Neue Chance für Wawerner Bruch

Ein umfassendes Konzept für die zukünftige Gestaltung des Naturschutzgebiets Wawerner Bruch hat Bürgermeister Franz Zebe seinem Ortsgemeinderat vorgelegt. Der hat es ohne Abstriche akzeptiert.

Wawern. Kein Reservat für nachgezüchtete Wildpferde oder -rinder, keine Zäune zum Schutz der Tiere und der Besucher: Diese Pläne für das ehemalige Moorgebiet Wawerner Bruch standen zur Diskussion, werden aber nicht realisiert (der TV berichtete). Die Landesbehörde der Wasserwirtschaft hatte ihr Veto eingelegt, weil sie befürchtete, dass durch die Ausscheidungen der Tiere Keime ins Grundwasser kommen.

Jetzt gibt es neue Pläne für das Naturschutzgebiet. Das Wawerner Bruch soll Naherholungsgebiet für Menschen werden - mit einigen Einschränkungen allerdings: Es ist und bleibt Trinkwassereinzugsgebiet mit teils besonders restriktiven Vorschriften. Das könnte sich auf die teilweise seit Jahren bestehenden privaten Pferdekoppeln am Rand des Bruchs auswirken. Sie waren bereits bei der Feinplanung für das Beweidungsprojekt in Gefahr geraten, weil sie nach Ansicht der Wasserschützer möglicherweise zu dicht am Schutzgebiet lagen.

Wasserspiegel zu stark gesenkt?



Wasserprobleme ganz anderer Art beschäftigen Franz Zebe und Manfred Weishaar vom Naturschutzbund (Nabu): Dem Bruch wird nach ihrer Ansicht zu viel Wasser entnommen. Dadurch habe sich, sagen sie, der Wasserspiegel so sehr gesenkt, dass mehrere Pflanzen- und Tierarten verschwunden seien.

Nur durch Reduzierung der Wasserförderung könne diese Entwicklung umgekehrt werden. Weishaars und Zebes Hoffnung: So könnte sich die verschwundene artesische Spannung im Boden wieder aufbauen (siehe Extra). Der Hinweis von Alt-Bürgermeister Hans Greis, "die Wasserwerke wollen ihr Wasser aber verkaufen", machte in der Diskussion aber auch auf gegenläufige Interessen aufmerksam.

Ungeachtet dieses möglichen Konflikts zwischen Naturschutz und wirtschaftlichen Nutzen erwarten die künftigen Besucher des Naherholungsgebiets zwei Wander- und Trimmwege (4,7 bzw. 8,2 km) durch das Bruch. Zudem soll es einen Weg (16,2 km) rund um das Bruch geben. Ehe die ersten Schritte getan werden können, müssen die Wege hergerichtet, eine Brücke repariert, eine weitere gebaut sowie Schilder aufgestellt werden.

Wie viel das insgesamt kostet, ist derzeit noch unklar. Die Finanzierung des Plans ist laut Zebe jedoch im Wesentlichen gesichert: "Unter anderem hat der Naturpark Saar-Hunsrück e.V. gute Aussichten signalisiert, die Saar-Obermosel-Touristik trägt einen Teil der Kosten der Beschilderung."

Auch für die modernen Trimmgeräte ist eine Lösung in Sicht. Zebe hat bereits Konstruktionszeichnungen angefertigt. Extra Artesische Spannung entsteht durch starken Grundwasserzufluss in große unterirdische, geologische "Becken", die aus zwei undurchlässigen, übereinandergelagerten muldenförmigen Schichten bestehen. In diesen "Gefäßen" sammelt sich das Wasser und steht wegen des ständigen Nachflusses und des Gewichtes der oberen Schicht unter Druck. Wird der "Deckel" des Gefäßes an einer tiefer als der Zufluss liegenden Stelle angebohrt, entsteht ein "artesischer Brunnen". Ein solcher entsteht auch, wenn die Deckschicht aus anderen Gründen punktuell wasserdurchlässig wird. Wird einem solchen Becken mehr Wasser entnommen als nachfließt, erlischt die artesische Spannung, und der artesische Brunnen versiegt. (kdj)