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"Nächstes Opfer, nächste Schläge, nächste Drohungen"

"Nächstes Opfer, nächste Schläge, nächste Drohungen"

Das Amtsgericht Wittlich hat einen 51-jährigen Mann aus dem Raum Wittlich wegen Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Bedrohung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Wittlich. Er soll sie im Schlafzimmer eingesperrt, an den Haaren gerissen und so heftig gestoßen haben, dass sie sich den kleinen Finger brach - Szenen häuslicher Gewalt, die in dem Zeitraum von August 2009 bis August 2010 für eine 46-jährige Frau Realität waren.
Die Zeugin schildert gestern vor dem Wittlicher Amtsgericht, wie problematisch ihre Beziehung zu dem Angeklagten von Anfang an war, wie sie sich daraus befreit und was er ihr angetan hat. Taten, wegen denen der 51-Jährige sich nun vor Gericht verantworten muss. Er räumt die Vorwürfe ein und erklärt, er habe vor eineinhalb Jahren ja auch einen Entschuldigungsbrief geschrieben.
Bereits 2005 hatten sich die beiden kennengelernt. Zu dieser Zeit befand er sich kurz vor seinem Haftantritt, nachdem das Landgericht Trier ihn zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt hatte - auch seine vorige Lebensgefährtin hatte er misshandelt. Trotzdem, erklärt die 46-Jährige gestern vor Gericht, habe sie ihn geheiratet. Sie sei "blind" gewesen, und habe auch später noch stets "Entschuldigungen für sein Verhalten gesucht". Irgendwann trennte sie sich, erstattete bei der Polizei Anzeige. "Ich musste erstmal zu mir kommen. Aber dann dachte ich: Der hat jetzt die nächste Frau, das kann nicht ewig so weitergehen."
Die Taten seien nur "Einzelaspekte eines Geschehensablaufs, der sich über Monate hingezogen hat", sagt Staatsanwalt Wolfgang Spies. "Sie sind Ausdruck des Verständnisses des Angeklagten, wie er mit seiner Lebensgefährtin umgeht: Er bestimmt, wie sie sich zu verhalten hat, und wenn sie sich nicht daran hält, sanktioniert er das." Spies fordert eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Dem schließt sich die Vertreterin der Nebenklage Ruth Streit-Stifano Esposito an. Sie hält das Geständnis des Angeklagten für ein taktisches und ihn für nicht lernfähig: "Da gibt es keinen Abstand: nächstes Opfer, nächste Schläge, nächste Drohungen." Verteidiger Jens Schmidt kritisiert, der Angeklagte werde als "sinnloser Schläger" dargestellt und der Staatsanwalt sei mit seiner Forderung über das Ziel hinausgeschossen. Er fordert eine Bewährungsstrafe. Der Angeklagte nutzt das letzte Wort, um sich zu entschuldigen: "Ich bin hier, um Verantwortung für die Taten, die ich begangen habe, zu übernehmen." Das Geständnis spreche für ihn, erklärt Richter Stefan Ehses, die Vorstrafen und die Folgen für das Opfer gegen ihn. Das Gericht verurteilt den 51-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Von einer Bewährungsstrafe sieht Ehses ab: "Sie müssen an sich arbeiten. Sonst geht das immer so weiter."