Nachtarbeit für zwei lustige Stunden

Nachtarbeit für zwei lustige Stunden

KONZ-OBEREMMEL. Der Karnevalszug des Konzer Stadtteils am Fastnachtdienstag ist der größte in der Verbandsgemeinde und zieht zahlreiche Schaulustige an. Wie bereiten sich die Oberemmeler auf dieses spektakuläre Ereignis vor?

Wenn sich in den Wochen vor den närrischen Tagen die Nacht über Oberemmel senkt, dringen aus etlichen Anwesen handfeste Geräusche. Da wird gewerkelt, gebohrt, gesägt, gehämmert. Auf den Pritschenwagen, die den Winzern normalerweise als Traubentransporter dienen, entstehen Skulpturen, überdimensionale Gesichter, Aufbauten aller Art - bunt, schrill, lustig, komisch, manchmal satirisch. Oberemmel befindet sich wieder einmal mitten im Umzugs-Fieber.31 Gruppen waren im Jahr 2005 dabei

Der Oberemmeler Karnevals-Zug ist der größte in der Verbandsgemeinde. 19 Wagen und insgesamt 31 Gruppen waren im vergangenen Jahr dabei. "17 bis 20 Wagen sind es in den letzten Jahren immer gewesen", sagte Michael Pütz vom 1983 gegründeten Emmeler Carnevals Club (ECC). Rund 350 Jecken sind im Club mit dabei, immerhin ungefähr ein Viertel der Oberemmeler Bevölkerung. Der Karnevalszug in diesem Ort hat eine solche Anziehungskraft, dass sich auch Nachbardörfer wie Krettnach, Kommlingen und Wiltingen beteiligen und zahlreiche Gäste in den klassischen Oberemmeler Ruf "hei-her, do-her" einstimmen. Jetzt verbringen viele ihren Feierabend bei trübem Neonlicht im Schuppen, damit der Zug wieder so schön wird wie in den vergangenen Jahren. "Die Anmeldungen laufen ein", sagt Michael Pütz. Der ECC, der 1983 gegründet wurde und den Zug organisiert, hatte ursprünglich auf die Vereine gesetzt. Aber mittlerweile sind es die Straßenzüge, die den närrischen Lindwurm mit phantasievollen Aufbauten und Kostümen ausstatten. Ägypten wird ein Thema sein, der manipulierte Kunstwein aus Amerika ein anderes, Fußball das dritte. Weitere Nachfragen stoßen bei den Karnevalisten auf Schweigen. Ein bisschen Spannung muss noch bleiben. Hinten im Schuppen haben sich einige Männer um einen Wagen gruppiert und hämmern gerade am Aufbau. Ganz klar, eine Pyramide. Davor eine Styropor-Sphinx, die noch angemalt werden muss. Drei bis vier Wochen Arbeit sind notwendig, damit der Wagen auf dem Umzug rollen kann. Zehn Mann durchschnittlich arbeiten daran. Und eine ordentliche Portion Enthusiasmus gehört natürlich dazu. Warum gerade Oberemmel solch eine närrische Hochburg ist? Schwer zu sagen. Albrecht Schmitt: "Da kommen Leute zusammen, die sich sonst selten treffen." Karneval sei ja auch ein Stück Kultur. Und außerdem: "Am Aschermittwoch ist alles vorbei. Das ist das Schöne am Karneval." Also keine Vereins-Verpflichtungen rund ums Jahr. Ein paar hundert Meter weiter befasst sich eine Gruppe mit einer bissigen Satire auf künstlich "aufgewerteten" US-Wein. Vorn auf dem großen Wagen stehen reichlich Gläser, Flaschen, Ballons und Retorten. Ein Wein-Labor, wie es nach Möglichkeit an der Saar nicht entstehen soll. Stattdessen wird man den echt bodenständigen Glühwein ausschenken. Plötzlich steigt Qualm auf. Alle schauen hin, nicht erschrocken, sondern ziemlich erleichtert. Nein, da ist nichts angebrannt oder durchgeschmort. Sie haben nur die Nebelmaschine ausprobiert. Und die funktioniert zum Glück.Glühwein ist das "Hauptnahrungsmittel"

Der Oberemmeler Zug stellt sich am Karnevaldienstag gegen 12.30 Uhr in Positur. Um 14.11 geht's los über die Hauptstraße bis zum Ortsende und dem abschließenden Treffpunkt am Maximinerplatz. Glühwein ist im Zug das "Hauptnahrungsmittel", statt der Kamellen, die niemand mehr mag, regnen Mini-Schokoriegel auf die närrischen Besucher herunter. Zwei bis zweieinhalb Stunden dauert der Spaß. Albrecht Schmitt "Gegen 18 Uhr sind die Straßen wieder sauber." Die Reinigungsarbeiten erledigen die Anwohner. In der Turnhalle feiern sie weiter, bis um 24 Uhr dem Prinz "die Federn gezogen" werden. Dann wenden die Narren vom Elferrat ihre Jacken und ziehen sie links herum an. Und der Karneval ist vorbei - bis zum nächsten Jahr.

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