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Mutige Ritter, eine neue Königin und eine gewagte These

Mutige Ritter, eine neue Königin und eine gewagte These

SAARBURG. Das Zentrum Saarburgs verwandelte sich beim Sagenhaften Saarweinfest am Wochenende in eine weinselige, mittelalterliche Zone. Bei dem Großereignis mit Ritterspektakel, Weinfest und verkaufsoffenem Sonntag kamen jüngere wie ältere Familienmitglieder auf ihre Kosten. Mehrere tausend Menschen nutzten das Angebot.

Ein für Saarburg ungewöhnlicher Geruch liegt am frühen Samstagnachmittag über der Stadt: Es riecht nach offenem Feuer und Holz. Wer sich bei hochsommerlichen Temperaturen nach schweißtreibendem Aufstieg der Burg nähert, lüftet für sich das Geheimnis: Auf der Wiese hinter der Burg hat der Trierer Verein "Alt Luxemburg" sein Lager aufgeschlagen und demonstriert Ess-, Koch- und andere Gewohnheiten der Menschen, die zwischen 1280 und 1320 gelebt haben.Tapferkeit war gefragt

Am Samstagnachmittag allerdings ist der Zuspruch im Vergleich zum Vorjahr relativ gering, und so verzichten die wackeren Männer auf die geplante Waffenvorführung und verschieben sie auf den folgenden Tag. Stattdessen schlüpft Vereinsmitglied Matthias Morbe - ansonsten "zu Hause" in der Rolle des mutigen Ritters - in die Haut des mittelalterlichen Chirurgen. Auch er, das macht die kurze Vorführung unter freiem Himmel deutlich, musste ein enorm tapferer Mann sein: Alles andere als angenehm erscheint die Operation, bei der der Chirurg mit der bloßen Hand den Pfeil aus dem Bauch des Verwundeten zieht und die Wunde anschließend mit einem heißen Eisen ausbrennt. Deutlich harmloser geht es auf dem mittelalterlichen Markt vor und hinter dem Burg-Restaurant zu. Viele der Aussteller und Handwerker sind nicht zum ersten Mal dabei - wie der Schmied Louis Theobald aus Lothringen, der in sengender Hitze mit seinem Fuß dafür sorgt, dass sich das Eisenrad dreht und die Flamme nicht ausgeht. "Ich bin gerne hier in den historischen Gemäuern", sagt er. Und wie hält er die Hitze aus? "Mein Element ist nun 'mal das Feuer, da gewöhnt man sich an die Temperaturen." Renate Weihmann, die zum zweiten Mal mit ihrem Mann aus dem Schwäbischen angereist ist, zeigt, mit welcher Medizin und welchen Instrumenten ein Bader und eine Hebamme damals gearbeitet haben. Auch sie schätzt den Markt: "Das Ambiente in Saarburg ist einmalig, die Leute sind sehr interessiert." Parallel zum Treiben auf der Burg vergnügen sich auf dem Ländchen die kleinsten Besucher auf der mittelalterlichen Spielwiese. Medaillen darf mit nach Hause nehmen, wer mit entsprechendem Instrumentarium ausreichend Strohringe erkämpft und den "Roland" trifft. Von da aus geht es für die meisten zu einem Kurztrip mit dem Feuerwehrboot auf die andere Saarseite zur großen Turnierwiese. Kinder aller Altersklassen warten dort ungeduldig darauf, dass endlich das Ritterturnier der international besetzten Truppe "Die Löwenritter" mit Kämpfen hoch zu Ross beginnt. Falkenprinz auf der Bühne

So lässt der vierjährige Christopher aus München seiner Enttäuschung freien Lauf, als in den ersten Minuten des Stückes "Der Falkenprinz" eine weibliche Akteurin, die Sultanstochter Sulaika, ins Spiel gerät: "Ich denk' das ist ein Ritterturnier. Was macht denn die Flumme hier?" Glücklicherweise tauchen im Laufe der eineinhalbstündigen Vorführung dann doch noch einige mutige Männer zu Pferde auf, die mit ihren Kämpfen und dem guten Ende ("Die haben Frieden geschlossen") voll und ganz den Geschmack auch des Vierjährigen treffen. Für den Geschmack der älteren Besucher werfen sich die Winzer und Gastronomen in der Weinstraße "ins Zeug". Bevor die Besucher allerdings bis tief in die Nacht an den insgesamt 16 Ständen feiern und erstmals seit Bestehen des Saarweinfestes auch den Auftritt einer Live-Band ("Sound of Silence") genießen, steht noch der Glanzpunkt des Samstagabends an: Um kurz nach 20 Uhr setzt Anne Mertes, Gebietsweinprinzessin von Mosel-Saar-Ruwer, der ersten Saar-Obermosel-Weinkönigin Sabrina Schons die Krone auf. "Es ist unbeschreiblich, hier oben zu stehen und auf so viele Menschen runterzublicken - einmalig", schildert Schons dem TV ihre Eindrücke wenige Minuten nach der Krönung. Gleichwohl muss sich so mancher erst noch an den neuen Titel gewöhnen, wie der Versprecher von Stadtbürgermeister Jürgen Dixius während seiner Ansprache beweist: "Wir freuen uns über die neue Saar-Obermosel-Saarweinkönigin", sagt er und erntet ordentlich Lacher aus dem Publikum. Eine ähnliche Reaktion löst auch der saarländische Ministerpräsident und Schirmherr des Festes, Peter Müller, aus, als er meint: "Es ist mir nicht allein eine Freude, sondern auch eine Ehre, als Schirmherr heute Abend hier zu sein. Schließlich ist es ja nicht selbstverständlich, als Saarländer in Rheinland-Pfalz solch ein Amt angetragen zu bekommen."Mit seiner durchaus gewagten These "Der Saarwein, Saarburg und der saarländische Ministerpräsident - da wächst zusammen, was zusammengehört", entlässt er ein schmunzelndes Publikum mit "reichlich Diskussionsstoff" an die Weinstände. Der Gesprächsstoff reichte bis in den frühen Morgen... Mehr Bilder SEITE 22