Musikalische Handarbeit auf der Gitarre

Was für ein Auftakt des Singer Songwriter Festivals in Wawern: Mit formvollendeter Handwerkskunst und gekonnten Interpretationen von Songs des Musikers Bob Dylan überzeugten Dirk Darmstädter und Lars Plogschties ihr Publikum.

 In Aktion: Dirk Darmstaedter an der Gitarre.TV-Foto: Kim-Björn Becker

In Aktion: Dirk Darmstaedter an der Gitarre.TV-Foto: Kim-Björn Becker

Wawern. (kbb) Die kleine Bühne ist vollgestopft mit Verstärkern, Boxen und Gitarrenkästen. Kabel liegen auf dem Boden herum, in der Ecke blinken die Anzeigen des Mischpults wie ein bunter Weihnachtsbaum. Wer sich so viele Gedanken über die Musik macht, verschwendet keinen einzigen an das Bühnenbild - so könnte man die Situation durchaus interpretieren. Und man würde den beiden Musikern dabei nicht einmal unrecht tun, denn das, was Dirk Darmstaedter und Lars Plogschties in ihrem Gewirr aus Kabeln und Kisten abliefern, ist musikalische Handwerkskunst auf hohem Niveau.

Mit ihren Interpretationen unzähliger Bob-Dylan-Klassiker eröffnen sie das diesjährige "Singer Songwriter Festival", das in Wawern und Saarburg stattfindet, und legen die Messlatte für alle folgenden Künstler in geradezu astronomische Höhen.

Auf das Notwendige reduziert ist das Klangbild, virtuos arbeiten die Musiker mit ihren Gitarren, mit Mundharmonika und Melodika die Themen aus Dylan-Klassikern wie "Tambourine Man", "Subterranean Homesick Blues" oder "Simple Trust of Fate" heraus und fügen ihnen eine eigene Note hinzu. Mit kräftigem Timbre überzeugt Darmstaedter auch stimmlich, aus einer Holzkiste mit zwei Becken zaubert Percussionist Plogschties unterschiedliche Rhythmen. Die beiden Musiker unterstreichen an diesem Abend in der alten Wawerner Synagoge, wie echte musikalische Handarbeit aussehen kann - und setzen damit einen bescheidenen und gleichzeitig kraftvollen Gegenakzent zu den oberflächlichen und kommerziell ausgerichteten Musik-Unterhaltungsformaten im Fernsehen. Das Duo überzeugt vor allem durch seine Authentizität und setzt sich auch in diesem Zusammenhang wohltuend von Retorten-Künstlern ab, die derzeit mit ihren Liedern in den Charts sind. Auf eine zurückhaltende Weise führen sie dem Publikum so die Absurdität des Musikgeschäfts vor Augen. Das allein wäre schon eine ausreichende Leistung für einen Abend, hätten sie sich mit Bob Dylan nicht auch noch ein grandioses Vorbild ausgesucht. Spannend zu beobachten, wie sie gekonnt die Felsen einer reinen Kopiervorlage umschiffen und sich mit eigenen und nicht minder charakteristischen Arrangements deutlich von ihrem musikalischen Übervater abgrenzen und etwas Neues schaffen - konzeptionell wie handwerklich.

In diesem Zusammenhang passt das chaotische Bühnenbild doch wieder ins Konzept.