1. Region
  2. Konz, Saarburg & Hochwald

Nächster Anlauf für die Ganztagsschule Tawern

Bildung : Erneuter Anlauf für die Ganztagsschule Tawern

Der Verbandsgemeinderat diskutiert darüber, in dem Ort ein Ganztagsangebot zu schaffen. Nur so ist der Schulausbau möglich.

Kinder, die in Rheinland-Pfalz zur Ganztagsschule gehen, müssen jeden Tag – bis auf Freitag bis 16 Uhr in der Schule sein. Für die Schüler bedeutet das einen langen Tag, für die Eltern weniger Betreuungskosten, die zum Beispiel bei einem Hort anfallen würden, aber auch weniger Flexibilität, da die Kinder nicht früher abgeholt werden können. Genau das war in Tawern im Jahr 2019 der Knackpunkt. Obwohl die Verbandsgemeinde mehrfach offensiv im Ort dafür geworben hatte, meldeten sich nicht genug Eltern aus Tawern, um ihr Kind für eine verpflichtende Ganztagsgrundschule im Ort anzumelden. 36 Interessenbekundungen sind zur Einrichtung eines Ganztagsangebots erforderlich. Die Nachfrage im Dorf war geringer. Der Plan wurde vorerst auf Eis gelegt. Nun könnte er doch umgesetzt werden.

Zumindest diskutiert der Verbandsgemeinderat am Donnerstag, 25. März, ab 18 Uhr darüber, in Tawern zum Schuljahr 2022/23 eine Ganztagsschule einzurichten und das bis zum 31. März bei der Schulaufsicht zu beantragen. Die Sitzung findet aus organisatorischen Gründen voraussichtlich nicht, wie ursprünglich angekündigt, in der Saar-Mosel-Halle, sondern in der Festhalle des Gymnasiums in Konz statt.

Derzeit sind 70 von 91 Schülern in der Nachmittagsbetreuung untergebracht, 42 davon werden bis 17 Uhr betreut. Die über kommunales Geld und Elternbeiträge finanzierte Nachmittagsbetreuung ist allerdings – anders als die Ganztagsschule – nicht verpflichtend. Eltern können ihre Kinder früher abholen oder tageweise ganz auf die Betreuung verzichten. Mit dieser Flexibilität erklärt Verwaltungssprecher Naunheim den scheinbaren Gegensatz zwischen dem hohen Zuspruch für nachmittägliche Betreuung und dem bisher mangelnden Interesse am Ganztagsangebot: „Die Diskrepanz könnte daran liegen, dass beim Ganztagsschulmodell – anders als beim Betreuungsangebot – die Präsenzzeiten der Kinder in der Schule klar definiert und verbindlich sind“, sagt er. Auch Eltern aus Tawern hatten in der Vergangenheit auf die mangelnde Flexibilität der Ganztagsschule hingewiesen und diese deshalb abgelehnt (der TV berichete).

Allerdings wächst die Schule. Für das Schuljahr 2021/22 werden 20 Schüler mehr und eine Gesamtschülerzahl von 111 erwartet. Langsam erreiche die Gruppengröße in der Nachmittagsbetreuung, die sich an der Klassenmesszahl von 24 Kindern orientiere, bei drei eingesetzten Betreuungskräften die Kapazitätsgrenze sowohl personell als auch räumlich, argumentiert die Verwaltung in der Sitzungsvorlage für den VG-Rat. „Um dem steigenden Betreuungsbedarf weiter gerecht zu werden, ist der Schulträger gezwungen, zusätzliche Räumlichkeiten zu schaffen.“

Dies werde jedoch in der freiwilligen Kommunalaufgabe „Nachmittagsbetreuung“ aufgrund der begrenzten finanziellen Spielräume nicht gelingen. Die Schlussfolgerung: „Ohne den Schritt in die schulische Ganztagsbetreuung wird der Schulstandort Tawern künftig keine bedarfsgerechte Betreuung am Nachmittag mehr anbieten können.“

In der Vergangenheit hat die Verwaltung mehrfach vergeblich versucht, die schulische Ganztagsbetreuung anzugehen. 2019 scheiterte sie an der erforderlichen Anzahl von 36 positiven Interessenbekundungen in einem vorausgehenden Abfrageverfahren. 2021 sieht die Situation nun anders aus.

Laut Michael Naunheim, Pressesprecher der Konzer Verwaltung, haben im zweiten Anlauf ausreichende Tawerner Eltern Interesse für ihre Kinder angemeldet. Dafür musste die Verwaltung Überzeugungsarbeit leisten. Sie hat nicht nur alle Eltern angeschrieben. Der hauptamtliche Beigeordnete Guido Wacht und der zuständige Fachbereichsleiter bei der Verwaltung haben dazu zwischen November und März 20 Elterngespräche im Bürgerhaus in Tawern geführt. So haben bei der abschließenden Interessenbekundung „49 Erziehungsberechtigte für die Einführung einer Ganztagsschule votiert“, sagt Naunheim. Das würde für die Einrichtung eines Ganztagsangebots im Schuljahr 2022/23 reichen.

Dass der Schulumbau ein Millionenprojekt wird, ist klar. Wie dieses Projekt umgesetzt wird, ist noch nicht entschieden. Eine Möglichkeit wäre, dass die Verbandsgemeinde als Schulträger Räume der Ortsgemeinde übernimmt, die den Abriss des alten maroden Amtshauses plant und dort ein neues Gebäude errichten will (siehe Info). Andere Möglichkeiten werden laut Verwaltung noch untersucht.