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Nationalpark: Jetzt reden Bürger mit

Nationalpark: Jetzt reden Bürger mit

Bei der Einrichtung eines Nationalparks im Hochwald soll die Meinung der betroffenen Bürger Gewicht haben. Deshalb bietet das Land Dialogveranstaltungen an. Am Montagabend stellten rund 80 Menschen aus Neuhütten, Züsch und Damflos zehn Experten ihre brennendsten Fragen rund um das geplante Schutzgebiet. Nicht alle wurden beantwortet.

"Noch ist nichts entschieden." "Es ist noch zu früh für eine konkrete Antwort." Aussagen wie diese bekamen die rund 80 Teilnehmer des Bürger-Dialogs in Sachen Nationalpark am Montagabend an den zehn Thementischen im Neuhüttener Bürgerhaus häufiger zu hören.

Es war die erste Informationsrunde dieser Art, die außerhalb des Landkreises Birkenfeld stattfand. Dabei stellte Ralf Laux vom Mainzer Umweltministerium eins vorab klar: "Wir machen hier keine Werbeveranstaltung für den Nationalpark, sondern wollen mit ihnen ins Gespräch kommen."
Die Moderatorin des Abends, Claudia Jörg vom Verein "Engagierte Bürger" Simmern, fügte hinzu: "Die Bürgerbeteiligung ist uns wichtig. Alles, was von Ihnen vorgebracht wird, fließt in den weiteren Entscheidungsprozess ein."

Tischwechsel nach zehn Minuten


Und dann ging\'s los: Jeder Besucher aus den Orten Züsch, Damflos und Neuhütten fand auf seinem Sitz eine Nummer. Sie markierte den Thementisch, den er zuerst ansteuern sollte. Während des Gesprächs konnte er auf einer Karte Stichworte notieren und diese an eine Pinnwand heften, die in die Rubriken "Fragen", "Ideen und Wünsche" sowie "Kritik und Ängste" unterteilt war. Nach zehn Minuten läutete Jörg mit einer Glocke und die Bürger wechselten zum nächsten Tisch

Schnell wurde deutlich, dass es vom Thema abhing, wie intensiv es beim Gedankenaustausch zur Sache ging. Beispielsweise ist Windenergie - sie ist in einem Nationalpark tabu - kein Punkt, der die Bewohner aus Züsch, Neuhütten und Damflos stark beschäftigt. Das hängt auch damit zusammen, dass keiner der Orte in dieser Hinsicht Pläne hegt.
Ganz anders sieht es mit den Regeln im Nationalpark aus. Darüber wurde am Tisch von Dennis Münch rege diskutiert. So wollten Christel und Steffi Engelke wissen, ob und wo sie im Nationalpark reiten können. Die Antwort: "Es wird Einschränkungen geben", befriedigte die beiden nicht. "Diese Frage ist für uns wichtig. Wir sind aber nicht schlauer geworden", sagte Steffi Engelke.
Am Tisch nebenan, wo Forstmann Claus Andreas Lesander stand, wurde sich ebenfalls eifrig unterhalten. Denn gerade die Frage, ob es in einem Nationalpark noch genug Brennholz gibt, treibt viele Bürger aus Züsch, Neuhütten und Damflos um. Lesander zeigte dabei auch eine denkbare Alternative auf.
Brennholzzone denkbar


"Man könnte innerhalb des Nationalparks eine Zone ausweisen, die langfristig für die Brennholzversorgung der lokalen Bevölkerung zur Verfügung steht." Ein entsprechendes Konzept sei derzeit in Zusammenarbeit mit Revierförster Wilhelm Zimmermann in der Mache. Beatrice Lerch sprach mit den Bürgern über das Thema Tourismus. Sie trat zumindest in einem Punkt einer von Bürgern vorgebrachten Befürchtung entgegen. Die Prädikatswanderwege wie der Saar-Hunsrück-Steig und die Dollbergschleife bleiben nach ihrer Einschätzung erhalten. "Alles andere wäre verrückt. Man hat sie ja erst vor ein paar Jahren mit großem Engagement ausgewiesen."

Sie gehe auch davon aus, dass der vom Heimatverein Züsch eingerichtete Waldlehrpfad bestehen bleibt. Damit beruhigte sie Vereinsmitglied Marcel Ganz, der gleich zu Beginn die Ministeriums-Mitarbeiterin mit der Frage überrascht hatte, wo er sich in die Gegner-Liste eintragen kann.
Insgesamt war das Stimmungsbild an diesem Abend geteilt. Von klar dagegen bis deutlich dafür waren alle Meinungen vertreten (siehe Extra). Nachdem in der Schlussrunde alle gesammelten Stichworte auf den Pinnwänden vor dem gesamten Plenum vorgestellt wurden, lautete denn auch das Fazit von Michael Hülpes, dem Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hermeskeil: "Unsere Position zum Nationalpark war kritisch-offen. Genau das haben wir heute in den Gesprächen auch erlebt."
Der nächste Bürger-Dialog zum Nationalpark ist am Montag, 11. Dezember, um 19 Uhr in Malborn.

Meinung

Keine Basta-Politik
Tiefe Schwarzmalerei einerseits und der Blick durch die rosarote Brille andererseits: So breit spannt sich der Bogen, der zurzeit im Bereich Neuhütten, Züsch und Damflos in der Diskussion um einen Nationalpark im Hochwald erkennbar ist. Dazu ist im Vergleich die Zustimmung im Kreis Birkenfeld und auch im Saarland eher breiter. Aus dem Raum Morbach - der jedoch gar nicht zur vorgesehenen Gebietskulisse gehört - kommt überwiegend Kritik. Nun mag man zu diesem Projekt stehen, wie man will. Eins steht fest: Man muss anerkennen, dass das Land keinen Basta-Nationalpark macht, sondern die Bürger dabei mit ins Boot nehmen will. Als Besitzerin der Staatswaldflächen wäre eine andere Vorgehensweise ja durchaus legitim. Doch Achtung, die Nagelprobe folgt erst noch - und zwar in der Phase, in der es um die konkrete Ausgestaltung des Nationalparks geht. Erst dann wird sich weisen, ob man die jetzt vorgebrachten Forderungen der Bewohner des späteren Schutzgebiets weitgehend erfüllt oder ob sich die Dialog-Gespräche letzten Endes als "Alibi-Veranstaltungen" entpuppen und das Land in erster Linie die Regeln durchdrückt, die es selbst für nötig hält. a.munsteiner@volksfreund.deExtra

Karl-Heinz Kaub, Damflos: "Ich bin kein Gegner des Nationalparks. Das ist nichts Schlechtes. Das vorgesehene Gebiet ist aber zu groß. Was wäre denn dagegen zu sagen, wenn wir in Rheinland-Pfalz den kleinsten Nationalpark Deutschlands einrichten würden. Was mich stört, ist, dass man so sparsam mit der Wahrheit umgeht und zum Beispiel noch nicht gesagt hat, wie viel die Einrichtung eines Nationalparks kostet." Ralf Malburg, Neuhütten: "Ich weiß immer noch nicht, welche Regeln im Nationalpark gelten sollen. Wenn das Mal bekannt ist, sollte man hier vor Ort einen Bürgerentscheid machen, ob die Leute dafür oder dagegen sind." Ulla Kolling, Neuhütten: "Zurzeit wissen wir noch nicht, worauf wir uns einlassen. Sollte man einen Nationalpark einrichten, müsste man darauf achten, dass man beim Personal qualifizierte Leute aus der Region sucht. Das würde die Akzeptanz erhöhen." Stefan Pink, Neuhütten: "Das Land macht etwas und wir sind auch nicht abgeneigt. Wir können aber nicht vorbehaltlos ein Pro-Votum für den Nationalpark abgeben. Parallel dazu muss das Land auch Konzepte in Angriff nehmen, die hier die Infrastruktur verbessern." Dietmar Gräber, Neuhütten: "Der Nationalpark ist eine Chance, die wir ergreifen müssen. Denn wenn er nicht kommt, kommt hier gar nichts hin." Anonyme Frage aus der Meckerecke: "Droht mit dem Nationalpark nach Nürburgring und Flughafen Hahn das dritte Millionengrab in Rheinland-Pfalz?" ax