Mystisches Konzert im Gotteshaus
Saarburg · Etwa 50 Zuhörer erleben in der evangelischen Kirche von Saarburg ein intimes Konzert der polnischen Klezmergruppe Kroke. Dank der Akustik des Sakralbaus können die Besucher die zahlreichen Nuancen der jiddischen Musik wahrnehmen.
Saarburg. Neben den Sitzbänken stehen Teelichter. Die Apsis ist grün, blau und rosa ausgeleuchtet. Als Tomasz Kukurba vor den Altar tritt, ist es in der evangelischen Kirche von Saarburg mucksmäuschenstill. Auf einer Tin Whistle - einer Flöte, die vor allem in der traditionellen irischen Folkmusik benutzt wird - spielt Kukurba zunächst leise Töne, die sich immer mehr zu einem Klangteppich verweben.
Schon beim ersten Stück - einem rumänischen Tanz - wird klar, dass die Akustik des Sakralbaus mit der Musik der Gruppe Kroke bestens harmoniert. Das Trio rund um den Sänger und Violinisten Kukurba kommt aus der südpolnischen Stadt Krakau. Begleitet wird er von dem Akkordeonisten Jerzy Bawol und dem Kontrabassisten Tomasz Lato.
Die Gruppe spielt Klezmer, einen Musikstil, der in Europa vor allem durch den argentinischen Klarinettisten Giora Feidman bekannt wurde. Ursprünglich wurde diese Musik von jüdischen Musikern bei allen bedeutenden familiären Ereignissen gespielt, etwa auf Hochzeiten, Taufen, Geburtstagen oder Beerdigungen. Dabei greifen die Musiker auf ein breites Repertoire zurück, das sie immer wieder miteinander kombinieren.Aufforderung zum Tanz
Die Akustik der evangelischen Kirche in Saarburg liebt die zarten, leisen Klänge. Kein Ton geht in dem gedrungenen Schiff verloren; egal, ob Kukurba mit der Violine weint oder Lato auf dem Bass schluchzt oder Bawol mit dem Akkordeon zum Tanzen auffordert. So etwa beim Stück Kazimierz\'s Impression, das an die jüdische Geschichte Krakaus erinnert. Einerseits war der Stadtteil Kazimierz bis zum Zweiten Weltkrieg von vielen Juden bewohnt; in ihm gab es sieben Synagogen. Zum anderen steht er aber auch für die Vielfalt des heute von Künstlern bewohnten Viertels.
Fragte sich Pfarrer Johann Peter Winter zu Beginn des Konzerts noch, warum die Musiker mit Verstärker und Soundanlage in "sein" Gotteshaus gezogen sind, so war auch er am Ende von der Konzertatmosphäre begeistert: "Es war ein richtig schöner Abend."
Die Saarburger Künstlerin Cordue war mit zwei Freunden in die Kirche gekommen. Bisher kannte sie die Gruppe nur von einer CD, die sie immer wieder hört. Zum Schluss des Konzerts tanzt sie versteckt in einer der hinteren Reihen. "Ich konnte nicht länger sitzen bleiben. Die Musik löst bei mir Gänsehautfeeling aus", schwärmt sie.Weitere Konzerte im Sakralbau
Auch Christof Kramp, Chef des Konzertveranstalters Station K, ist mit dem Konzert und der Akustik in der evangelischen Kirche zufrieden. Er kann sich gut vorstellen, künftig häufiger Musiker in dem Gotteshaus auftreten zu lassen. So gastiert in der Kirche als Nächstes am Freitag, 6. Dezember, der Tenor Thomas Kiessling. Zusammen mit dem Pianisten Norbert Schmitz gibt er ein Weihnachtskonzert.Extra
Der Begriff Klezmer setzt sich aus den jiddischen Begriffen "kli" und "zemer" zusammen; übersetzt bedeutet er etwa Gefäß des Liedes. Im 15. Jahrhundert entwickeln klezmorim genannte Volksmusikanten eine Tradition weltlicher, nichtliturgischer jüdischer Musik. Sie orientieren sich an religiösen Traditionen, die bis in biblische Zeiten zurückreichen; ihre musikalische Ausdrucksweise entwickelt sich indessen weiter bis in die Gegenwart. Seit den 1970er Jahren wird der Begriff Klezmer für diesen Musikstil verwendet. itz