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Naturpark Saar-Hunsrück: Trägerverein will Identifikation stärken und Programm überarbeiten

Naturpark Saar-Hunsrück: Trägerverein will Identifikation stärken und Programm überarbeiten

Das Schutzgebiet zwischen Saar und Hunsrück gibt es seit fast 40 Jahren. Viele Dörfer profitieren von Projekten mit dem Naturpark, andere dagegen identifizieren sich kaum damit. Der Trägerverein will das ändern und sein Programm überarbeiten. Der Zeitpunkt dafür ist günstig.

1800 alte Apfelbäume säumen die Straßen rund um den Ort Fisch im Saargau. Die Bäume waren von Misteln befallen und drohten abzusterben - als Rettung in Form eines Pilotprojekts mit dem Naturpark Saar-Hunsrück nahte. Fünf Jahre lang wurden die Bäume fachmännisch gepflegt und beschnitten. Von den Kosten - etwa 190.000 Euro - mussten die Obstbauern dank Zuschüssen nur 20 Prozent tragen. Am 28. Mai wird das Ergebnis mit einem Streuobstwiesenfest gefeiert.

"Vor dem Projekt war der Naturpark hier nicht so präsent", sagt Ortsbürgermeister Otmar Wacht. "Aber es hat sich gelohnt, wir wollen die Zusammenarbeit ausbauen." Überlegt werde etwa, den im Ort produzierten Viez mit dem Naturpark-Logo zu vermarkten.

Die Ortsgemeinde Fisch will das Potenzial des Schutzgebiets, das sie umgibt, ausschöpfen, um wertvolle Kulturlandschaft dauerhaft zu erhalten. Eine so enge Verbundenheit mit dem Naturpark besteht jedoch nicht überall in dem großen Gebiet (siehe Grafik). Das haben auch die Mitglieder des Naturpark-Vereins bei ihrer Jahresversammlung festgestellt. Ein Thema dort war, dass bald das Handlungsprogramm für die Jahre 2019 bis 2028 zu formulieren ist. Darin kann sich der Naturpark - neben gesetzlich vorgegebenen Aufgaben wie Umweltbildung und Landschaftspflege - zusätzlich eigene Ziele vornehmen.

Die Mitglieder, 37 Kommunen in zwei Bundesländern, sehen darin die Chance, noch einmal über den konkreten Zweck und Nutzen des Naturparks nachzudenken. Vor kurzem war bei Workshops im Saarland und in Rheinland-Pfalz zur Zukunft des Schutzgebiets herausgekommen, dass die Identifikation der Bürger mit dem Naturpark stärker sein könnte. In vielen Orten liefen Aktivitäten, die thematisch zum Naturpark passten, von denen man aber nichts erfahre, bemerkte Udo Recktenwald, Landrat im Kreis Sankt Wendel.

"Wir haben ein Kommunikationsproblem", sagt auch Gudrun Rau, Geschäftsführerin des Naturparkvereins mit Sitz in Hermeskeil. Das Gebiet umfasse mehr als 320 Gemeinden in sieben Landkreisen. Alle gleichermaßen zu erreichen, sei mit einem achtköpfigen Team "schwer zu leisten".

Der Naturpark müsse "vor Ort mitgedacht" werden. Dabei seien auch die Mitglieder gefragt, noch mehr Nutzen aus dem Schutzgebiet zu ziehen, sagt Rau. Denkbar seien etwa Logos in offiziellen Briefköpfen oder Verweise auf Internetseiten. Gemeinden könnten auch neue Bauplätze mit ihrer Lage im Naturpark bewerben. "Da liegt noch Potenzial brach."

Laut Umweltreferentin Susanne Schmid bemüht sich das Team um Präsenz. "Unsere Veranstaltungen werden in den Amtsblättern abgedruckt, und wir informieren die Ortsgemeinden über neue Projekte." Wo man gemeinsam Projekte stemme, wie etwa in Fisch, sei der Kontakt automatisch enger.

Zu mehr "Identifikation mit der eigenen Kulturlandschaft" könne die aktuelle Initiative Panoramablicke beitragen, sagt Gudrun Rau. Dabei würden Tafeln an landschaftlich markanten Punkten aufgestellt, die zeigten, was in der Umgebung zu sehen ist. Der Naturpark brauche "Menschen vor Ort, die bereit sind, ihre Landschaft mitzugestalten".

Eine Herausforderung hat sich 2015 mit der Gründung des Nationalparks Hunsrück-Hochwald ergeben, der komplett im Naturpark liegt. Naturpark-Mitglieder wünschen sich eine bessere Aufgabenteilung und zugleich eine bessere Nutzung von Synergien beider Schutzgebiete. Zwar haben beide verschiedene Ziele - die Natur Natur sein lassen (Nationalpark) gegenüber dem harmonischen Miteinander von Mensch und Natur (Naturpark). Aber es gibt auch Schnittstellen. Der Nationalpark sei ein "neues Juwel im Naturpark", sagt Rau. Die Zusammenarbeit laufe bereits gut. Problematisch sei die "ungleiche Ausstattung mit Personal und finanziellen Mitteln". Für die Kommunen sei die Nationalparkregion attraktiv, weil dort Projekte besser gefördert würden. "Der Naturpark darf aber nicht vergessen werden. Das Land könnte sich finanziell stärker engagieren." Zurzeit werde der Naturpark - abseits der Projektförderung - größtenteils über die Mitgliedsbeiträge der Kommunen getragen.

Der Birkenfelder Landrat und Naturpark-Vorstand Matthias Schneider hält das gesetzliche Konstrukt Naturpark insgesamt für "in die Jahre gekommen". Er fordert: "Wir brauchen neues Feuer, eine neue Zweckbestimmung." Ihm schwebe die Entwicklung touristischer Produkte und "eine Art Identitätsbildung" vor. "Im Naturpark könnten wir zeigen, was den ländlichen Raum und die Menschen dort ausmacht." Dazu müsse aber der Verein finanziell besser ausgestattet werden. Hier sei die Landespolitik gefragt.

Beim Erarbeiten neuer Ziele sollen die Bürger in Workshops einbezogen werden. Wie genau, wird noch geklärt. "In jedem Fall wollen wir die Leute mitnehmen", verspricht Gudrun Rau.GROßES GEBIET VON SAAR BIS HUNSRÜCK

Foto: SZ/TMVG

Der Naturpark Saar-Hunsrück wurde 1980 gegründet. Sein Gebiet ist 2000 Quadratkilometer groß und liegt in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Dazu zählen Teile der Verbandsgemeinden Saarburg, Konz, Ruwer, Kell am See, Hermeskeil, Thalfang am Erbeskopf, Bernkastel-Kues sowie der Einheitsgemeinde Morbach. Träger ist der Verein Naturpark Saar-Hunsrück mit Sitz in Hermeskeil und fünf weiteren Infozentren.
Naturparks sind großräumige Schutzgebiete mit besonderen landschaftlichen Vorzügen. Sie sollen eine nachhaltige Form des Tourismus unter Wahrung des Naturschutzes fördern. Die Bewohner der Region sollen im Einklang mit der Natur wirtschaften, um diese zu erhalten.
Konkrete Schutzzwecke werden in den Landes-Rechtsverordnungen definiert. Für Rheinland-Pfalz steht die Erhaltung der landschaftlichen Eigenart, Schönheit und ihres besonderen Erholungswerts im Fokus.
Das aktuelle Handlungsprogramm des Naturparks Saar-Hunsrück bis 2018 legt die oberste Priorität auf Angebote für Bildung und Information zu Natur und Landschaft. Weitere Schwerpunkte: biologische Vielfalt, naturnahe Erholung, Landschaftspflege, nachhaltiger Tourismus und Regionalentwicklung. Daran orientiert bietet der Naturpark Veranstaltungen an wie Fledermaus-Safaris, Kräuterwanderungen und Baumschnittkurse ( www.naturpark.org). Das Team ist bei Festen dabei und bietet Programme für Schulen und Kitas an. Seit 2016 erscheint vierteljährlich ein Veranstaltungsprogramm mit dem Nationalpark.