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Rettungsdienste: Nach Roscheid ist der Weg zu weit

Rettungsdienste : Nach Roscheid ist der Weg zu weit

Die Stadt Konz verordnet sich ein Entwicklungskonzept für die Feuerwehr. Schwachstellen sollen damit beseitigt werden.

In Zukunft werden in den Orten der Verbandsgemeinden die Alarmsirenen häufiger heulen. Das muss nicht unbedingt bedeuten, dass es in der eigenen Gemeinde brennt. „Um die gesetzlichen Vorgaben für die personelle Besetzung eines Rettungstrupps erfüllen zu können, müssen wir im Einsatzfall auch die Feuerwehrleute in den Nachbargemeinden alarmieren“, sagt Mario Gasper, Wehrleiter der Verbandsgemeinde Konz. Die demographische Entwicklung und das immer größer werdende Problem, entsprechend qualifizierte Einsatzkräfte zu bekommen, mache Veränderungen notwendig.

Was sich genau wo und wie verändern könnte, ist Thema des ersten Konzepts für den Bedarf und die Entwicklung der Feuerwehren in der Verbandsgemeinde (der TV berichtete), die heute nach intensiven Vorberatungen vom VG-Rat verabschiedet wird. „Wir beschließen dieses Grundgerüst, zu dem es in den kommenden Jahren natürlich noch Veränderungen geben kann, sofern wir zu neuen Beurteilungen kommen“, macht Bürgermeister Joachim Weber klar.

SCHWACHPUNKTE Wehrleiter Mario Gasper, unter dessen Führung das umfassende Papier erarbeitet worden ist, nennt die derzeitigen Schwachpunkte beim Namen: „Wir können derzeit nicht alle gesetzlichen Vorgaben erfüllen.“ Konkret geht es dabei um die Hilfsfrist, die acht Minuten beträgt, und die vorgeschriebene Funktionsstärke. So müssen zum Beispiel im Brandfall vier der mindestens sechs Mitglieder eines Rettungstrupps als Atemschutzträger qualifiziert sein. „Wir haben 450 Mitglieder bei der Feuerwehr, aber nur etwa 100 davon sind entsprechend qualifiziert“, verdeutlicht Gasper das Problem.

Ziel des Feuerwehrentwicklungskonzeptes sei es auch, bei mindestens 80 Prozent aller Alarmierungen innerhalb von acht Minuten am Einsatzort zu sein. Vor allem in Roscheid, wo das Seniorenheim eine besonders Gefährdungslage darstelle, könne das bei weitem nicht gewährleistet werden. Gasper: „Wir liegen hier bei 21 Prozent. Das ist nicht haltbar.“

STANDORTE Hauptursache für diesen schlechten Wert ist die lange und häufig auch nicht störungsfreie Anfahrt aus der Stadtmitte in den Höhenstadtteil. Auch weil viele Feuerwehrleute in Berendsborn, Canet oder Roscheid wohnen und erst zu den Einsatzfahrzeugen in der Innenstadt fahren müssen, bevor sie im Einsatzfahrzeug zum Brandort eilen können, kommt es zu Verzögerungen. Ziel ist es deshalb, einen zusätzlichen Standort mit Einsatzfahrzeug im Bereich Roscheid zu schaffen. Das Fahrzeug soll nach den derzeitigen Plänen von Niedermennig dorthin wechseln, sobald diese Wehr ein neues, größeres Fahrzeug bekommen hat.

Die Wehren in Nittel, Pellingen und Tawern sind derzeit als Schwerpunktfeuerwehren mit besonderen Aufgaben eingestuft. Sie müssen deshalb zum Teil aufgerüstet werden (siehe Info). Das betrifft aber auch die Feuerwehr Könen, die für den schnelleren Weg nach Konz ein Mannschaftslöschfahrzeug (MLF) erhalten soll.

TECHNIK Unabhängig von der besseren technischen Ausstattung, muss gewährleistet werden, dass bei jedem Alarm genügend Einsatzkräfte vor Ort sind. „Mehrere Wehren werden deshalb in Zukunft automatisch mit alarmiert“, erläutert Mario Gasper. Das bedeute zwar vor allem für die kleineren Wehren einen höheren Aufwand und Sirenengeheule für die Anwohner. Frühstens 2020 könnte das allerdings wegfallen, wenn es mit der Ausstattung der Wehrleute mit digitalen Funkempfängern oder einem speziellen App-System für die privaten Smartphones klappt.

PERSONAL „Wir werden in Zukunft noch größere Probleme bekommen, genug Einsatzkräfte zu haben“, prognostiziert Wehrleiter Mario Gasper. Im neuen Konzept sind deshalb zahlreiche Ideen nachzulesen, wie trotz der gestiegenen Anforderungen an die Ausbildung und der geringeren Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement ausreichend Wehrleute aktiviert werden könnten. Anreize zum Umzug von Verwaltungsmitarbeitern in das Umfeld des Feuerwehrgerätehauses Konz gehören ebenso dazu wie die Reaktivierung von ehemaligen Wehrleuten oder die Stärkung der Jugendarbeit. Ob das oder die Verpflichtung von Gemeindearbeitern zum Tageseinsatz bei der Feuerwehr Wirklichkeit wird, ist noch offen.

Gute Karten hat der Wehrführer allerdings mit seinem Ruf nach einer personellen Aufstockung der Sachbearbeiterstelle Brandschutz und für die Pflege und Instandhaltung der immer komplexer werdenden Gerätschaften. „Ein zusätzlicher hauptamtlicher Gerätewart würde auch die Tagesbereitschaft stärken und das Ehrenamt entlasten“, wirbt Gasper für seinen Vorschlag.