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Neue Facebook-Gruppe für Eltern im Hochwald: Lieder, Tipps und Grüße aus der digitalen Kita

Kostenpflichtiger Inhalt: Facebook-Gruppe für Eltern im Hochwald : Lieder, Basteltipps und Video-Grüße aus der digitalen Kita

Erzieher aus Beuren und Hermeskeil wollen Eltern in der Krise unterstützen und etwas Kindergarten zu ihnen nach Hause bringen. Per Facebook teilen sie Ideen, um die Kinder zu beschäftigen – und die Resonanz ist groß. 

Wie bastelt man eine Biene aus einer leeren Konservendose? Welche Sportübungen sind jetzt auch zu Hause möglich? Was für Gegenstände können kleine Detektive in der Natur aufstöbern? Tipps und Anleitungen dazu gibt es in der Facebook-Gruppe „Digitale Kitas im Hochwald“.

Dahinter stecken das Familiennetzwerk Hafen und Mitarbeiter der Kitas aus Beuren und Hermeskeil. „Die Erzieherinnen haben überlegt, wie sie die Familien zu Hause erreichen und kreativ für sie da sein können“, beschreibt Hafen-Koordinatorin Karen Alt die Idee hinter dem digitalen Angebot. Weil Schulen und Kitas wegen der Corona-Pandemie geschlossen seien, müssten viele Eltern Arbeit, Hausaufgaben-Kontrolle und Kinderbetreuung unter einen Hut bringen. Viele seien dankbar für Vorschläge, wie sie vor allem ihre Jüngsten sinnvoll beschäftigen könnten.

Das soziale Netzwerk Facebook war laut Alt die einfachste Lösung, um Ideen zu bündeln. Elf Tage nach dem Start gibt es schon 420 Mitglieder. Sie finden in der Gruppe jede Menge Tipps: kreative Bastel- und Spielideen, Kuchenrezepte, Geschichten, Lieder und Video-Grüße vom Kitapersonal.

Um Lieder kümmert sich Lerncoach Matthias Leo Webel. Wenn das Virus nicht wäre, würde er jetzt mit den Kita-Kindern an einem Musikprojekt arbeiten. Stattdessen unterhält er sie fast täglich per Video mit seiner Gitarre und postet die Liedtexte zum Mitsingen. Für einen selbst gedichteten Song bat er die Kleinen, ihm ihre Wunsch-Geschmacksrichtungen für Gummibärchen zu nennen. Fast 40 Vorschläge kamen – von Spaghetti und Nutella bis „Flutschfinger“-Eis. „Es ist eine Notlösung. Live mit den Kindern zu singen ist natürlich viel schöner“, sagt Webel. Er hoffe jedoch, ihnen damit beim Überbrücken der schwierigen Zeit zu helfen. „Für die Kinder ist es wichtig, ihre gewohnten Bezugspersonen mal im Video zu sehen. Sie wissen dann: Die sind noch da und denken an uns.“

Viele Partner des Familiennetzwerks beteiligen sich. Literaturpädagogin Marion Adams, Leiterin der Hermeskeiler Stadtbücherei, erzählt in einem Video die Geschichte „Der Hase mit der roten Nase“. Valérie Schäfer von der Touristinformation zeigt, wie sie aus Blättern, Blüten und Zweigen ein Naturbild bastelt. Mitglieder des Hermeskeiler Turnvereins machen Sportübungen vor. Das Sozialraumzentrum fordert „Naturdetektive“ auf, draußen nach bestimmten Gegenständen zu suchen. Unter dem Beitrag haben Eltern Fotos ihrer „Ausbeute“ an Steinen, spitzen und „kuscheligen“ Dingen gepostet.

Spiel-Idee für Zuhause: Wollschnüre in einen Wäschekorb spannen, Figuren hineinstellen und mit der Grillzange herausangeln. Foto: Sandra Walter

Insgesamt gibt es viele positive Rückmeldungen. „Eine tolle Idee und sehr sinnvolle Aktion“, schreibt eine Mutter, eine andere lobt: „Vielen Dank an alle Aktiven hier, ihr macht einen tollen Job“. Solche Kommentare freuen Karina Düpre-Kranz. „Wunderbar, wenn aus etwas Schlechtem wie Corona so etwas Gutes entsteht“, findet die Erzieherin aus der Kita Beuren. Über die Facebook-Gruppe könnten sie und ihre Kollegen nun trotz allem Kontakt zu ihren Schützlingen halten: „Der Kindergarten kann zu Hause ein wenig weitergehen.“ Überrascht habe sie, dass die Gruppe so schnell wachse. Doch das zeige den Bedarf. Und die Ideen gingen nicht aus. Als nächstes wolle sie die Hauswirtschaftskräfte der Kitas um einfache Koch- und Backrezepte bitten. Die Polizei Hermeskeil sei angefragt, ob sie Videos etwa zur Verkehrserziehung beisteuere.

Naturdetektive unterwegs: Familie Lehnen hat Gegenstände gesucht, die das Sozialraumzentrum Hermeskeil per Anleitung vorgegeben hatte. Foto: Eva Lehnen Foto: Eva Lehnen

Um eine gewisse Kontrolle über die Inhalte zu behalten, sichten Administratoren die Beiträge, bevor sie sie veröffentlichen. Eltern müssen darauf achten, dass auf Fotos oder Videos ihre Kinder nicht erkennbar sind. Und Zutritt zur Gruppe erhält nur, wer nach Anfrage freigeschaltet wird. „Grundsätzlich richtet sich die Gruppe an Eltern und Kinder aus unserem Netzwerk“, sagt Karen Alt. Aber auch Interessenten von außerhalb weise man nicht ab.

Bastelanleitungen gibt es zahlreiche in der Facebook-Gruppe der Hochwälder Kitas. Diesen niedlichen Hasen haben Kinder aus der Notbetreuungsgruppe der Kita Beuren aus Pappe und einem Plastikbecher geschaffen. Foto: Sandra Benz Foto: Sandra Benz

Der Kreis derjenigen, die etwas beitragen wollten, wachse stetig. Die Gruppe profitiere von etablierten Strukturen des Hafen-Netzwerks, sagt Alt. Unter anderem dafür erhielt das Bündnis im Mai 2019 einen Deutschen Kita-Preis (der TV berichtete). Seit 2013 bringt der Hafen Kitas, Eltern, Kinder und Institutionen zusammen, organisiert für sie Freizeit-, Beratungs- und Hilfsangebote. Träger des vom Land finanzierten Projekts sind die Pfarrei St. Franziskus und die katholische Kita gGmbH. „Wir sehen jetzt, wie gut unser Netz funktioniert. Auch in schwierigen Zeiten.“