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Nach dem weißen Damhirsch nun ein weißer Fuchs - gesehen und fotografiert von einem Volksfreund-Leser

Nach dem weißen Damhirsch nun ein weißer Fuchs - gesehen und fotografiert von einem Volksfreund-Leser

Die Bewohner des Konzer Tälchens (Kreis Trier-Saarburg) haben mit ihrem weißen Damhirsch einen besonderen Mitbewohner. Jetzt hat ein weiterer Konzer Stadtteil einen eigenen Albino: Ein weißer Fuchs treibt sich auf den Wiesen zwischen Oberemmel und Wiltingen herum.

Das Konzer Tälchen und seine Verlängerung über Oberemmel Richtung Wiltingen ist ein einzigartiger Flecken Erde. Jetzt zeigt sich, dass nicht nur die Landschaft besonders ist, auch die Tierwelt hat es in sich. Seit Februar treibt sich ein weißer Damhirsch bei Niedermennig herum. Nun bekommt das Tier einen Spielkameraden: Der Oberemmeler Marc Schilz hat auf einer Wiese zwischen Oberemmel und Wiltingen schon mehrfach einen weißen Fuchs gesehen. Nun hat er auf dem Weg zur Arbeit beim Wasser- und Schifffahrtsamt in Saarburg ein Foto von dem Tier machen können.

"Als ich das Freunden erzählte, sagten die meisten, dass es kein Fuchs, sondern ein anderes Tier gewesen sei", erzählt Schilz dem TV. Doch von fachkundiger Seite bekommt er Unterstützung. Der Leiter des Saarburger Forstamts, Helmut Lieser, hat Schilz' Foto für den Volksfreund geprüft. Es ist zwar kein verirrter Polarfuchs, aber: "Es handelt sich um einen Rotfuchs, allerdings in einer nur gelegentlich vorkommenden Albinoversion", sagt Lieser. Die Mutation ist genetisch bedingt: Das Tier produziert zu wenige Melanine - das sind die körpereigenen Farbstoffe, durch die Haar-, Haut- und Augenfarben entstehen.

Der Fuchs ist also nicht erbleicht, weil er sich vor dem weißen Hirsch erschrocken hat. So magisch ist das Niedermenniger Tier dann doch nicht: Es ist zwar ein Albino, aber kein mystisch-religiös aufgeladener weißer Rothirsch (siehe Extra). Es ist ebenfalls ein Albino - und zwar ein relativ seltener weißer Damhirsch. Oft ist er gemeinsam mit anderem Damwild rund um das Weingut Falkensteiner Hof unterwegs. Das Tier gehört zu einer Herde, die früher in einem Gatter gehalten worden ist. Vor einigen Jahren sind die Tiere entkommen. Seitdem gelten sie als herrenlos. Somit dürfen Jäger sie in der gesetzlich erlaubten Jagdzeit schießen.

Das ist der Grund dafür, dass es der Hirsch zu einer gewissen Berühmtheit geschafft hat: Dieter Klever, Ortsvorsteher des Konzer Tälchens, hatte den Hirsch im Januar mit seinem Handy fotografiert. Hobbyfotograf Jupp Lenz machte wenig später die ersten hochwertigen Bilder von dem Tier. Nach der Veröffentlichung eines Berichts im Volksfreund griff auch die überregionale Presse das Thema auf, und der damalige Oberemmeler Karnevalsprinz Maximilian von Kunow trat mit Hirschkostüm auf einer der Kappensitzungen des ECC Oberemmel auf.

Vor allem die Debatte darüber, dass der Hirsch laut der Jagdbehörde bei der Trier-Saarburger Kreisverwaltung außerhalb der Schonzeiten für Damwild zum Abschuss freigegeben ist, rief auch Tierschutzorganisationen auf den Plan. Die Unruhe legte sich, als die Pächter der Jagdreviere rings um Niedermennig versicherten, dass sie den Hirsch in Ruhe lassen würden. Zuletzt hat der SWR einen Beitrag über das Tier gesendet. In den sozialen Medien thematisieren die Menschen das Tierchen ebenfalls. In der Facebook-Gruppe "Wir im Tälchen" läuft eine Abstimmung über den Namen des Tiers. Vorschläge sind zum Beispiel Tälchi, Schneeflocke oder Judit als Kürzel für Jupp und Dieter.

Extra Mystik: Weiße Rothirsche haben für Jäger eine mystisch-religiöse Dimension. Einerseits gibt es die Legende vom heiligen Hubertus, dem Schutzpatron der Jäger, in Form eines weißen Hirschs mit einem Kreuz im Geweih. Andererseits kursiert der Aberglaube, dass ein Jäger, der einen weißen Rothirsch tötet, innerhalb eines Jahres entweder selbst stirbt oder ein Familienmitglied verliert. cmk