Nach 240 Jahren ist Schluss - Saarburger Marien-Apotheke zu

Nach 240 Jahren ist Schluss - Saarburger Marien-Apotheke zu

Ein Familiengeschäft mit langer Tradition existiert nicht mehr: Die Saarburger Marien-Apotheke ist für immer geschlossen. Fünf Mitarbeiterinnen müssen nun gehen. Für das Geschäft, das mindestens 240 Jahre alt ist, gibt es keinen Nachfolger.

Seit mehr als einem Monat ist die Eingangstür zur Marien-Apotheke in Saarburg für Kunden geschlossen (der TV berichtete). Drinnen stehen Kisten und Körbe in der Ecke. Die Präparate sind aus den Regalen geräumt, und die Kasse auf der Theke schweigt - für immer. Denn Apotheker Wolfgang Marchand geht mit 83 Jahren in den Ruhestand. Einen Nachfolger gibt es nicht. Und so endet eine lange Familientradition.

Die Marienapotheke gehörte zu den fünf ältesten in der Region Trier. "Sie bestand mindestens seit 1771", sagt Wolfgang Marchand. Aus dieser Zeit gibt es ein sogenanntes Privileg. Das ist eine Urkunde, die zum Führen einer Apotheke berechtigt. Unterschrieben hatte das Blatt seinerzeit der Trierer Erzbischof und Kurfürst Clemens Wenzelslaus. Das Geschäft könnte aber auch älter sein.
"Viele Dokumente sind über die Jahre verloren gegangen, das Stadtarchiv ist nicht immer zuverlässig gepflegt worden", sagt Marchand. Die Urkunde sei eher zufällig auf dem Dachboden aufgetaucht. Eine Kopie hing bis zuletzt an der Wand im Verkaufsraum.

"Obwohl es mehrere Interessenten gab, hat sich niemand gefunden, der die Apotheke übernehmen wollte", sagt Marchand. Für ihn hat das im Wesentlichen drei Gründe: Junge Pharmazeuten wollen nicht aufs Land. Etliche scheuen unbequeme Schichten wie Notdienste. Außerdem sei das Apothekensterben politisch gewollt. Um bis zu 40 Prozent solle deren Zahl verringert werden, sagt Marchand. Mit jetzt vier Apotheken ist Saarburg allerdings immer noch gut versorgt. Patienten müssen aber heute schon lange Wege fahren, um einen Notdienst zu erreichen (siehe Extra). "Vor allem auf den Dörfern wird die Versorgung immer schlechter", stellt Marchand fest.
Marchands Vater Valentin hatte die Apotheke 1934 übernommen - mit Inventar, das damals schon mehr als 100 Jahre alt war und bis heute in dem rosafarbenen Haus an der Graf-Siegried-Straße steht. Bis 1954 war sie auch die einzige in Saarburg. Ab 1968 führte dann Wolfgang Marchand die Apotheke. Nun ist Schluss.
"Einige der Kunden waren zu Tränen gerührt. Vor allem die Älteren sind sehr anhänglich, einige waren schon als Kinder hier", sagt Marchand. Fünf Angestellte müssen gehen. Eine Mitarbeiterin wird in den Vorruhestand gehen. Die anderen müssen nach Alternativen suchen. "Einige waren mehr als 30 Jahre dabei", sagt Marchand.
Inventar soll "in gute Hände"


Noch stehen weiße Porzellangefäße und die braunen Apothekergläser in den dunkelbraunen Holzregalen. Was mit der Einrichtung passiert, ist noch nicht klar. Verhökern will Marchand die guten Stücke nicht. Vielleicht übernimmt ein Museum das Interieur. "Es gibt aber eine Bedingung", sagt Marchand mit etwas Wehmut. "Ich muss alles in guten Händen wissen."Extra

Von Saarburg aus sind in einem Umkreis von etwa 20 Kilometern folgende Apotheken zu erreichen: Saarburg: Grüne Apotheke, Liebfrauen-Apotheke, Markt-Apotheke, Burg-Apotheke. Freudenburg: Markt-Apotheke. Konz: Apotheke in der Beethovengalerie, Ratsapotheke, Schiller-Apotheke, Stern-Apotheke, Apotheke am Markt. Nittel: Mosel-Apotheke. Zerf: Diana-Apotheke. Losheim: Hirsch-Apotheke, Markt-Apotheke, Apotheke im Globus. Mettlach: St.-Lutwinus-Apotheke. Mettlach-Orscholz: St.-Nikolaus-Apotheke, Abtei-Apotheke, St.-Nikolaus-Apotheke. Nennig: Römer-Apotheke. Luxemburg: Remich, Grevenmacher, Wormeldange, Mertert. (Quelle: Notdienstplan der Landesapothekerkammer Rheinland-Pfalz, Syndicat des Pharmaciens luxembourgeois asbl)