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Nationalpark: Jetzt geht's ans Eingemachte

Nationalpark: Jetzt geht's ans Eingemachte

Moderierte Veranstaltungen sollen das Gespräch zwischen Bürgern, Vereinen und Kommunen zum Thema Nationalpark weitertreiben. Am Montag ist der erste Diskussionabend in Leidel.

Kreis Birkenfeld. Der Bürgerdialog zum Nationalpark-Projekt im Hochwald beginnt am Montag, 11. Juni, um 19 Uhr in Leisel.
Das ist der Auftakt für die zweite Phase, die Umweltministerin Ulrike Höfken am 30. Mai mit einer Pressekonferenz in Börfink eingeläutet hatte.
Was geschieht in der zweiten Phase?
Im Rahmen moderierter Veranstaltungen sollen mit den Bürgern sowie mit den Kommunen und Vereinen intensive Gespräche über Entwicklungsmöglichkeiten, aber auch Bedenken und Befürchtungen geführt werden. Diese Phase ist zeitlich unbefristet. Es soll genug Zeit zur Verfügung stehen, um über Vor- und Nachteile sowie Problemlösungen und Entwicklungsmöglichkeiten zu reden und so einvernehmliche Lösungen zu finden.
Auf politischer Ebene muss entschieden werden, ob grundsätzlich auch eine gemeinsame Lösung mit dem Soonwald in Form eines zweigeteilten Nationalparks infrage kommt. Diese Variante wäre im Kreis Bad Kreuznach wohl am ehesten mehrheitsfähig. Das Ministerium scheint nicht abgeneigt, hat sich dazu aber bislang noch nicht eindeutig geäußert. Die Tendenz im westlichen Hunsrück ist eindeutig: Die Vertreter der Hochwald-Region stehen dieser Variante skeptisch bis ablehnend gegenüber. Für den Hochwald gibt es zwei Modelle: eine kleinere Fläche in der Größenordnung von rund 7000 Hektar, die das Ministerium auch wegen der geringeren Auswirkungen auf die Forstwirtschaft favorisiert, und eine größere mit mehr als 10 000 Hektar.
Die Hauptargumente der Gegner: Sie befürchten Einschränkungen aller Art: Das beginnt beim Wandern und reicht übers Pilzesuchen bis hin zur Brennholzversorgung - Fragen, die im Rahmen des Bürgerdialogs geklärt werden sollen.
Manche lehnen einen Nationalpark aus grundsätzlichen Gründen ab: Volkswirtschaftlich gesehen, wäre das wegen der aus der Nutzung herausgenommenen Fläche ein riesiges Verlustgeschäft. Andere bezweifeln, dass ein Nationalpark besser ist als ein naturnah bewirtschafteter Wald. Das gipfelt in der Behauptung der Säge- und Holzindustrie: "Ein Nationalpark nutzt niemandem - weder der Natur noch der Wirtschaft." Kritiker befürchten auch, dass die positiven Effekte für die Region, vor allem im Tourismus, überschätzt werden.
Warum kämpfen die Befürworter für einen Nationalpark im Hochwald? Ihnen erscheinen manche Gegenargumente konstruiert: Wer läuft denn beispielsweise ständig querfeldein durch den Wald statt auf den ausgewiesenen Wegen? Die gibt es natürlich auch in einem Nationalpark, für den zudem eine lange Übergangsphase vorgesehen ist: Er soll innerhalb von 30 Jahren entwickelt werden. Die Befürworter sehen darin kein Allheilmittel, aber eine Chance für eine Region, deren Entwicklung alarmierend ist. Für sie ist der Nationalpark ein willkommenes Marketinginstrument, mit dem sich bestens werben lässt - zumal Wandern und Natur pur im Tourismus Megatrends sind.
Es ist müßig, jetzt noch grundsätzlich darüber zu diskutieren, ob ein Nationalpark sinnvoll und notwendig ist. Denn diese Frage ist politisch bereits beantwortet: Die Landesregierung will und wird ihn einrichten. Mit dem Projekt soll die "Nationale Biodiversitätsstrategie" umgesetzt werden. Diese sieht auf den Waldflächen im öffentlichen Eigentum zehn Prozent Naturwald vor, denen sich Rheinland-Pfalz durch einen Nationalpark im Staatswald annähern kann. "Mit dem Nationalpark im Hunsrück können wir unserer globalen Verantwortung zum Erhalt der heimischen Artenvielfalt nachkommen", erläutert die Umweltministerin.
Die Frage ist also nur noch, wo er hinkommt. Das Credo der Befürworter lautet deshalb: Bevor andere die Fördergelder einstreichen, sollten sie in die Hochwald-Region fließen. Wer gegen einen Nationalpark ist, sollte zumindest eine realistische Alternative benennen können, betont Landrat Dr. Matthias Schneider. Bisher gibt es dazu keinerlei ernsthafte Vorschläge, sondern nur Wunschvorstellungen und Luftschlösser.
Der Nationalpark eröffnet auch den Zugang zu verschiedenen Fördertöpfen und Strukturförderungsmaßnahmen. Wenn diese Chance verpasst wird, wird es mangels anderer Alternativen mit der Region immer weiter bergabgehen, befürchtet nicht nur der Landrat.
Gibt es denn schon Ideen und Ansätze zur Ausgestaltung eines Nationalparks? Auch Ulrike Höfken ist von der Kelten-Variante sehr angetan. Die Einbeziehung der prähistorischen Bodendenkmäler aus der Keltenzeit zwischen Otzenhausen und der Wildenburg wäre ein Alleinstellungsmerkmal.
Das Edelstein-Thema in und um Idar-Oberstein, der Bostalsee mit dem neuen Ferienpark, das Hunsrückhaus am Erbeskopf, das Wildfreigehege mit dem Wildkatzenzentrum an der Wildenburg: Es gibt etliche flankierende Pfeiler. Im Rahmen des Modellprozesses "Mitmachen!" sollen auch die Bürger beteiligt werden. Bei der Initiative für einen Nationalpark werden bereits Ideen unter dem Motto "Eine ganze Region ist Nationalpark" gesammelt. Denn der Erfolg hängt auch von der Aufbruchstimmung ab: Je mehr Leute hinter dem Projekt stehen und sogar stolz darauf sind, dass in ihrer Region ein Nationalpark entsteht, desto besser sind die Perspektiven für dieses Langzeitprojekt.