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Nach Abschiebung aus Saarburg: Unterstützer von Roma-Familie rufen zu Demo auf

Nach Abschiebung aus Saarburg: Unterstützer von Roma-Familie rufen zu Demo auf

Unterstützer der aus Saarburg abgeschobenen Roma-Familie rufen zu einer Demonstration auf. Die Demo ist nicht das einzige, was sie planen.

Energisch sagt Markus Schmidt: "Wir geben keine Ruhe, bis Familie Memedov Gerechtigkeit widerfahren ist." Schmidt ist Geschäftsführer eines Personaldienstleisters in Trier. Er ist- wie er betont - Arbeitgeber von Fatmir Memedov, obwohl dieser mit seiner Frau und drei Kindern im Alter von sechs, elf und 13 Jahren vor drei Wochen mitten in der Nacht nach Mazedonien abgeschoben wurde ("Wenn nachts um 3.30 Uhr die Polizei klingelt", TV vom 25. Mai). Dass Schmidt zusammen mit dem in der Flüchtlingsarbeit aktiven Paar de Wolf und Elke Boné-Leis vom Kinderschutzbund Trier nun in einer Pressekonferenz zur Demonstration für Memedovs Rückkehr aufrufen würde, hat er sich vor ein paar Wochen nicht vorstellen können. Die vier Aktivisten eint, dass der Fall Memedov sie am Rechtsstaat hat zweifeln lassen.

Die Geschichte der Familie 2014 sind die Memedovs nach Saarburg gekommen. Aus Mazedonien ist die Familie eigenen Angaben zufolge geflüchtet, weil der Vater, ein Unteroffizier der Armee, wiederholt bedroht und misshandelt wurde. Alles begann demnach mit einer Festnahme ohne Grund bei einem Polizeieinsatz in Skopje, der sich laut Europäischem Zentrum für die Rechte der Roma gegen Wohnungen und Geschäfte von Roma richtete. Fatmir Memedovs Versuche, sich mit Rechtsmitteln gegen die Repressalien zu wehren, verliefen erfolglos. In Saarburg hat sich die Familie schnell integriert. Doch die Asylanträge der Familie werden abgelehnt - auch mit dem Hinweis, dass das Herkunftsland sicher sei. Auf die schließlich beantragte Ausbildungsduldung antwortet die Ausländerbehörde nicht. Sie schiebt stattdessen mitten in der Nacht zum 19. Mai ab. Hintergrund: Schmidt hat mit Memedov einen Ausbildungsvertrag abgeschlossen. Laut Memedovs Rechtsanwalt Heinz-Peter Nobert haben ausreisepflichtige Asylbewerber in Ausbildung Anspruch auf Duldung. Die Kreisverwaltung erklärt hingegen, diesen Anspruch habe Memedov verwirkt. Er habe mehrfach vorgegeben freiwillig auszureisen, habe dies aber nicht getan. Die Unterstützer bestreiten dies.

Der Stand des Verfahrens Gegen die Abschiebung hat der Anwalt noch am Morgen des 19. Mai eine einstweilige Anordnung bei Gericht beantragt. Erfolglos. Nun hat er beim Oberwaltungsgericht Beschwerde gegen die Entscheidung des Verwaltungsgerichts eingelegt und die Wiedereinreise der Familie gefordert. Darüber ist noch nicht entschieden. Die Memdovs sind laut Hélène de Wolf derweil in Mazedonien untergetaucht und verlassen ihre Bleibe nicht.

Kritikan nächtlichen Abschiebungen Die Unterstützer der Memedovs kritisieren nächtliche Abschiebungen als brutal und traumatisierend. Laut Gesetz sei dies nur in Einzelfällen zulässig. Elke Boné-Leis vom Kinderschutzbund Trier weist darauf hin, dass eine Familie mit Kindern nachts vor vier Uhr gar nicht unangemeldet abgeholt werden dürfe. Sie sagt: "Mich erinnert das an Gestapo-Methoden." Die Kreisverwaltung hatte den Zeitpunkt damit erklärt, dass er sich an der Abflugzeit des Flugzeugs orientiere.

Weitere Pläne Bei der Demonstration am Sonntag in Trier wollen es die Unterstützer nicht belassen. Sie wollen nachhaltig helfen. Leis-Boné kündigt monatliche Benefizkonzerte an, das erste am 30. Juni. Erfreut sagt sie: "Auf meinen Aufruf auf Facebook haben sich innerhalb von zwei Stunden 40 Musiker gemeldet." Auch Künstler, die klassische Musik machten, seien dabei.

Die Demonstration für die Rückkehr der Familie Memedov und gegen Abschiebung beginnt am Sonntag, 11. Juni, um 14 Uhr an der Porta Nigra.