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Naturschützer kritisieren Solarprojekt

Naturschützer kritisieren Solarprojekt

Naturschutzverbände protestieren gegen das geplante Solarkraftwerk in Saarburg. Das Gelände sei Heimat für schützenswerte Arten. Nun sollen die Flächen intensiv unter die Lupe genommen werden.

Saarburg. Eine Gruppe von Investoren möchte auf dem ehemaligen Truppenübungsgelände in Saarburg ein Solarkraftwerk bauen (der TV berichtete). Es könnte eines der größten im gesamten Landkreis werden (siehe Extra). Bereits Ende Februar rückten schwere Maschinen an, um die Fläche am alten Schießstand zu roden.
Doch jetzt formiert sich Widerstand gegen das Großprojekt. Drei Naturschutzverbände haben bei der Kreisverwaltung protestiert. Aus ihrer Sicht gefährdet die geplante Anlage wertvolle Biotope mit seltenen Arten.
"Das Projekt ist aus unserer Sicht nicht genehmigungsfähig. Die Fläche ist viel zu wertvoll für den Naturschutz", sagt Manfred Weishaar, Vorsitzender des Nabu in Trier. Für Weishaar ist die Kleinräumigkeit etwas Besonderes. Es gebe viele unterschiedliche Biotoptypen. Die Wälle der Schießanlage seien wertvolle Lebensräume. "Wir sprechen von einem Hotspot der Biodiversität. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dort weitergebaut wird", sagt Weishaar.
Gemeinsame Stellungnahme



Die Stellungnahme hatten die Naturschutzorganisationen Nabu, BUND und Pollichia gemeinsam abgegeben. Die Verbände kritisieren darin die vorgelegte Bestandserfassung als "in ihrer Schlichtheit mit Ausnahme der Vögel nicht mehr (…) unterbietbar." Als "grotesk" bezeichnen sie geplante Ausgleichsmaßnahmen. Die Aussage in den Plänen, es handele sich nicht um wertvolle Biotope, sondern um brach gefallene verbuschte Fettwiesen mit geringer Wertigkeit seien "grober Unfug". Weishaar bedauert, dass Ende Februar bereits schwere Maschinen Rodungsarbeiten erledigt hatten.
Stadtbürgermeister Jürgen Dixius sagt: "Der Artenschutz ist ein hohes Gut. Wir müssen aber auch an die Energieversorgung denken." Es sei von der Landesregierung gewünscht, dass Konversionsflächen für Photovoltaik genutzt würden. Laut Dixius bleiben die Erdwälle um die Anlage stehen. Der Bürgerservice aus Trier soll in den kommenden Wochen Artenvorkommen weiter analysieren. Zudem wird nach militärischen Altlasten gesucht.
Die Zeit wird allerdings knapp. Weil die Bundesregierung die Förderung erneuerbarer Energie zurückgeschraubt, müsste das Saarburger Sonnenkraftwerk möglichst bald stehen, damit es sich überhaupt rechnet. "Die Untersuchungen sind nötig, aber je länger es dauert, desto schwieriger wird es", sagt Dixius.
Die Kreisverwaltung, zuständig für den Naturschutz, bestätigt auf TV-Anfrage Nachbesserungsbedarf. Die naturschutzfachliche Bewertung sei noch nicht ausreichend und deswegen nachzuarbeiten.
In Flächennutzungsplänen und Bebauungsplänen wird festgelegt, wie eine Fläche genutzt werden darf - etwa für Landwirtschaft, Handel oder Wohnen. Will man auf einem Militärgelände ein Solarkraftwerk bauen, müssen diese Pläne geändert werden.
Der Flächennutzungsplan soll künftig ein Sondergebiet Photovoltaik enthalten. Ein Entwurf des Plans liegt derzeit öffentlich aus. Sogenannte Träger öffentlicher Belange wie etwa Umweltbehörden können Einwände formulieren. Auch Umweltverbände können sich äußern.
Stadtwerke investieren


Auf etwa 13 Hektar soll eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von etwa acht Megawatt entstehen. Die einzelnen Elemente werden etwa 3,5 Meter hoch sein.
Zu den Investoren gehören die neu gegründeten Regionalwerke des Kreises und die Stadtwerke Trier (SWT). Die SWT gehen mit etwa acht Millionen Euro in Vorleistung. Teile der neuen Anlage könnten an Saarburger Unternehmen oder auch eine noch zu gründende Energiegesellschaft der Verbandsgemeinde (AöR) verpachtet oder verkauft werden.Meinung

Alternative Energie muss her!
Die Stadtwerke Trier wollen mit kommunalen Partnern ein Solarkraftwerk bauen, das zu den kreisweit größten gehören wird. Dieses Vorzeigeprojekt ist wichtig für Saarburg und ein notwendiger Beitrag zur Energiewende. Der Artenschutz ist ein hohes Gut und der Bau einer Acht-Megawatt-Anlage ein schwerer Eingriff in die Natur. Doch Kompromisse sind unvermeidbar. Die Menschen im Saarburger Land kennen das unangenehme Gefühl, den Gammelreaktor in Cattenom direkt vor der Nase zu haben. Wollen wir die deutschen Reaktoren abschalten und unseren Nachbarn beweisen, dass der Ausstieg möglich ist, brauchen wir Alternativen. Mit dem Solarkraftwerk würde Saarburg nicht zur Wüste. Direkt nebenan liegt ein großes Naturschutzgebiet, das mit einem Beweidungsprojekt langfristig erhalten werden soll. Wer ja zum Atomausstieg sagt, muss auch ja zur Saarburger Solarkraft sagen. t.thieme@volksfreund.deExtra

Mehrere größere Solarkraftwerke gibt es bereits in der Region Trier: Longuich (3,1 Megawatt), Föhren (8,4 Megawatt), Kenn (5,9 Megawatt), Mehring I (3,5 Megawatt), Mehring II (2,4 Megawatt), Mehring III (2,5 Megawatt), Mehring IV (1,3 Megawatt), Leiwen (3,6 Megawatt), Fell (2,2 Megawatt), Riol (3,1 Megawatt), Welschbillig (1,0 Megawatt), Langsur (im Bau: 2,0 Megawatt), Trier (1,0 Megawatt), Kell am See (2,0 Megawatt). Die alte Saarburger Schießanlage ist etwa 20 Hektar groß. In alten Holzbauten trainierten Soldaten dort den Häuserkampf. thie/alf

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