Nach zehn Jahren Flaute: Chance steigt für Windkraft

Nach zehn Jahren Flaute: Chance steigt für Windkraft

Seit mehr als zehn Jahren kämpft die Gemeinde Beuren vergeblich darum, Windräder aufstellen zu dürfen. Nun herrscht im Rat wieder mehr Optimismus: Mit der Errichtung von drei Anlagen nahe der Autobahn könnte es klappen.

Beuren. Nach vielen Enttäuschungen in der Vergangenheit ist die Gemeinde Beuren der Erfüllung eines langgehegten Wunsches so nahe wie noch nie. Seit zehn Jahren kämpft der von Ortsbürgermeister Manfred Köhl (SPD) angeführte Rat erfolglos darum, dass sich einige "weiße Riesen" auf einer gemeindeeigenen Fläche westlich der A 1 drehen dürfen. Mehrere Niederlagen haben die Beurener in dieser Zeit vor Gericht kassiert (der TV berichtete mehrfach). Doch das Umdenken, das in Sachen Windkraft von Berlin über Mainz bis in die Region Trier eingesetzt hat, macht der Hochwaldgemeinde Hoffnung, dass sie bald die Genehmigung für drei Anlagen bekommt. Bisher hat das unter anderem der geplante Standort der Räder in der Kernzone des Naturparks Saar-Hunsrück verhindert. Doch inzwischen schließt das Umweltministerium Windkraft in Naturpark-Kernzonen nicht mehr gänzlich aus und hat angekündigt, diese Möglichkeit rechtlich prüfen zu lassen.
Windräder entlasten Haushalt


Die Beurener erhoffen sich durch die mit den Rädern verbundenen Pachteinnahmen eine Entlastung ihres defizitären Haushalts. Dabei nehmen sie auch in Kauf, dass sie als mögliche neue Windkraftgemeinde einen Teil ihres Geldes abgeben sollen. Das hängt mit dem Solidarfonds Windenergie zusammen, der in der Verbandsgemeinde (VG) Hermeskeil eingerichtet werden soll.
Derzeit wird in allen zwölf Ortsgemeinderäten und der Stadt Hermeskeil über diesen Solidarfonds diskutiert. Der Vertragsentwurf sieht vor, dass die künftigen Windkraftgemeinden 75 Prozent ihrer Pachteinnahmen behalten sollen. Der Rest soll in den Fonds eingezahlt werden. Und von diesem Betrag sollen drei Viertel bei der VG verbleiben, damit diese die Umlage senken kann. Alle 13 Orte müssen aktuell 44 Prozent ihrer Steuereinnahmen abgeben, damit die VG ihre Aufgaben als Träger des Brandschutzes oder der Grundschulen erfüllen kann. Ein Viertel des Geldes aus der Windkraft wird an die Orte verteilt, die - wie zum Beispiel Neuhütten oder Damflos - keine Möglichkeit auf eigene Anlagen haben (der TV berichtete).
Bürgermeister Köhl hat mit diesem Vorschlag keine Probleme: "Nichts abgeben zu wollen, ist Schnee von gestern", sagte der SPD-Mann in der jüngsten Ratssitzung. Nach Auffassung Köhls "müssen alle Orte der VG unter einen Hut". Denn nur so habe man eine Chance, dass die Kommunalaufsicht in Trier grünes Licht für einen neuen VG-Flächennutzungsplan und die damit verbundene Ausweisung von zusätzlichen Windkraftflächen gibt.
VG-Bürgermeister Michael Hülpes glaubt, dass Beuren im Bemühen um Windkraft mittlerweile gute Aussichten hat: "An der Autobahn sind sowieso eine Vorbelastung im Landschaftsbild und Geräuschentwicklung vorhanden", betont der CDU-Politiker. Außerdem könne die Landesregierung ihr Ziel, die Energieausbeute aus Windkraft zu vervierfachen, nicht ohne Kompromisse bei der Standortwahl verwirklichen.
Bei drei geplanten Windrädern mit je 3,5 Megawatt Leistung sind pro Anlage und Jahr Pachteinnahmen von 40 000 Euro eine realistische Größe. Selbst wenn ein Teil des Geldes an den Solidarfonds abfließt, würde Beuren im Gegenzug von der niedrigeren VG-Umlage profitieren und müsste nicht mehr so viel Geld ans Hermeskeiler Rathaus bezahlen. Alles in allem, so rechnete Hülpes dem Beurener Rat vor, hätte die Gemeinde - wenn sich ihr Windkraftwunsch denn erfüllt - pro Jahr 100 000 Euro mehr in ihrer Kasse.
Diesen Aussichten wollte der Beurener Rat nicht widersprechen. Einstimmig votiert er für den Beitritt zum Solidarfonds. Denn, so Köhl, "dagegen sein, würde das gesamte Projekt gefährden." Die VG will dennoch der "Verspargelung" der Landschaft entgegenwirken. "Wir werden verhindern, dass Private einzelne Windräder irgendwo hinstellen", erklärte Hülpes. Größere Windparks seien das Ziel.

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