber auch ohne unmittelbare Anleihen bei Folk, Rock und Pop. Hinter den Liedern steht eine Kultur der Empfindungen, des Sich-Öffnens, der Empathie.

Alle neun Schüler des Leistungskurses haben aufgeschrieben, was sie bei der Projektarbeit empfanden. Und bei allen klingt mit, wie intensiv sie ihre Empfindungen einbrachten. Lena Beck ("Zeros Lied") beispielsweise schreibt: "Ich habe gelernt, Entwürfe und damit einige Stunden Arbeit zu verwerfen, um Platz für neue Ideen zu gewinnen." Und Bianca Bruckmann ("Liebeslied") resümiert: "Ich denke, der Anfang ist das Schwerste. Man muss sich überlegen, was es für ein Lied werden soll und welche Atmosphäre es schaffen soll." Für alle jedoch war der Prozess von der Idee zum fertigen Lied ein beeindruckendes Erlebnis. Und bei allen Unterschieden: Jede der persönlichen Erklärungen lässt spüren, wie intensiv sich das Komponieren im Lebensgefühl der jungen Leute niedergeschlagen hat. Es ist ein Leben in Klängen geworden - zumindest für einige Zeit. Elisabeth Muß: "Da haben sie sich tatsächlich selber übertroffen."
Aufführungen von "Löcher" im Bürgerhaus Wiltingen am Dienstag, 5. Juli, um 19.30 Uhr, am 6. Juli und am 7. Juli um 18 Uhr.