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Musik zum Gedenken und zur Mahnung

Musik zum Gedenken und zur Mahnung

In der ehemaligen Synagoge hat das Trio Helmut Eisel & JEM mit Klezmer an den Pogrom von 1938 erinnert und sich damit auch gegen Rechtsradikalismus gewandt. Mehr als 100 Besucher waren deswegen nach Wawern gekommen.

Wawern. Das Konzert mit dem Klezmer-, Jazz- und Klassiktrio Helmut Eisel & JEM in der ehemaligen Synagoge Wawern hat nicht nur an das furchtbare Schicksal der Juden in der Großregion während der Zeit des Nationalsozialismus erinnert. Es war auch als Mahnung zu verstehen, sich angesichts des rechtsradikalen Terrors für ein Leben ohne Diskriminierung einzusetzen.
Den Klarinettisten Helmut Eisel gemeinsam mit Michael Marx (Gitarre, Stimme) und Stefan Engelmann (Kontrabass) im Konzert zu erleben, ist ein besonderes Erlebnis. Die drei Musiker bilden eine Einheit aus Temperament, Gefühl und Sensibilität. Und sie stellen sich musikalisch großen Herausforderungen. Dazu gehören das Gedenken an die verfolgten und ermoderten Juden in der Zeit des Nationalsozialismus und das Gedenken an die Pogromnacht am 9. November 1938. Dazu gehören die Erinnerung an die Tatsache, dass es Rechtsradikalismus auch heute gibt, und der Appell, vor dieser Ideologie nicht zurückzuweichen.
Die musikalische Vorgehensweise von Eisel und seinen Kollegen ist überwältigend. Sie spielen mit großer Innig- und Besinnlichkeit. Ihre Musik ist bejahend, positiv, mitunter fröhlich und birst fast vor Lebensfreude.
Die mehr als 100 Besucher in der ehemaligen Synagoge in Wawern ließen sich vom Trio nur allzu gern mitreißen. Die rhythmisch voranschreitenden Bassläufe von Stefan Engelmann bildeten zusammen mit der mal gezupften, mal geschlagenen Gitarre von Michael Marx eine Basis für Melodien, wie sie es nur in der orientalisch angehauchten Welt des Klezmer gibt.
Eisel, der die sonst für ihn typischen lachenden, meckernden, jauchzenden und flüsternden Laute in seinem Klarinettenspiel diesmal sehr sparsam einsetzte, wandelte darüber hinaus Klassik von Haydn und Mozart um in dieses sprühende Feuerwerk voller Temperament und Lebenskraft. Michael Marx erweiterte das Klangbild mit textfreiem Einsatz seiner Stimme. Das brachte noch mehr Nähe zum Publikum, weil man als Zuhörer zumindest innerlich instinktiv mitmachen konnte.
Nicht enden wollender Beifall belohnte die Musiker am Ende für einen großartigen Auftritt. Der Veranstalter des Konzerts, der Verein Gedenken und Gestalten, Gedenkarbeit und Leben ohne Diskriminierung in der Großregion SaarLorLux, Rheinland-Pfalz und Wallonien nutzte das Konzert auch dazu, auf seine Projekte aufmerksam zu machen. So hat die Vorsitzende des Vereins, die Germanistin und Soziologin Pascale Eberhard, ein Buch über die erste Deportation von Juden aus Luxemburg und Trier ins Ghetto Litzmannstatt (polnisch Lodz) herausgegeben.
Das Buch gehört zur einer Ausstellung, die zurzeit unter dem Titel "Jetzt wissen wir erst, wie schön die Heimat war" im Kreismuseum Bitburg-Prüm zu sehen ist. jbo