Nationalparkregion: Manager soll Plan für Entwicklungsprojekte im Hochwald und Hunsrück aufstellen und das "Wir-Gefühl" stärken

Nationalparkregion: Manager soll Plan für Entwicklungsprojekte im Hochwald und Hunsrück aufstellen und das "Wir-Gefühl" stärken

Welche Projekte bringen die Dörfer rund um den Nationalpark Hunsrück-Hochwald voran? Woher kommt das Geld dafür? Und was wird zuerst angepackt? Mit diesen Fragen soll sich ab März ein Regionalmanager befassen. Gesucht wird er von einem Bündnis aus Bürgern, Gemeinden und Landkreisen, das sich seit einem Jahr für die Entwicklung der Nationalparkregion einsetzt.

Einzigartige Natur bewahren: Das ist das oberste Ziel des Nationalparks Hunsrück-Hochwald. Zugleich soll das neue Schutzgebiet aber auch Wirtschaft und Tourismus ankurbeln. Und es soll dabei helfen, Fördergeld in die umliegenden Gemeinden zu lenken, damit diese zum Beispiel Straßen ausbauen, den öffentlichen Nahverkehr verbessern oder neue Versorgungsangebote aufbauen können.

Um all das gemeinsam voranzubringen, haben Landkreise, Verbandsgemeinden und Bürger vor einem Jahr den Verein Regionalentwicklung Hunsrück-Hochwald gegründet (siehe Extra). Dessen Hauptziel: ein Entwicklungskonzept für die Region. Es soll klären, welche konkreten Projekte es gibt, und wie man diese schnellstmöglich umsetzen kann. Die Gemeinden warten sehnsüchtig darauf. Nun könnte bald das Startsignal fallen: Der Verein sucht per Stellenanzeige für den 1. März 2017 eine Managerin oder einen Manager, der den sogenannten Masterplan erarbeiten soll.Diskussionen mit Mainz

"Es war etwas schwierig, mit Mainz die Finanzierung abzustimmen", begründet Michael Hülpes, Hermeskeiler Verbandsbürgermeister und stellvertretender Vereinsvorsitzender, die Verzögerung. Das Land habe zunächst auf die Lokale Aktionsgruppe (LAG) Erbeskopf verwiesen. Über diese wird Fördergeld von Land und EU im westlichen Hunsrück verteilt. Die LAG beschäftige mit ihrem Geschäftsführer bereits einen Manager für die Entwicklung des ländlichen Raums, hieß es aus Mainz. "Inzwischen ist aber geklärt, dass der Verein die Projektstelle bekommt."

Die Vollzeitstelle ist befristet auf acht Monate und wird zu 100 Prozent über die LAG finanziert (Kosten: etwa 61 000 Euro). Und was genau soll der Manager leisten? Zunächst einmal alles zusammenfügen, was es schon an Konzepten und Studien zur Nationalparkregion gibt. Laut Hülpes hat die VG Hermeskeil bereits eigene Ideen erfasst. Einbeziehen könne man auch Studien des Kreises Trier-Saarburg zur medizinischen Versorgung in der Region. Auch die Verkehrs-Infrastruktur sei ein wichtiges Thema. Das alles muss laut Hülpes in ein "konkretes Handlungsprogramm" münden. "Akten haben wir genug. Wir wollen jetzt eine Liste: Was ist wo geplant, wer trägt das Projekt, wie wird es finanziert und bis wann wird es umgesetzt?"

Der Vereinschef und Birkenfelder Landrat Matthias Schneider nennt "Wirtschaftsentwicklung, Tourismus und Energie" als wichtigste Säulen des Masterplans. Um Projekte erfolgreich umzusetzen, müsse der Manager auch die infrage kommenden Fördertöpfe "effizient" nutzen. Bis der Plan stehe, sei der Verein nicht untätig. Beispielsweise arbeite man am Konzept für die Bike-Region am Idarkopf, wo Mountainbike-Schleifen rund um den Nationalpark entstehen sollen.Camp in Muhl auf der Liste

Auf der Projektliste würde laut Michael Hülpes auch das geplante Nationalparkcamp in Neuhütten-Muhl auftauchen. Dort sollen Hütten für Touristen entstehen, die das Schutzgebiet erkunden wollen. Momentan hapere es noch daran, dass die Gemeinde Neuhütten zu viel aus eigener Tasche bezahlen müsste. "Aber wir sind da dran." Einen bereits greifbaren Vorteil nennt Hülpes den für 2018 angekündigten Ausbau der Ortsdurchfahrt in der Nationalparkgemeinde Züsch: "Den hätten wir sonst nicht so schnell bekommen."

Der Thalfanger VG-Chef Marc Hüllenkremer sieht in dem Plan eine wichtige Basis für die Zusammenarbeit der Gemeinden. Der Regionalmanager müsse aus der Vielzahl der Akteure und Ideen nun "strategische Leitprojekte" auswählen, die die Region insgesamt voranbrächten. Ein gemeinsames "Leitbild" stärke auch das "Wir-Gefühl". Landrat Schneider sieht bereits große Fortschritte bei der gemeinsamen "Identitätsfindung". Schon die Vereinsgründung sei ein "Meilenstein" gewesen, um das frühere "Hüben und Drüben vom Hunsrück abzubauen".

Der neue Manager soll aber nicht nur die Kommunen stärker vernetzen, sondern auch Vereine und Bürger einbeziehen. Öffentlichkeitsarbeit wird eine wichtige Aufgaben sein. Bewerber sollten ein abgeschlossenes Studium vorweisen - Regionalmanagement, Stadt- und Raumplanung, Geografie oder Betriebswirtschaft. Wenn das Konzept steht, soll der Manager auch die Umsetzung begleiten - später möglicherweise als fester Regionalmanager für die Nationalparkregion bei der LAG Erbeskopf.Meinung

Schwung mitnehmen, solange er da istDer Nationalpark Hunsrück-Hochwald ist mit hohen Erwartungen und großer medialer Aufmerksamkeit gestartet. Natürlich braucht es eine gewisse Anlaufzeit, damit nicht nur im Park selbst, sondern auch in der Region rundherum neue Strukturen wie Gastronomie oder ein Radwegenetz entstehen können. Die Gründung des Parks ist aber inzwischen schon anderthalb Jahre her - und von dem versprochenenen Entwicklungsschub für die Gemeinden ist kaum etwas zu sehen. Allmählich wird es Zeit, dass die vielen Konzepte in greif- und sichtbare Fortschritte münden. Ein exakter Plan, wo welches Projekt mit welchen finanziellen Mitteln angepackt wird, ist dafür schon mal hilfreich. Bei so vielen Akteuren und Projektideen braucht man jemanden, der die Fäden zusammenführt und eine klare Richtung vorgibt. Mit dem Manager allein ist es aber nicht getan: Entscheidend wird sein, dass der Plan jetzt möglichst flott aufgestellt wird, die interessierten Projektträger alle solange bei der Stange bleiben, kein Gerangel um die Projekt-Reihenfolge ausbricht, damit die notwendigen Fördermittel auch problemlos fließen. Andernfalls könnten der Elan und die Aufbruchstimmung rund um den Nationalpark, die jetzt (noch) da sind, ganz schnell wieder verpuffen. c.weber@volksfreund.deExtra

Der Verein Regionalentwicklung Hunsrück-Hochwald hat seinen Sitz in Birkenfeld.Er hat aktuell 18 Mitglieder - darunter vier Landkreise sowie acht Gemeinden und Gemeindeverbände.Gegründet wurde der Verein am 30. März 2016 von folgenden 13 Mitgliedern: Landkreis Birkenfeld, Landkreis Trier-Saarburg, Stadt Idar-Oberstein, Verbandsgemeinde Baumholder, Verbandsgemeinde Birkenfeld, Verbandsgemeinde Hermeskeil, Verbandsgemeinde Rhaunen, Verbandsgemeinde Thalfang, Privatpersonen: Uwe Roßmann, Kirsten Beetz, Peter Simon, Karl-Heinz Erz und Uwe Weber.Vorsitzender ist der Birkenfelder Landrat Matthias Schneider, sein Stellvertreter ist der Hermeskeiler VG-Chef Michael Hülpes.
Wer sich für die Stelle des Masterplanmanagers für die Nationalparkregion bewerben möchte, sollte seine Unterlagen mit Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnissen und Tätigkeitsnachweisen spätestens bis zum 30. Januar 2017 in einer PDF-Datei (maximal 10 MB) an die E-Mail-Adresse regionalentwicklung@landkreis-birkenfeld.de schicken. Fragen beantwortet die Geschäftsstelle des Vereins unter Telefon 06782/15-730 oder -735. cweb

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