Nationalpark im Hochwald rückt näher

Nationalpark im Hochwald rückt näher

Die Einrichtung eines Nationalparks im Hochwald wird immer wahrscheinlicher. Dieses Gebiet sei inzwischen für das Land die erste Wahl, sagen Politiker aus der Region nach einem Spitzengespräch in Mainz. Im Kreis Birkenfeld, aber auch in Hermeskeil steht man einem Nationalpark offen gegenüber. Die Morbacher wurden nicht eingeladen und lehnen das Projekt nach wie vor ab.

Hermeskeil/Morbach. Es ist eine Idee des Landes, die in der Region kontrovers diskutiert wird. Doch nun verdichten sich die Anzeichen, dass der Idarwald-Hochwald unter ursprünglich fünf Kandidaten die besten Karten als künftiger Nationalpark hat. Am Donnerstag waren lokale Politiker zum "Gipfeltreffen" im Umweltministerium eingeladen. Dessen Sprecherin Stefanie Lotz hält sich auf TV-Anfrage bedeckt: "Es wurden sehr gute Gespräche geführt, aber es gibt noch kein Ergebnis, das man verkünden könnte." Das soll erst am 30. Mai bei einer Pressekonferenz mit Ministerin Ulrike Höfken (Grüne) in Börfink geschehen.
Die kommunalpolitische Seite ist da auskunftsfreudiger. So zeichnet sich nach Auskunft des Birkenfelder Landrats Matthias Schneider (CDU) ab, dass der Hochwald für die Einrichtung eines Nationalparks erste Wahl sei.
Diese Einschätzung bestätigt auch der Hermeskeiler Bürgermeister Michael Hülpes (CDU), der ebenso wie der Thalfanger VG-Chef Hans-Dieter Dellwo beim Gespräch in Mainz dabei war. "Unser Gebiet scheint aus Sicht des Landes aus mehreren Gründen besonders geeignet", sagt Hülpes. Was den Naturschutz angeht, gebe es dort seltene Arten wie Schwarzstorch oder Wildkatze. Auch auf die Forstwirtschaft könne man Rücksicht nehmen, weil sich wertvolle Fichtenbestände aus dem unmittelbaren Schutzgebiet herausnehmen lassen und dieses Holz weiter genutzt werden kann.
Außerdem ist im Hochwald ein länderübergreifender Nationalpark möglich. Denn bei der Frage nach dem möglichen Gebietszuschnitt wurde in Mainz auf der Grundlage der sogenannten Kelten-Variante diskutiert. Sie schließt mit dem Ringwall bei Nonnweiler einen Zipfel des Saarlands ein und führt dann über Züsch/Neuhütten, den Erbeskopf und den Hochwaldrücken bis zur Mörschieder Burr. Das Gebiet der Gemeinde Morbach wird dabei nicht berührt. Deren Bürgermeister Andreas Hackethal (CDU) stellt jedoch klar: "Wir hätten auch mit einem Nationalpark vor unserer Haustür Probleme. Unsere holzverarbeitenden Betriebe arbeiten ja nicht nur bis zur Grenze von Morbach. Wenn diese Arbeit erschwert wird, hat das zur Folge, dass das Holz aus anderen Gegenden kommen muss." Er erinnert daran, dass in Morbach 900 Menschen gegen einen Nationalpark protestiert haben. Sowohl der Gemeinderat als auch der Kreistag Bernkastel-Wittlich würden das Projekt ablehnen, weil es weder "ökologisch noch ökonomisch sinnvoll ist und Arbeitsplätze gefährdet". Hackethal kritisiert, dass nicht nach Mainz eingeladen wurde.
Landrat Schneider betont jedoch: "Falls ein Umdenken einsetzt, ist für die Morbacher die Tür noch nicht zu." Man habe in Mainz zudem klargestellt, dass mit der möglichen Ausweisung eines Nationalparks auch eine konkrete Strukturverbesserung verbunden sein muss. Das heißt: Das Land soll die Hochwaldregion auch beim Ausbau von Straßen oder Projekten zur Dorfentwicklung besonders fördern.
Hermeskeil steht laut Hülpes der Nationalpark-Idee "offen-kritisch gegenüber. Für den Tourismus erwarten wir nur Vorteile. Wir verlangen aber, dass die Brennholzversorgung unserer Bürger gesichert bleibt. Das Land hat uns aber zugesichert, dafür ein Konzept vorzulegen." Dellwo, der sich in der Vergangenheit für einen Nationalpark ausgesprochen hatte, war für eine aktuelle Stellungnahme nicht zu erreichen.
Extra

Die fünf möglichen Gebiete, die das Land im September 2011 für einen Nationalpark vorgeschlagen hatte, waren der Idarwald-Hochwald, der Saargau-Hochwald, der Soonwald, der Pfälzerwald und der Truppenübungsplatz Baumholder. Das Land sucht für den Nationalpark eine circa 8000 bis 10 000 Hektar große Fläche, die möglichst aus einem zusammenhängenden Staatswaldkomplex im Landeseigentum bestehen soll. Im Nationalpark soll sich die Natur auf einer Fläche von 75 Prozent frei entwickeln können. In diesem streng geschützten Gebiet sind Jagd, Fischerei, aber auch die Entnahme von Brennholz verboten. Allerdings plant das Land einen sogenannten "Entwicklungsnationalpark". Über einen Zeitraum von bis zu 30 Jahren kann in einem solchen Nationalpark auch im Schutzgebiet "Holznutzung, insbesondere im Nadelholzbereich erfolgen", heißt es in einem Schreiben von Ministerin Hoefken, das dem TV vorliegt. ax