Nahwärme und das Holzofen-Verbot

Bekommt Merzkirchens Neubaugebiet "Auf den Schanzen" ein Nahwärmenetz? Bereits im Oktober beantwortete der Gemeinderat die Frage mit "Ja". Offen ist dagegen noch immer, wer das Netz aufbauen und betreiben soll. Nun stellten die Stadtwerke Trier der Gemeinde ihr Konzept vor.

 Das Heizen mit Holz oder Holzkohle ist in den Nahwärmenetzen der Stadtwerke Trier nicht gestattet. Die Regelung stieß im Merzkirchener Gemeinderat jüngst auf Kritik. TV-Foto: Hermann Pütz

Das Heizen mit Holz oder Holzkohle ist in den Nahwärmenetzen der Stadtwerke Trier nicht gestattet. Die Regelung stieß im Merzkirchener Gemeinderat jüngst auf Kritik. TV-Foto: Hermann Pütz

Merzkirchen. (hpü) Wer die Ratsherren von Merzkirchen von einer Sache überzeugen will, muss ausreichend Fakten liefern. Das wissen seit kurzem auch Hans-Jürgen Bohn und Karl-Heinz Lauterbach von den Stadtwerken Trier (SWT). Beide hatten gehofft, in der jüngsten Gemeinderatssitzung Ortsbürgermeister Martin Lutz und seine Ratskollegen für sich zu gewinnen - oder besser gesagt: für die Stadtwerke als Nahwärmenetz-Betreiber im Baugebiet "Auf den Schanzen".

Dass die SWT-Leute am Ende ohne einen Erschließungsauftrag der Gemeinde für ein Nahwärmenetz nach Hause gehen mussten, lag unter anderem daran, dass sie es nicht geschafft hatten, den Rat von den "preislichen Vorteilen" der Nahwärme gegenüber anderen Heizsystemen zu überzeugen, wie es Orts-Chef Martin Lutz zu Sitzungsbeginn gefordert hatte.

So konnten Bohn und Lauterbach keine genauen Angaben zu den Anschlusskosten machen, die einmalig zu entrichten sind. Wie es hieß, sollen sich diese Kosten auf etwa 3500 bis 4500 Euro pro Haushalt belaufen. Auch im Hinblick auf die Betriebs- und Heizkosten nannten die SWT-Herren nur Annäherungswerte. Danach liegt die Nahwärme verglichen mit anderen Heizmethoden im unteren Preissegment. Nur der Betrieb einer Gas-Brennwerttherme sei (derzeit) günstiger.

Exakte Preisangaben könne man erst nach der Detailplanung machen, und genau daraus ergibt sich für Merzkirchen das Dilemma. Denn die Stadtwerke wollen erst dann in die Detailplanung des Nahwärmenetzes für das Gebiet "Auf den Schanzen" einsteigen, wenn sich die Gemeinde definitiv für den Trierer Energieversorger entschieden hat. Die Gemeinde will vor dieser Entscheidung zunächst ein Angebot eines anderen Nahwärme-Anbieters einholen. Deshalb wolle man auch von den Stadtwerken genaue Zahlen sehen. So forderte Merzkirchens Ortsvorsteher Peter Hemmerling, "die Detailplanung nicht von einer Entscheidung für oder gegen die Stadtwerke abhängig zu machen". Auf Unverständnis stieß zudem eine Regelung, die im Nahwärmenetz der SWT im Konzer Baugebiet "Roscheid V" besteht und die auch in Merzkirchen zum Tragen kommen könnte. Danach ist es den Nahwärme-Nutzern nicht gestattet, ihre Häuser mittels Holzöfen zu heizen. Die endgültige Entscheidung soll nach Auskunft von Ortsbürgermeister Lutz zu einem späteren Zeitpunkt getroffen werden. Extra Insgesamt 32 Grundstücke sollen im Merzkirchener Neubaugebiet "Auf den Schanzen" erschlossen werden. Derzeit läuft die erste Offenlage des Bebauungsplans. Bereits im Oktober 2008 beschloss die Gemeinde, das Gebiet mit Nahwärme zu versorgen. Das System, das die Stadtwerke Trier (SWT) dem Gemeinderat nun vorstellten, basiert auf einem mit Gas oder Biomasse betriebenen Blockheizkraftwerk, das einerseits Strom erzeugt, der an den Stromnetz-Betreiber RWE verkauft werden soll. Mit der dabei anfallenden Abwärme wird das Heiz- und Brauchwasser des Nahwärmenetzes erhitzt und über isolierte Leitungen zu den Häusern gepumpt. Blockheizkraftwerke gelten wegen ihrer höheren Effizienz bei der Energiegewinnung als umweltschonend.

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