Nationalpark-Bus soll ab August 2022 fahren

Infrastruktur : Nationalpark-Bus soll ab August 2022 fahren

In drei Jahren ist im Kreis Birkenfeld ein besserer Takt geplant. Auch am Hunsrückhaus ist eine Haltestelle vorgesehen.

Der Kreis Birkenfeld plant beim öffentlichen Busverkehr nicht weniger als eine Revolution: Ab August 2022, wenn alle Altverträge ausgelaufen sind, soll jedes noch so kleine Dorf in den Genuss eines Regelbusverkehrs im Zweistundentakt kommen. Möglich machen sollen dies sogenannte Bündelausschreibungen – bisher wurden die Linien einzeln ausgeschrieben und vergeben.

  Geplant wird erstmals über Kreis- und Landesgrenzen hinweg: So soll es Direktverbindungen von Birkenfeld nach Hermeskeil und von Idar-Oberstein nach Lauterecken geben. Auch die lange geforderte Nationalpark-Linie vom Bostalsee über Birkenfeld zum Hunsrückhaus am Erbeskopf und weiter über den Bikepark Idarkopf nach Rhaunen soll kommen – inklusive Radtransport.

   Damit nicht genug: Ab Idar-Oberstein ist eine Schnellbuslinie nach Trier geplant mit Anbindung an die Bahnlinie Saarbrücken– Mainz, die nur an wenigen Haltepunkten hält und Trier in gut einer Stunde erreicht. Damit können sich künftig Reisende, die von Mainz in die Moselmetropole wollen, die umständliche und zeitraubende Bahnfahrt über Koblenz sparen. Landrat Matthias Schneider sprach von einer „neuen Kardinalachse über Idar-Oberstein“.

  Entwickelt wurde das Konzept vom Verkehrsplanungsbüro IGDB mit Sitz in Dreieich, das seit Jahren dabei ist im Auftrag des Zweckverbands Rhein-Nahe-Verkehrsverbund (RNN) regionale Buslinien zu modernisieren und auch auf den Rheinland-Pfalz-Takt abzustimmen. Die beiden IGDB-Mitarbeiter Raphael Meinhart und Peter Castellanos stellten das Konzept jetzt im Ausschuss für Infrastruktur, Wirtschaft und Umwelt vor. Auch die hauptamtlichen Bürgermeister im Landkreis sind bereits im Bilde.

  Die regionalen Hauptlinien sollen im 30- oder 60-Minuten-Takt, die lokalen Buslinien im 60- oder 120-Minuten-Takt verkehren. In den Hauptorten (Idar-Oberstein, Birkenfeld, Baumholder, Herrstein, Rhaunen, Kirn) sollen die Takte so abgestimmt werden, dass alle Linien im gleichen Zeitfenster ankommen und abfahren. Am Bahnhof Oberstein erfolgt zudem eine Taktangleichung an den Regionalexpress- und Regionalbahn-Verkehr. Das Gleiche gilt von Birkenfeld aus für die Anbindung an den Regionalbahnhof Neubrücke und die dortigen Verbindungen auf der Nahestrecke sowie nach Baumholder.  Die Anbindung selbst kleinster Ortschaften im neuen „Straßengebundenen ÖPNV-Konzept für die Nationalparkregion“ erfolgt auf der untersten Ebene durch lokale Rufbuslinien.

Anders als bei den vorhandenen Rufbus- und Taxisystemen, die derzeit bestehen und eher schlecht angenommen werden, folgt das neue System einem festen Fahrplan. Das heißt: In jedem Dorf kann man sich auf feste Bushaltezeiten einrichten: Der Bus hält zum Beispiel täglich um 7.05 Uhr, 9.05 Uhr, 11.05 Uhr und so weiter. Auch am Wochenende. Der Bus kommt aber nur, wenn er bis eine Stunde vorher angefordert wird. Will keiner mitfahren, fährt der Bus das Dorf/die Haltestelle auch nicht an.

  Schüler oder auch Arbeitnehmer, die feststellen, das der Busfahrplan zu ihrem Berufsumfeld passt, können den Bus auch abonnieren – das heißt: Einmal anrufen und der Bus kommt jeden Tag zur bestellten Uhrzeit.

Auch eine App sei derzeit in Arbeit, mit der man sich über die Fahrpläne informieren und die Busse anfordern kann. Dafür müsse aber erst mal der Mobilfunkempfang in weiten Teilen der Region verbessert werden, warf Joachim Jung (LUB) ein.

  Die Planungen beruhen auf den derzeitigen Tarifen, eine Erhöhung sei nicht geplant. Prognosen für Fahrgastzahlen seien derzeit noch nicht möglich. Grundsätzlich werde ein solches Angebot umso besser angenommen, je attraktiver es ist und je besser es beworben werde, sagte Meinhart. Für die Kostenrechnung gibt es mehrere Modelle: Eines geht davon aus, dass der Kreis überhaupt nichts unternimmt und der derzeitige, vor allem auf den Schülerverkehr basierende ÖPNV aus demografischen Gründen immer defizitärer wird – das würde bis 2028 rund 2,9 Millionen Euro kosten, haben die Planer errechnet. Das neue Konzept wird je nach Variante 0,4 bis 1 Million Euro teurer. Knackpunkt dabei ist vor allem die Taktung und die Winterpausen-Definition für die Nationalparklinie. Finanzielle Entlastung sollen eine bessere Auslastung durch höhere Attraktivität sowie die Einführung einer Gästekarte bringen. Dafür gebe es fruchtbare Gespräche mit dem Wirtschaftsministerium, berichtete der Landrat. 70 Cent dieser neuen Gästekarte, die Urlaubern vergünstigten Eintritt in verschiedene Attraktionen verspricht, soll auch am Bostalsee eingeführt werden.

  Der Ausschuss sprach sich schließlich einstimmig für die „Luxusvariante“ aus und empfiehlt dem Kreistag, der im Februar tagt, das Konzept anzugehen und die NLP-Linie im Stundentakt täglich von Mai bis Oktober einzurichten.

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