Nach Raubüberfall in Konz - Prozess gegen mutmaßliche Schmuckdiebe

Kostenpflichtiger Inhalt: Schwerer Raub : Prozess nach Überfall in Konz - Mutmaßliche Räuber flüchten mit pinkem Punto

Sechs Männer sollen im September 2018 ein Schmuckgeschäft in Konz überfallen haben. Zwei von ihnen verantworten sich zurzeit vor dem Landgericht Trier. Am zweiten Verhandlungstag wurde klar, dass die Männer nicht gerade vorsichtig vorgegangen sind.

Sechs Männer waren laut Staatsanwaltschaft Trier am 21. September 2018 an einem Überfall auf ein Juweliergeschäft in Konz beteiligt. Gegen zwei der Täter läuft zurzeit der Prozess wegen schweren Raubs vor dem Landgericht Trier. Ein weiterer Beteiligter sitzt in Untersuchungshaft, drei sind flüchtig. Am Mittwoch, dem zweiten Verhandlungstag, liefern mehrere Zeugen kuriose Details zu Planung, Überfall und den Folgen.

Schmunzler erntet zum Beispiel ein Zeuge, der dem Mitangeklagten B. das Fluchtfahrzeug am Tag vor der Tat verkauft hat. Unverdächtig und auffällig zugleich – so lässt sich der Wagen wohl am besten beschreiben: ein pinker Fiat Punto mit schwarzem Dach und Schmetterlingsstickern auf der Seite. B. habe den Wagen für 50 Euro in Fleringen (Eifelkreis Bitburg-Prüm) gekauft, sagt der Zeuge. Er habe französische Nummernschilder mitgebracht und diese montiert. Er habe erklärt, dass der Wagen für seine Frau sei. Dann sei er damit weggefahren.

Während die beiden Haupttäter, von denen einer in U-Haft in Trier sitzt und einer flüchtig ist, den bewaffneten Überfall ausgeführt haben, soll B. im „pinken Punto“ in der Granastraße auf sie gewartet haben. Dass B. den Hauptangeklagten und mutmaßlichen Drahtzieher des Überfalls (N.) 2018 als Nachbarn kennengelernt hat, während sich die anderen Beteiligten schon länger kennen, erhärtet sich vor Gericht.

Überfall auf Juweliergeschäft in Konz

Die sechs Männer, fünf Serben und ein Pole (B.), haben laut den Ermittlern eine Ferienwohnung in der Eifel als Unterschlupf vor und nach der Tat benutzt. Am Abend nach dem Überfall haben nur fünf von ihnen dort gegrillt und gefeiert. B. war nicht dabei. Als Beweis dient den Ermittlern ein Foto auf dem von der Polizei sichergestellten Handy des Hauptangeklagten, das die Vermieterin der Ferienwohnung für N. gemacht hat: Darauf seien die fünf Serben zu sehen, der mutmaßliche Fluchtfahrer aber nicht, heißt es.

Ohnehin profitieren die Ermittler von unvorsichtigem Gebrauch von Smartphones, Facebook und WhatsApp. Die Vermieterin habe durch die Öffentlichkeitsfahndung mit Fotos einer Überwachungskamera die Männer in ihrer Ferienwohnung mit der Tat in Verbindung gebracht, sagt der leitende Ermittler im Zeugenstand. Der Hauptangeklagte habe bei der Frau einmal angerufen, ohne seine Nummer zu unterdrücken. So kamen sie ihm auf die Spur.

Auf dem Handy von N. wurden dann nicht nur das Foto der Gruppe, sondern auch dessen Chats mit seiner Frau geprüft. Diese hat aus Sicht der Polizei von den Plänen ihres Mannes gewusst. Gemeinsam wollten sie demnach nach der Tat ein neues Leben in Hamburg anfangen. Als der erste Fahndungsaufruf über die Presse erfolgte, schrieb die Frau an N.: „Sag denen, dass sie sich umziehen sollen, die Beschreibung ist raus.“ Als die Bilder der Überwachungskamera veröffentlicht wurden, habe sie geschrieben: „Man kann sie erkennen.“ N. habe dann jeweils auf seinem Handy nach entsprechenden Meldungen in den Medien gegoogelt. Während seine Frau die verdächtigen Nachrichten auf seine Anweisung gelöscht habe, habe er selbst das nicht getan, erklärt ein Zeuge.

Auch einer der anderen Verdächtigen hat durch den laxen Umgang mit seinen Daten zum Ermittlungserfolg beigetragen: Im Prinzip seien die langjährigen Freundschaften von vier der sechs Beschuldigten durch eine Facebookrecherche aufgedeckt worden, sagt ein Polizist. Drei der mutmaßlichen Täter seien aber immer noch in Serbien flüchtig.

Mehr von Volksfreund