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Nastja Raabe siegt im Frauenduell

Nastja Raabe siegt im Frauenduell

Die Gemeinde Bescheid wird in den nächsten fünf Jahren von einer Ortsbürgermeisterin regiert: Bei der konstituierenden Sitzung des Rats kam es am Mittwochabend zwischen zwei Frauen zur Kampfabstimmung um den Spitzenposten im Dorf. Dabei setzte sich die Bewerberin Nastja Raabe knapp und erst in der Verlängerung gegen ihre Gegenkandidatin Michaela Marx durch.

Bescheid. Die neue Ortsbürgermeisterin von Bescheid heißt Nastja Raabe. Sie ist 50 Jahre alt, arbeitet als selbstständiger Coach für Führungskräfte und steht künftig einem achtköpfigen Gremium vor, das ausschließlich mit Männern besetzt ist.
Das steht seit Mittwochabend fest und ist das Ergebnis der konstituierenden Ratssitzung, deren besonderer Spannungsmoment die Wahl um den Spitzenposten im 420-Einwohnerort war.

Die Ausgangslage: Bescheid war am 25. Mai das einzige Dorf in der Verbandsgemeinde (VG) Hermeskeil, in der die Direktwahl des Ortschefs durch die Bürger ausfiel. Raimund Olinger, der dieses Amt seit 1994 ausübte, hatte bereits frühzeitig erklärt, dass er nach 20 Jahren nicht mehr kandidieren will.
Bis zum Ablauf der Meldefrist für die Direktwahl meldete sich auch kein anderer Bewerber. Daher ist es laut Gesetz die Aufgabe des Gemeinderats, einen neuen Ortsbürgermeister zu wählen. Im Vorfeld der konstituierenden Sitzung begann also die Suche nach geeigneten Bewerbern.

Zwei Vorschläge: Mehr als 50 Zuhörer verfolgen am Mittwochabend im Bürgerhaus das erste Treffen des neu formierten Rats. Diese große Zahl hängt auch damit zusammen, dass Olinger zu seinem Abschied alle Bürger eingeladen hat, die in den vergangenen Jahren in Bescheid tatkräftig mitangepackt haben. Als Olinger dann aus den Reihen des Rats um Vorschläge für die Wahl seines Nachfolgers bittet, stellt sich heraus: Es sind zwei Frauen, die dazu bereit wären, das Amt zu übernehmen.
Zunächst wird Nastja Raabe vorgeschlagen, die aus dem Rheinland stammt und seit 15 Jahren in Bescheid lebt: "Ich fühle mich hier heimisch und möchte mich für ein lebhaftes Dorf engagieren, das viele gute Dinge und einiges an Infrastruktur vorzuweisen hat", betont sie. In der Kommunalpolitik war sie vorher noch nicht aktiv.
Das gilt auch für Michaela Marx. Sie ist die zweite Kandidatin, die vorgeschlagen wird. Die 40-jährige Verwaltungsfachangestellte kommt aus Bescheid und ist in ihrem Heimatort seit 14 Jahren Vorsitzende des Musikvereins. "Ich stehe für Beständigkeit im Dorf und kenne jeden." Olinger und VG-Chef Michael Hülpes hätten sie darauf angesprochen, ob sie zu einer Kandidatur bereit sei, sagt Marx.

Die Wahl: In geheimer Abstimmung ist nun das Votum der acht Ratsherren gefragt. Das Ergebnis lautet: 4:4. Es gibt also eine Patt-Situation.
Somit ist ein zweiter Wahlgang, also quasi die Verlängerung, nötig. Marx hat zwischenzeitlich ihren Platz gewechselt und sich neben Raabe gesetzt, mit der sie sich unterhält.
Einen kurzen Moment - diese Beobachtung bestätigt sie auch später gegenüber unserer Zeitung - überlegt Marx, ob sie ihre Kandidatur zurückziehen soll. Dann geht es aber doch in die zweite Runde. Und diesmal geht die Abstimmung 5:3 für Raabe aus. Die 50-Jährige ist also mehrheitlich gewählt. Sie und ihre Herausforderin geben sich direkt nach Verkündung des Ergebnisses respektvoll die Hände.
Anschließend wird Raabe zur neuen Ortschefin ernannt und vereidigt. Dieser Akt ist die letzte Amtshandlung von Olinger, dem seine Nachfolgerin für seinen Einsatz für die Gemeinde Bescheid "von ganzem Herzen" dankt.
Auch wenn ich weiß, dass Sie sich das heute Abend ein bisschen anders vorgestellt hätten." Beim Rat bedankt sich Raabe für das "ausgesprochene Vertrauen".
Die unterlegene Michaela Marx sagt später im TV-Gespräch: "Ich freue mich für Frau Raabe und gratuliere ihr. Ich habe mich zu einem Zeitpunkt zur Kandidatur bereiterklärt, als sonst noch kein Bewerber da war."
Die Wahlniederlage trägt Marx sehr gefasst. Sie betont: "Vielleicht ist es besser so. Viel lieber stehe ich für den Musikverein ein."Extra

Der Gemeinderat Bescheid hat sich nach dem Prinzip der Mehrheitswahl formiert. Es gibt im achtköpfigen Gremium also keine verschiedenen politischen Gruppen. Ratsmitglieder sind: Franz Backes, Stefan Junk, Thomas Klemens, Rainer Thomas, Otmar Jäckels, Dennis Simon, Hubert Michels. Als Beigeordneter und damit künftiger Stellvertreter von Neu-Ortsbürgermeisterin Nastja Raabe, wurde einstimmig Franz Backes gewählt. ax