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Nationalpark begünstigt viele Arten und jede Menge Pflanzen

Nationalpark begünstigt viele Arten und jede Menge Pflanzen

Das Thema Nationalpark hat einiges an Diskussionsstoff bei einer Anhörung im Unweltausschuss des Landtags geboten. Interessensvertreter und Experten aus der Region tauschten Meinungen und Ansichten aus.

Mainz/Kreis Birkenfeld. Als "ein Stück Hilfe zur Selbsthilfe" für eine mit Problemen beladene Region bezeichnete Uwe Weber, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Herrstein, das Nationalpark-Projekt in der Anhörung im Umweltausschuss des Landtags.
Er nutzte als einer von sieben Interessenvertretern und Experten die Gelegenheit, um auf die Bedeutung der Hunsrückspange von Fischbach in Richtung Flughafen Hahn hinzuweisen. Das werde mit dem neuen Hochmoselübergang noch dringlicher: "Wir brauchen nicht nur eine Verbindung von Westen nach Osten, sondern auch von Süden nach Norden", betonte Weber.
Clemens Lüken, Geschäftsführer des Verbandes der rheinland-pfälzischen Säge- und Holzindustrie, nutzte die Anhörung zu dem Gesetzentwurf, der dem Staatsvertrag zwischen Rheinland-Pfalz und dem Saarland zugrunde liegt, um noch einmal die Bedenken gegen den Nationalpark kundzutun.
Womit er nur bei den Vertretern der CDU und insbesondere ihrem Wortführer Michael Billen offene Ohren fand. "Eine Bürgerbeteiligung hat nicht stattgefunden", sagt Lüken zudem zum Erstaunen vieler. Was Umwelt-Staatssekretär Thomas Griese prompt als unwahr zurückwies. In der weiteren Diskussion stellte sich heraus, dass Lüken eine Bürgerbefragung vermisste.
Der Lobbyist monierte zudem, dass sein Verband nicht in den Beteiligungsprozess einbezogen worden sei. "Wir haben uns immer gut informiert gefühlt", gab hingegen Jochen Raschdorf, Vorsitzender des Landesverbands des Bunds Deutscher Forstleute, zu Protokoll.
Man sei stolz darauf, bei diesem Projekt mitzuarbeiten: "Auch Förster können Naturschutz." Nach Meinung von Raschdorf sollten die Forstbeamten unbedingt auch im Beirat des Nationalparks Stimme und Gehör finden.
Hans-Günter Fischer, Vorsitzender des rheinland-pfälzischen Waldbesitzerverbands, forderte einen mindestens 1000 Meter breiten Schutzstreifen, um ein Überspringen des Borkenkäfers auf die Bestände außerhalb des Schutzgebiets zu verhindern. Weil die Bevölkerung davon ausgehe, dass sie freien Zugang zu allen Bereichen des Nationalparks hat, mahnte er ein "allgemeines Betretungsrecht" an.
Aus Naturschutzgründen müssten einige Bereiche zwangsläufig tabu sein, widersprach Hubert Breuer, der als ehemaliger Ortsbürgermeister von Simmerath am Aufbau des Nationalparks Eifel beteiligt war. Man habe gemeinsam einen Wegeplan entwickelt, der allen Gruppen, von Pilzsammlern bis hin zu Mountainbikern, Freiräume gewähre.
Den Nationalpark Eifel bezeichnete er als "Erfolgsgeschichte für die gesamte Region, die noch lange nicht zu Ende ist". Allein das Prädikat habe schon geholfen, das frühere Hinterwäldler-Image abzulegen. Der Borkenkäfer sei kein Problem, die Zahl der Tagesgäste stark gestiegen und die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Kommunen habe sich deutlich verbessert. Kein Wunder, dass die kritischen Stimmen inzwischen verstummt sind: "Es gibt keine maßgebliche Interessengruppe, die noch dagegen ist", berichtete Breuer.
"Alle Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet", bestätigte Karl-Friedrich Sinner, der Zweite in der Runde mit praktischer Erfahrung. Der frühere Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald lobte die Einbindung der Bürger im Hunsrück: "Es wurde sehr engagiert, interessiert, aufgeschlossen und dabei in einem vernünftigen Ton diskutiert", fasste er seine Eindrücke zusammen. Als bundesweite naturschutzfachliche Alleinstellungsmerkmale des neuen Nationalparks Hunsrück-Hochwald hob er die Hangmoore und die Blockschutthalden wie die Mörschieder Burr hervor.
Ein Nationalpark sei wichtig für die Artenvielfalt, verdeutlichte der Nabu-Landesvorsitzende Siegfried Schuch. "Vor allem spezialisierte Tiere und Pilze sind darauf angewiesen."
Der hohe Fichtenanteil im Hochwald ist aus seiner Sicht kein Problem. Im Gegenteil: Gerade das ermögliche zum Nutzen der Natur dynamische Veränderungen.