Neue EU-Finanzhilfen für Erbeskopfregion

Neue EU-Finanzhilfen für Erbeskopfregion

Griechenland muss erst noch darüber verhandeln. Die Lokale Aktionsgruppe (LAG) Erbeskopf hat sie schon sicher: Die EU wird weiterhin finanzielle Hilfe für Projekte in den Hunsrückgemeinden leisten. Wegen des Nationalparks gibt es sogar einen Zuschlag, so dass bis 2020 insgesamt fünf Millionen Euro im Zuschusstopf sind. Ein Teil des Geldes könnte in Übernachtungsmöglichkeiten am Erbeskopf fließen.

Thalfang/Hermeskeil. Die Bewerbung war - wie vorher erwartet - erfolgreich. Nachdem ihnen die offizielle Anerkennungsurkunde überreicht worden ist, haben es der Vorsitzende Michael Hülpes und der Geschäftsführer Werner Haubrich nun schwarz auf weiß: Die LAG Erbeskopf (siehe Extra) wird auch in Zukunft in den Genuss von Zuschüssen der Europäischen Union (EU) kommen. Sie ist eine von 20 LAG in Rheinland-Pfalz, die bis zum Jahr 2020 finanzielle Unterstützung aus Brüssel und vom Land erhalten. Schon in der vorangegangenen Förderperiode hatte die Erbes-kopfgruppe Zugriff auf Geld aus dem sogenannten Leader-Programm zur Entwicklung des ländlichen Raums. Frühere Projekte: In der Hunsrück- und Hochwaldregion haben seit 2008 67 Einzelvorhaben von EU-Zuschüssen profitiert. Diese haben zum Beispiel die Neugestaltung des Hermeskeiler Bahnhofsvorplatzes, den Kletterpark am Erbeskopf und die Einrichtung des "Café Heimat" in Morbach möglich gemacht. Fünf Handlungsfelder: Nun sind neue Ideen von Gemeinden, aber auch von Privatleuten oder Vereinen gefragt. Sie haben die Chance auf einen Zuschuss, wenn ihre Vorhaben zu den fünf Handlungsfeldern passen, auf die die LAG Erbeskopf besonderen Wert legt. Diese heißen: Dorf- und Stadtentwicklung, Tourismus, Regionale Wirtschaft und Energie, Soziales Miteinander sowie Natur-, Land- und Forstwirtschaft. Mehr Geld für Erbeskopfgruppe: Mit Blick auf die neue Förderperiode bis 2020 betont Hülpes: "Wir haben eine Sonderstellung. Uns steht mehr Geld als vorher zur Verfügung." Der Grund: Im Erbeskopfgebiet liegt der neue Nationalpark Hunsrück-Hochwald. Als besonderer Bonus wird daher das Budget dieser LAG um zwei Millionen Euro aufgestockt. "Insgesamt können wir damit rechnen, dass bis 2020 rund fünf Millionen Euro in die Region fließen", sagt Haubrich. Höhere Zuschussquote: Im Vergleich zur früheren Periode gibt es noch einen weiteren großen Vorteil. Wenn Gemeinden ein Projekt anpacken, liegt die maximale Zuschussquote künftig bei 75 Prozent. Bei den Investitionskosten ist nun auch die Mehrwertsteuer förderfähig. Das war früher nicht so. Auch der Fördersatz war niedriger. Deshalb erhielten die Kommunen bisher bei einem Vorhaben höchstens 46 Prozent des Gesamtbetrags als Zuschuss. Um es an einem Beispiel zu veranschaulichen: Bei einem 10 000-Euro-Projekt mussten die Gemeinden in der früheren Periode 54 000 Euro selbst schultern. Nun wären es bestenfalls 25 000 Euro. "Die Förderbedingungen haben sich also erheblich verbessert", sagt Hülpes. Die Zuschussquote für Privatleute liegt bei höchstens 40 Prozent. Weil der Geldtopf nicht durch eine besonders kostspielige Investition sozusagen mit einem Schlag geleert werden soll, gibt es für ein Einzelvorhaben maximal einen Zuschuss von 250 000 Euro. "Es sollen ja möglichst viele Projekte im gesamten Gebiet umgesetzt werden", sagt Haubrich. Ideen für neue Vorhaben: Laut Hülpes laufen die bisher bekannten Projektideen darauf hinaus, "dass der Schwerpunkt wohl auf dem Ausbau der touristischen Infrastruktur in der Nationalparkregion liegen wird". Im Neuhüttener Ortsteil Muhl, der wie eine Insel im neuen Schutzgebiet liegt, könnte beispielsweise ein Nationalparkcamp mit Übernachtungsmöglichkeiten für Outdoor-Touristen entstehen. Die frisch erstellte Konzeptstudie sieht zudem den Umbau des Bürgerhauses in Muhl vor. Die Gesamtkosten liegen zwischen 550 000 und 650 000 Euro. Am Erbeskopf will der Verein Live, der schon den Kletterpark betreibt, auch Übernachtungsmöglichkeiten schaffen. Ob diese Projekte tatsächlich verwirklicht werden können, sei aber noch in der Schwebe, sagen Hülpes und Haubrich. Es gelte für alle Vorhaben, die der LAG-Versammlung vorgelegt werden, dass vor einer Bewilligung von Zuschüssen "die Finanzierung und Förderfähigkeit geprüft werden muss". Meinung

Auf Gleichgewicht achtenFür ein so großes Gebiet wie das der LAG Erbeskopf sind fünf Millionen Euro an Zuschüssen, die auch noch bis 2020 reichen müssen, sicher nicht die Welt. Gut möglich also, dass es trotz des Nationalpark-Bonus' unter den einzelnen Mitgliedsverbandsgemeinden zum politischen Gerangel kommt, wer in seinem Gebiet wie viele Projekte mit finanzieller Hilfe der EU umsetzen kann. Es wird also nicht für alle Ideen auch einen Zuschlag geben können, was allerdings auch schon in der vorangegangenen Förderperiode der Fall war. Wichtig wird es jedoch sein, dass ein gewisses Gleichgewicht gewahrt wird. Zwar liegt es auf der Hand, dass die EU-Zuschüsse in besonderem Maße für Vorhaben in der Nationalparkregion - zum Beispiel in der VG Hermeskeil - verwendet werden. Das sollte aber nicht dazu führen, dass andere Verbandsgemeinden, die wie Kell zwar LAG-Mitglied sind, aber außerhalb der Nationalparkregion liegen - stiefmütterlich behandelt und mit ihren Vorschlägen zu wenig berücksichtigt werden. a.munsteiner@volksfreund.deExtra

LAG Erbeskopf: Das Gebiet der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Erbeskopf erstreckt sich über ein 1208 Quadratkilometer großes Gebiet mit 130 Orten. In ihnen leben rund 115 000 Menschen. Das LAG-Gebiet umfasst die Verbandsgemeinden (VG) Hermeskeil, Kell am See, Thalfang, Herrstein und Birkenfeld komplett. Außerdem gehören die meisten Ortsteile der Einheitsgemeinde Morbach sowie der Großteil der Orte in der VG Ruwer dazu. Auch fünf Stadtteile von Idar-Oberstein und ein Ort in der VG Bernkastel-Kues (Gornhausen) sind Bestandteil der LAG. ax

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