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Närrische Seeräuber entern Reinsfeld

Närrische Seeräuber entern Reinsfeld

Das berüchtigtste Piratennest im Hochwald befindet sich in Reinsfeld. Daran gibt es seit Samstag keinen Zweifel mehr. Mit einer Armada von 21 Wagen und Fußgruppen haben die Akteure des heimischen Karnevalsvereins einen feucht-fröhlichen Beutezug durch die Straßen unternommen. 3000 Menschen - so die Schätzung der Veranstalter - empfingen sie dabei mit großem Helau.

Reinsfeld. Raffiniert, raffiniert: Durch ein ganz verwegenes Manöver haben die Reinsfelder Karnevalisten den Jecken in allen anderen Hochwaldorten ein Schnippchen geschlagen. Denn unter dem Motto "Hinkebein und Augenklappe - Piratenhut statt Narrenkappe" sind die Reinsfelder Seeräuber einfach schon eine Woche vor dem größten Fastnachtstrubel zu einer Kaperfahrt aufgebrochen. Mit 21 Wagen und Fußgruppen haben sie am Samstag bei ihrem Umzug die Straßen unsicher gemacht. Nur eins ist dabei merkwürdig: Gemeinhin ziehen Piraten plündernd durch die Gegend, um fette Beute zu machen. Bei den Reinsfelder Karnevalisten ist\'s aber genau umgekehrt. Großzügig öffnen sie die Schatzkisten, die sie auf ihren Wagen und Handkarren dabei haben, und verteilen daraus Süßes und Hochprozentiges. Kein Wunder, dass das Narrenvolk am Straßenrand erfreut ist und der Armada fröhlich zujubelt.
Vorneweg segelt das Schiff des Heimatvereins. Es hat stolz die Flagge einer Partei gehisst, die wohl schon sehr frühzeitig Wind vom Piraten-Motto der Reinsfelder Narrenschar bekommen hat. Es gibt auch noch einige andere Gruppen, die sich als Schrecken der Meere verkleidet haben. Aber unter die Besatzung des Karnevalsumzugs haben sich auch ganz merkwürdige Gesellen gemischt. Eine Horde Weihnachtsmänner macht Ho-ho statt Helau. Aus Beu ren sind Hexen hergeflogen. Die Musiker aus Kell sehen mit ihren Schlumpfmützen nicht nur drollig aus. Sie machen auch gute Stimmung. Ein Drachenboot mit Wikingern ist auch dabei. Flinke Schwestern eines ortsansässigen Pflegedienstes haben sich eine pinkfarbene Nonnentracht organisiert. Ja sogar ein Rudel Haie kreuzt auf. Für die grimmigen Mienen der Gruppe aus dem Neubaugebiet gibt\'s einen ganz neumodischen Grund. Die Reinsfelder sind zwar "dem schnellen Internetnetz entgegengeschwommen. Im Heidering ist es aber nicht angekommen", haben sie mit großen Lettern klagend an die Seitenwand ihres Wagens geschrieben.
Auch beim Jugendclub wollen keine Hochgefühle aufkommen, obwohl die jungen Leute aus Reinsfeld die erste Maschine ihrer neu gegründeten Airline zusammengebaut haben und damit durch den Ort ziehen. Doch sie haben ein Problem: "Ohne Lotse sind wir orientierungslos", stellen sie bedauernd fest und spielen damit darauf an, dass Bernd Hermesdorf, der Jugendpfleger der Verbandsgemeinde Hermeskeil, bald den Abflug macht und seinen Job aufgibt. Doch allzu viel Trübsal kommt dann doch nicht auf. Ganz am Schluss des Zugs ist die Laune besonders gut. Denn auf diesem imposanten Wagen hat das Reinsfelder Prinzenpaar Christian I. und Kerstin I. das Kommando. Für die gesamte Piratenflotte gilt: Bei der Runde durch das Dorf wird ein gemächliches Tempo mit etlichen Pausen angeschlagen. Wo der Kurs hinführt, wissen aber alle Akteure - in die Kulturhalle, in der noch einige Stunden weitergefeiert wird.