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Namibia lässt sie nicht mehr los

 Anika Biwer mit einem Foto, das freudestrahlende Kinder inmitten der von ihr gekauften Einrichtungsgegenstände für das Waisenhaus in Namibia zeigt. TV-Foto: Ursula Schmieder
Anika Biwer mit einem Foto, das freudestrahlende Kinder inmitten der von ihr gekauften Einrichtungsgegenstände für das Waisenhaus in Namibia zeigt. TV-Foto: Ursula Schmieder
Reinsfeld. Seit 2007 engagiert sich die aus Reinsfeld stammende Erzieherin Anika Biwer für ein Waisenhaus in Namibia. Die Erfolge ihres rein privaten Einsatzes sind beachtlich. Ursula Schmieder

Reinsfeld. Die Liste, allein der jüngsten Wünsche, die Anika Biwer erfüllen konnte, ist lang. Als sie im Oktober in Namibia war, ging sie vieles einkaufen: ein Dutzend neue Matratzen samt kompletter Bettwäsche, drei Babybetten, einen Wickeltisch mit eingebauter Bademulde, einen Holztisch, an dem Kinder lernen können und Bilder für die Wände der Wohn- und Schlafräume. Halt all die Dinge, die nach dem Umzug des von ihr unterstützten Waisenhauses noch fehlten. Die größte Freude machte sie den Kindern mit einem Becken, in dem sie im Wasser patschen und mit Bällen spielen können.
Ware vor Ort gekauft


Dabei sind all diese Schätze, die sie teils mit den Kindern aussuchte, bezahlbar gewesen. Dank des aktuell günstigen Kurses gab Biwer (28) dafür gerade mal 1300 Euro (16 548,88 Namibia-Dollar) aus. Allerdings kaufte sie alles vor Ort bei Firmen in Windhoek, der Hauptstadt Namibias, ein. Bemerkenswert an ihrem Engagement ist, dass sie alles privat organisiert und finanziert. Vor einer Vereinsgründung schreckt sie wegen des befürchteten Verwaltungsaufwandes zurück. Dennoch erhält sie beständig Spenden - von Bekannten und Verwandten, aber auch von fremden Menschen, die von ihrer Initiative wissen und ihr vertrauen. Insgesamt kamen so bisher 5539 Euro zusammen, für die sie allen Unterstützern überaus dankbar ist.
Inzwischen ist Namibia für die in der Meulenwald-Schule in Schweich arbeitende Erzieherin wie eine zweite Heimat. "Wenn man einmal dort war, will man immer wieder zurück." Dabei hatte ihre Liebe zu dem Land und seinen Menschen völlig unspektakulär angefangen. Sie wollte einfach mal Afrika kennenlernen - oder genauer "einen Elefanten in freier Wildbahn erleben". Also entschied sie sich 2007 für ein Praktikum in einem Kindergarten in Windhoek. Über Mitbewohner dort erfuhr sie von Kindern in einem weniger gut ausgestatteten Waisenhaus, dessen Besuch sie betroffen machte. "Die hatten dort gar nichts, lebten unter einfachsten Bedingungen." Umso nachhaltiger beeindruckten sie das Lachen und die Lebensfreude der Kinder und die Gastfreundschaft der Erwachsenen: "Afrika ist ein schönes, spannendes Land mit sehr freundlichen Menschen." Kaum wieder zu Hause, bemühte sie sich um Kleiderspenden. Ein größeres regionales Unternehmen, das sie anschrieb, schickte prompt ein Paket mit Käppis, das sie an Freunde, die noch in Windhoek arbeiteten, weiterleitete.
Bildung verschenken


Bald darauf erhielt sie Fotos von Kindern, die sich riesig über den Sonnenschutz freuten, was sie zu einer weiteren Initiative anspornte: zu Weihnachten 2008 Bildung zu verschenken. Schon kleine Beträge wie für Schuluniformen oder Schreibutensilien ermöglichen den Schulbesuch. Parallel dazu trommelte sie weiter um Sach- und Kleidungsspenden, die sie in mehreren Paketen nach Namibia schickte. Welche Freude sie damit macht, erfährt sie über den inzwischen aufgebauten Freundeskreis oder über die Leiterin des Waisenhauses, Claudia Namise. Deren in Namibia nicht ungewöhnlicher Vorname erinnert daran, dass das Land einst deutsche Kolonie war.
Derart gut auf dem Laufenden gehalten, erwartet Biwer bei ihren Besuchen immer ein großes Hallo. Und das, obwohl sie aus Kosten- und Zeitgründen meist nur einmal im Jahr vorbeischauen kann.
Doch für einige Kinder, die sie von Anfang an kennen, sei sie inzwischen wie eine große Schwester oder gar Mutterersatz: "Es ist schön, wenn sie mit ihren Problem zu mir kommen."
Wer sich für das ehrenamtliche Engagement von Anika Biwer interessiert, kann sie demnächst auf ihrer Homepage besuchen: www.namtagoorlindi.com
Für Spenden ist ein eigenes Konto eingerichtet: 0221154730 bei Volksbank Hochwald-Saarburg, BLZ 58564788.