Musikalisch-literarische Annäherungen an ein Genie

Musikalisch-literarische Annäherungen an ein Genie

KONZ-KARTHAUS. (jbo) Musik und Vortrag in vollendeter Harmonie – das Portrait des polnischen Musikgenies Frédéric Chopin war ein großartiger Qualitätsbeweis für die Kulturtage des Kreises Trier-Saarburg.

"Frédéric Chopin - ein musikalisch-literarisches Portrait", so der recht akademisch klingende Titel einer gelungenen Veranstaltung im Festsaal des Klosters Karthaus. Die koreanischstämmige Pianistin Sung-Hee Kim-Wüst und ihr Mann Hans-Werner Wüst als Autor und Sprecher versetzen das Publikum im voll besetzten Saal durch vorzügliches Spiel am Flügel und lebendige Information in das Seelenleben und die Lebenswelt des polnischen Komponisten Frédéric Chopin.Atmosphäre voller Intensität

Neben der künstlerischen Qualität stimmte auch der äußere Rahmen dieser Veranstaltung, die zu den "Kulturtagen im Kreis Trier-Saarburg" gehörte. Mit einfachen Mitteln - Pianistin und Sprecher schwarz gekleidet, der Raum abgedunkelt - schuf das Ehepaar Wüst eine Atmosphäre voller Intensität. Das Publikum war bereit, sich auf die Reise in Chopins Leben zu begeben, und so trafen sich Erwar-tungshaltung und Präsentation zu einer Veranstaltung in vollendeter Harmonie.Klangwelt aus rasanten Läufen

Trat Hans-Werner Wüst aus dem Zwielicht des Raumes an sein Stehpult, richtete sich die volle Aufmerksamkeit der Zuhörer auf seinen lebendigen Vortrag, der klar gegliedert und facettenreich ein Bild des Musikgenies aus Warschau schuf. Die im Vortrag geschaffene Stimmung und emotionale Berührung wurde im Wechselspiel von der Pianistin Sung-Hee Kim-Wüst einfühlsam verstärkt. Die zierliche Koreanerin verstand es meisterlich, den literarischen Faden aufzunehmen. So war es für das Publikum ein Genuss zu hören, wie Kim-Wüst dem Flügel die Chopinsche Klangwelt aus rasanten Läufen, dramatischen Akkordfolgen, spielerisch-leichten Melodien und großer dynamischer Differenzierung entlockte. Speziell nach der Pause wurden die dynamischen Feinheiten noch deutlicher. Die auf rhythmisch sicherem Grund aufgebaute emotionale Vielfalt in Chopins Werken war jederzeit greifbar. Dabei verzichtete Sung-Hee Kim-Wüst auf jegliche Überzeichnungen und vermittelte gerade so einen tiefen Einblick in Chopins Gefühlsleben. Doch nicht nur Kim-Wüsts exzellentes Flügelspiel verlieh dem Abend seinen Reiz. Die tiefgründigen Informationen aus Chopins Leben, die Hans-Werner Wüst ausbreitete, wurden dank vieler Zitate aus Briefen oder Berichte von Kollegen, Literaten und Zeitzeugen zu einem Gesamtbild voller Farbe und Lebendigkeit. Das schon im Alter von 39 Jahren an Tuberkulose verstorbene Genie gilt heute als "der" Klavierkomponist schlechthin. Chopins introvertiertes Wesen und das Instrument gingen eine einzigartige Synthese ein, die durch Konzert und Vortrag in dem äußerst gelungenen "musikalisch-literarischen Portrait" erfahrbar wurde. Das Publikum dankte mit lang anhaltendem Applaus. Eine Zugabe war aber verständlicherweise in diesem Konzept nicht vorgesehen.

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